Klick den Pfarrer

52 Predigtvideos auf einem Stick:
Arul Lourdu und Erzbischof Zollitsch

Die katholische Kirche und das Internet? Passt schon. Wenn man Ideen hat und genügend Ausdauer. Arul Lourdu, der Leiter der Seelsorgeeinheit Leimen-Nussloch-Sandhausen mit indischen Wurzeln, produziert seit über einem Jahr jede Woche ein Video für  „Leimen-lokal.de“.

Mehr als zweihundert Mal wird jede Folge angeklickt, womit sich Pfarrer Lourdu mitten in der Gesellschaft positioniert. Gemeinderat und Fußball haben mehr; Schwimmclub und Musikschule weniger. Ein Ergebnis, das sich sehen lassen kann. Wie auch die Videos. Pfarrer Lourdu verwendet nicht nur viel Mühe auf den Text, sondern lässt sich auch immer neue Locations und Outfits einfallen. Einen Besuch des Freiburger Erzbischofs in Mannheim nutzte der Leimener jetzt, um Robert Zollitsch feierlich seine ersten 52 Predigtvideos zu überreichte. Auf einem Stick.

Man sieht immer nur den Pfarrer. Langweilig ist es trotzdem nicht.

Herz Jesu in Leimen

Eigentlich sieht man immer nur den Pfarrer. Doch langweilig wird es trotzdem nicht. Arul Lourdu mit Anzug und Krawatte im Gewächshaus. Arul Lourdu im grünen Priestergewand vor dem Altar der Herz-Jesu-Kirche. Arul Lourdu mit Polo-Shirt und Dreitagebart im Garten.

Es gab auch schon einen Blog-Beitrag, da stand der dunkelhäutige Geistliche in einer weißen Albe im Neuschnee. Damals sprach Lourdu über die Taufe, weshalb ihm die Umgebung nicht weiß genug sein konnte. In der Regel interpretiert der Leimener in seinen Fünf-Minuten-Videos das Evangelium des folgenden Sonntags.

Lourdu spricht frei in die Kamera. Ohne Manuskript, ohne sich zu verhaspeln, aber natürlich mit indischem Akzent. Was niemanden stört außer dem Pfarrer selbst. „Jetzt bin ich schon vierzehn Jahre in Deutschland und besitze längst die deutsche Staatsbürgerschaft“, sagt der gebürtige Tamile. „Aber wenn ich die Videos anschauen, merke ich, wie viele Fehler ich noch mache.“

Eine Jugend in Kerala: Morgens ging’s im Halbschlaft zur Kirche

images-2

Kerala im Süden Indiens ist die Heimat von Pfarrer Lourdu

Im Süden Indiens, einem „Land voll religiöser Vielfalt“ (Lourdu), kam der Leimener Pfarrer 1969 zur Welt. Die Familie mit den vier Söhnen war gut katholisch. „Meine Mutter weckte mich regelmäßig am frühen Morgen für die Messe und ging ich im Halbschlaf mit ihr zur Kirche“, erinnert sich Arul Lourdu. Er ging schon damals gern zum Gottesdienst.

Ein Theologiestudium kam für ihn jedoch nicht in Frage. Der junge Mann wählte Chemie. Kurz vor dem Einstieg in die Industrie dann plötzlich die Zweifel. Was war mit seinem Engagement für Menschenrechte und Frieden in der Welt? Was war mit Gott? Arul Lourdu nahm sich ein Jahr Auszeit, traf sich mit Priester und Weisen des Hinduismus und des Christentums und begann schließlich ein Noviziat bei den Steyler Missionaren.

Ein Orden war nicht der richtige Weg. Mit Dreißig flog Lourdu nach Deutschland

Lourduklein

Seit 2011 sorgt Arul Lourdu für fast 10.000 Seelen

Doch der Orden war nicht der richtige Weg für Arul Lourdu. Der Dreißigjährige flog nach Deutschland. Er trat ins Freiburger Priesterseminar ein, wurde 2003 geweiht und übernahm 2008 die Verantwortung für Leimen, Nußloch und Gauangelloch. Ende 2011 kamen noch Sandhausen und St. Ilgen hinzu.

Heute ist Arul Lourdus Seelsorgeeinheit mit fast 10.000 Katholiken eine der größten im Dekanat Wiesloch. „Wir sind eine Patchwork-Glaubensfamilie, die nicht unbedingt freiwillig zusammengekommen ist“, sagte der Pfarrer bei seiner Investitur. „Aber die große Seelsorgeeinheit ist auch eine Chance: Wir sind eingeladen, unsere Pfarrei zu verlassen und über den eigenen Kirchturm hinauszublicken.“

Künftig will der Pfarrer vermehrt indische Schwestern nach Deutschland holen

Pfarrer Lourdus Ansprache an seine zehntausend Schäfchen ist natürlich auch im Netz abrufbar. Denn wegen der Mehrbelastung durch die große Seelsorgeeinheit sein Videoprojekt aufzugeben, auf diese Idee kam Arul Lourdu keine Sekunde. Im Gegenteil:

Lourdu hat Chemie studiert und war auf dem Weg in die Industrie. Dann kam Gott.

Vor kurzem hob der Leimener Inder sogar noch ein neues Großprojekt aus der Taufe. Lourdu will künftig vermehrt den Kontakt herstellen zwischen deutschen Seelsorgeeinheiten und indischen Ordensschwestern, die bereit wären, hier zu arbeiten.

Schon konkret angedacht ist eine Schwesternstation in Leutershausen an der Bergstraße. Der bekannte Marienwallfahrtsort will das ehemalige Mesnerhaus zum Schwesternhaus umbauen, so dass ein kleiner Konvent entstehen kann. Die indischen Schwestern sollen an der Bergstraße als Erzieherinnen im Kindergarten oder in der Altenpflege eingesetzt werden. „Zuvor müssen sie jedoch mindestens drei Jahre die Schulbank drücken“, erklärt Arul Lourdu. „Ihre indischen Abschlüsse werden in Deutschland nur teilweise anerkannt.“

 

5 Gedanken zu „Klick den Pfarrer

  1. Ich kann mich den Worten von Armin Theisen nur anschließen! Und wünsche Pfarrer Lourdu zudem viel Kraft. Vielleicht können wir ihn unterstützen, indem auch wir die Seelsorgeeinheit als Chance wahrnehmen und diese nutzen.
    Gudula Weigel-Riemann

  2. Lieber Arul,
    aus dem „weit entfernten Bayern“ höre ich regelmäßig Deine Viedeo Botschaft und freue mich auch immer darauf. Dies regelmäßig zu tun erfordert Einfallsreichtum, Energie und die Gabe zu andere zu Überzeugen. Mach weiter so. Ich freue mich zu Deinen Freunden zählen zu dürfen.

  3. Mit ein bißchen Verspätung hatte ich heute ein wenig Zeit, alte mails zu lesen und habe mich gefreut, positives von unserem ehemaligen Vikar zu hören. Auch im fernen Ittendorf schaue ich mir mit viel Interesse an, was er er Woche für Woche zu sagen hat. Danke für alles. Hildegard Mayer

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.