Der Pilgerbischof

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Michael Gerber ist der zweitjüngste Bischof Deutschlands

Seit dem 8. September 2013 hat das Erzbistum Freiburg einen neuen Weihbischof. Dr. Michael Gerber ist mit 43 Jahren der zweitjüngste Bischof Deutschlands und der erste, den Papst Franziskus ernannt hat. Gerber kommt aus Oberkirch im Schwarzwald, war – und ist derzeit noch – Regens des Freiburger Priesterseminars und gehört der Schönstatt-Bewegung an. Wie Erzbischof Robert Zollitsch und Kurt Faulhaber, der Leiter der Seelsorgeeinheit Heidelberg-Süd. Pfarrer Faulhaber und Weihbischof Gerber kennen sich gut.  Wie ist er denn so, der neue Bischof ? Weiterlesen

Die fünf Leben des Stift Neuburg

Wer dieses neue Buch in die Hand nimmt, wird in der ersten Viertelstunde garantiert nicht darin lesen. Er wird nur schauen wollen. Was nichts über den Text aussagt. Der ist spannend geschrieben. Die Bilder jedoch hauen um.

Stift Neuburg im frühen Frühlingslicht, zart umrahmt von sich öffnenden Magnolienknospen. Die Brüder mit riesigen Strohhüten und langen Bärten bei der Heuernte. Der Konvent im alten Chorgestühl, die schwarzen Kapuzen tief ins Gesicht gezogen. Ein Wirbel tanzender Lichtpunkte in der neuen Klosterkirche. Der völlig verwilderte Park zu Zeiten Alexander von Bernus. Die Rosengarten-Madonna im Schnee. Träumerisch aquarellierte Streuobstwiesen im Herbst und viele magische Momente mehr.

Dieses Heidelberg-Buch hat gefehlt !

„Die nach Gott Ausschau halten“ heißt das Stift-Neuburg-Buch, das Pater Ambrosius Leidinger OSB und Freundeskreis-Mitglied Peter Stadler aus Anlass des 25-jährigen Abtjubiläums von Franziskus Heereman zusammengestellt haben.

Der Band mit seinen 185 hochglänzenden Seiten ist einerseits eine Liebeserklärung an das Kloster am Rande der Stadt. Andererseits dokumentieren die Autoren erstmals umfassend die Geschichte der Abtei Neuburg, die zwei Mal säkularisiert und drei Mal neu gegründet wurde. Dabei räumen Leidinger und Stadler, obwohl sie das Buch aus benediktinischem Blickwinkel geschrieben haben, den weltlichen Phasen des Stifts ebenso breiten Raum ein wie den monastischen. Hat man sich eben noch hineingedacht in die Regel des heiligen Benedikt, so stößt man plötzlich auf einen Auszug aus der Autobiographie von Klaus Mann, der das geheimnisvolle Alchimistenleben im Stift beschreibt. „Die nach Gott Ausschau halten“ ist ein Heidelberg-Buch, das gefehlt hat.

Es ist ein Genuss, all die Künstlerbilder zu betrachten, die hier zusammengetragen wurden

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In den Fünfzigern warb Kodak auf Plakatsäulen mit Stift Neuburg

Stift Neuburg war sein Leben lang eine Welt für sich. 1130, so berichtet die Chronik, trat der „fromme und begüterte Anshelm“ ins Kloster Lorsch ein und bestimmte, dass von seinem Geld eine „Zelle zu Niwenburg und eine Kirche zu Ehren des Apostels Bartholomäus“ gegründet werde. Leider gedieh die Stiftung nicht besonders, weshalb das Männerkloster zum Frauenkloster wurde. Der Aufschwung gelang aber erst, als sich die neugegründete Zisterzienserabtei Schönau um 1300 Neuburg einverleibte.

1518 kam Luther nach Heidelberg und nichts war mehr wie zuvor. 1572 wurde der Neuburger Konvent aufgehoben und später in ein Fräuleinstift umgewandelt. Daher der Name. 1825 erwarb Johann Friedrich Heinrich Schlosser aus Frankfurt die Gebäude, um es in einen elysischen Treffpunkt für Künstler und Gelehrte zu verwandeln. Nie wurde das Stift häufiger und schöner gemalt als in diesen Jahren. Es ist ein Genuss, all die Künstlerbilder zu betrachten, die Pater Ambrosius und Peter Stadler in ihrem Buch zusammengetragen haben.

Auf vergilbten Fotos sehen wir einen verwilderten Park und marode Gebäude

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2007 haben die Mönche die Landwirtschaft aufgegeben

Das kinderlose Ehepaar Schlosser vererbte den Besitz an Alexander von Bernus. Er war Dichter, Alchimist, Geisterjäger, Anthroposoph, eine schillernde Gestalt eben, die sich stets mit einem Grüppchen von Individualisten umgab. 1926 war von Bernus pleite und verkaufte das Stift zurück an die Erzabtei Beuron, deren Erzabt unbedingt in Baden ein neues Kloster gründen wollte. Das dritte Leben der Abtei Neuburg.

Es begann mit großen Startschwierigkeiten. Auf den vergilbten Fotos sehen wir einen verwilderten Park, marode Gebäude, brachliegende Ländereien. Um das Geld für die Renovierung aufzubringen, übernahmen die Priestermönche Pfarrer-Stellen in Schlierbach, Ziegelhausen und Peterstal und kümmerten sich um die Seelsorge in den über zwanzig Schwestern- und Krankenhäusern Heidelbergs.

Die Fünfziger Jahre waren die Blütezeit der Abtei Neuburg

In den Fünfziger Jahren dann die Blütezeit der Abtei Neuburg. Die eindrucksvollen Schwarzweißbilder zeigen die Brüder beim Melken und bei der Forellenzucht, bei der Heuernte und in der Gärtnerei. Es gab eine Schreinerei, eine Schlosserei, eine Schneiderei und eine Buchbinderei. Und es gab Bruder Ingobert, dessen Efeuzucht der Abtei Neuburg zu internationaler Berühmtheit verhalf. Diese Bilderstrecke ist ein  faszinierender Blick auf ein Leben hinter Klostermauern, das in dieser Form wohl nie wieder zurückkehrt.

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Laienbrüder und Patres lebten früher im Kloster streng getrennt

Seit 2007 ist die Landwirtschaft der Abtei verpachtet. Das Kloster hat sich längst zur Welt geöffnet. 14 Mönche leben noch im Konvent. Sie versammeln sich  fünf Mal am Tag in der renovierten Klosterkirche zum Gebet. Mönche, so lehrt uns Pater Ambrosius in seinem Buch, beten niemals für sich. Sie beten immer für die Anderen. „Die Welt mit ihren Nöten und ihrer Gottesverfinsterung in das Licht Gottes zu halten, so dass das Leben Sinn empfängt, ist für uns Mönche das wichtigste Tun.

„Die nach Gott Ausschau halten“ kostet 24 Euro. Das Buch ist an der Klosterpforte und erhältlich.