Ein Lächeln, das die Seele heilt

Pfarrer Bernhard Jung feierte sein Eisernes Priesterjubiläum

Es gibt Menschen, in deren Gegenwart man unwillkürlich anfängt zu lächeln. Ganz gleich wie gestresst, traurig oder verärgert man eben noch war. Pfarrer Bernhard Jung ist so ein Seelenheiler. Wenn der katholische Priester jemandem die Hand auf den Arm legt, wird einem sofort leichter ums Herz.

Das funktioniert verlässlich seit fast 90 Jahren. In der Pflegeheimat St. Hedwig in Heidelberg-Neuenheim wo der Pensionär lebt, feierte Bernhard Jung jetzt das seltene „Eiserne Priesterjubiläum“. Am 31. Mai 1953, vor genau 65 Jahren, ist er in St. Peter im Schwarzwald zum Priester geweiht worden.

Der Jubilar mit den Vinzentinerinnen der Pflegeheimat St. Hedwig

„Wir erinnern uns nicht mehr daran, wann unsere Kapelle je so voll war“, freuten sich die Vinzentinerschwestern, die in St. Hedwig wirken. Tatsächlich konnten die Bänke nicht all die Menschen fassen, die gekommen waren, um Bernhard Jung zu gratulieren. Auch im kleinen Altarraum ging es eng zu. Sechs Priester, angeführt von Dekan Joachim Dauer, zelebrierten zusammen mit dem Jubilar die Festtagsmesse. Offensichtlich hat hier jemand etwas sehr richtig gemacht in seinem Leben.

Die Riesenüberraschung: Theologie statt Mathematik

In der Heidelberger Altstadt wurde Bernhard Jung 1928 geboren. Die Mutter arbeitete als Wäscherin, der Vater als Elektriker. Bernhard war ein fleißiger Schüler. 1939 wechselte er aufs Kurfürst-Friedrich-Gymnasium, damals noch in der Schulgasse zuhause. Dann kam der Krieg. Im Januar 1944 wurde der 15-Jährige als Flakhelfer eingezogen, er geriet in amerikanische Kriegsgefangenschaft und kehrte erst Mitte Juni 1945 zurück. Furchtbare Zeiten. Aber, lächelt Bernhard Jung, der Krieg habe auch etwas Gutes gebracht. „Als ich bei der Flak ausrechnen sollte, wie hoch die Flugzeuge über uns hinwegfliegen, habe ich entdeckt, wie leicht mir das Rechnen fiel.“ Entsprechend gut war das Abitur, das Jung 1948 endlich in der Tasche hatte.

Sechs Mitbrüder konzelebrierten beim eisernen Jubiläumsgottesdienst

Dann die Riesenüberraschung: Statt für Mathematik entschied sich Bernhard Jung für ein Theologiestudium. Welchen Anteil die Schrecken des Krieges an dieser Entscheidung hatte, sagt er nicht. Er sagt: Es habe keinen Tag in seinem Leben gegeben, an dem er seine Berufswahl bereut hat. „Bei jedem Problem, mit dem ich konfrontiert war, habe ich ins Evangelium gesehen. Dort sind alle menschlichen Situationen beschrieben. Und ihre Lösungen.“

„Man muss für die Menschen da sein, um ihre Herzen zu berühren“

Die erste eigene Pfarrei übernahm der junge Pfarrer 1959 im Mosbacher Nordwesten. St. Josef war erst zwei Jahr zuvor für Heimatvertriebene erbaut worden. Das waren traumatisierte Menschen, die alles verloren hatten und in Deutschland nicht mit offenen Armen aufgenommen wurden. Eine Aufgabe wie geschaffen für Bernhard Jung, den Seelsorger. Sein Erfolgsrezept: „Man muss für die Menschen da sein, um ihre Herzen zu berühren.“

1972 dann die Lebensaufgabe: Die Herz-Jesu-Kirche im Freiburger Stadtteil Stühlinger. Ein riesiges neugotisches Gotteshaus in einem Arbeiterviertel direkt an Bahnlinie. Der Stühlinger gilt als „strukturell schwieriger“ Stadtteil. Bernhard Jung hat ihn geliebt. 29 Jahre lang. Und der Stühlinger liebte ihn. Bis heute ist „der Pfarrer Jung“ hier unvergessen. „Ihre hohe Kontaktfreudigkeit und Ihre wache menschliche Sensibilität waren Ihnen eine wertvolle Mitgift“, schreibt Erzbischof Stephan Burger in seinem Gratulationsbrief.

Pfarrer Jung in „seiner“ Kirche St. Teresa in Heidelberg-Ziegelhausen

Auch als Pensionär war Bernhard Jung immer draußen bei den Menschen

Im Oktober 2001 verabschiedete sich Bernhard Jung in den Ruhestand. Er zog nach Ziegelhausen, wo eine Einliegerwohnung im Haus seines jüngeren Bruders Egolf wartete. Zuhause angetroffen hat man den Pensionär allerdings fast nie. Pfarrer Jung wollte draußen sein bei den Menschen. Er taufte und traute, hörte Beichte, besuchte Kranke, zelebrierte Gottesdienste und als der Ziegelhäuser Fußballplatz eingeweiht wurde, segnete Pfarrer Jung auch ihn.

Im Oktober letzten Jahres ist Egolf Jung gestorben. Bernhard Jung, der ohne Hilfsmittel kaum mehr gehen kann, entschloss sich, in die Neuenheimer Pflegeheimat St. Hedwig zu übersiedeln. Sehr zur Freude der Schwestern und Bewohner. Seit der Seelenheiler da ist, lächeln hier alle viel öfter.

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