Abschied von einem großen Beter

Bruder Theodor Wenningmann ist im Alter von 88 Jahren verstorben

Er war immer da. Früh im Morgengrauen, wenn der Rest Welt noch schlief, hat Bruder Theodor Wenningmann mit seinem gewaltigen Schlüsselbund das Tor zur Benediktinerabtei Neuburg geöffnet. Und am Abend wartete er stets, bis der letzte Gast das Kloster verlassen hatte. 66 Jahre lang.

Viel gesprochen Bruder Theodor nie, aber er kannte jeden und wusste alles. Und wenn er einmal das Wort ergriff, dann stand man und staunte, wie tief dieser einfache Mönch eingedrungen war in die letzten Fragen der Theologie. Am Dienstag, 4. Juni 2019 ist Bruder Theodor Wenningmann OSB im Alter von 88 Jahren in Heidelberg gestorben.

Weniger als hundert Prozent waren für Bruder Theodor nie eine Option

Natürlich war Bruder Theodor streng. Mit sich selbst noch mehr als mit seinen Mitmenschen. Weniger als hundert Prozent waren für ihn nie eine Option. Weder in seinem „Beruf“ als Chef der riesigen Landwirtschaft von Stift Neuburg, noch in seinem Glaubensleben.

Vier Jahre lang, so erzählte der Benediktinermönch einmal in einem Interview, habe er ein Buch der heiligen Edith Stein über Johannes vom Kreuz „ausbuchstabiert“. Das ist schwerste theologische Kost. Erst als er den hochphilosophischen Gedankengang begriffen hatte, war Bruder Theodor bereit, die ewige Profess abzulegen. Sein Wahlspruch als Mönch stammte vom Propheten Nehemia: „Die Freude am Herrn ist meine Stärke“.

„Hätte er studieren können, wäre aus ihm ein großer Theologe geworden“

In Rheine in Westfalen wurde Bruder Theodor geboren. 1931 als Wilhelm Wenningmann. Die Familie lebte in einfachsten Verhältnissen. Die zehn Kinder schliefen in einem Zimmer, immer zwei in einem Bett. Der tiefe Glauben der Mutter ist für Bruder Theodor zeitlebens Vorbild geblieben. Die intensiven Glaubensgespräche, die er als Ministrant mit einem Kaplan geführt hatte, waren für ihn Motivation, so weit wie möglich in das „Geheimnis Gottes“ einzudringen.

Versäumte Bruder Theodor ein Stundengebet, fühlte er sich tagelang unvollständig.

Selbst in der Zeit vor dem Kloster, als Wilhelm ein Uhrmacherlehre absolvierte, gehörte seine gesamte Freizeit der theologischen Literatur. „Hätte Bruder Theodor studieren dürfen“, hat Alt-Abt Franziskus von Heereman immer gesagt, „wäre aus ihm ein großer Theologe geworden.“

So wurde aus ihm ein großen Beter. Die Feier der Eucharistie sei sein größtes Glück, hat Bruder Theodor immer gesagt. Versäumte er ein Stundengebet, weil eine seiner Kühe kalbte, fühlte er sich tagelang unvollständig. Stolze 25 Mal hat Bruder Theodor Wenningmann an der Gebetswache der Männer auf dem Lindenberg im Schwarzwald teilgenommen. Die Stille war seine Verbündete. „Wenn mir beim Meditieren der Durchblick bei einem Psalm gekommen ist“, hat Bruder Theodor noch kurz vor seinem Tod lächelnd gesagt, „hätte ich Luftsprünge machen können.“

Ein Gedanke zu „Abschied von einem großen Beter

  1. Bei einem Besuch an seinem Krankenbett am 19. November 2018 erzählte mir Bruder Theodor das Folgende.

    Ich lebte als Gast in Stift Neuburg, von Juni/Juli 1951 bis April 1953. In der Stadt arbeitete ich als Uhrmachergehilfe.
    Doch eine mir unerklärliche innere Blockade hinderte mich daran, ins Kloster einzutreten. Nach fast zwei Jahren verließ ich Heidelberg und wanderte als Handwerker weiter nach Xanten.

    Schon als Ministrant hatte ich mir angewöhnt, bei der Gabenbereitung zu sagen: „Ich gebe mich dir als Gabe.“ Das bezog ich auf die Aufgaben und Begegnungen des Tages, im Sinne von: „Lass es gelingen!“

    Als ich nun eines Tages in Xanten – es war im Sommer 1953 – wiederum bei der Gabenbereitung der Messe diese innere Haltung vollzog – ich gebe mich dir als Gabe –, da hörte ich in mir die Frage: „Mehr nicht?“
    Meine Antwort: „Willst du alles, so nimm alles!“
    Da war die innere Blockade gefallen.

    Ich kündigte meine Stelle zum 31. Oktober.
    Für 14 Tage ging ich nach Hause, nach „Rhein“. Meine Mutter freute sich.
    Am Vorabend des 15. November, dem Namenstag von Abt Albert, kehrte ich nach Heidelberg zurück.
    Mit diesem Tag begann ich mein Noviziat bei den Benediktinern von Stift Neuburg.

    Kurt Faulhaber

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