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Arche

Gelebte Ökumene: Carola und Jörg von Albedyll vor der Arche in Neckargemünd

Ökumene? Macht doch heutzutage jeder. An Himmelfahrt, am Buß- und Bettag, am Pfingstmontag, in der Osternacht, in der Bibelwoche. Sogar an Fronleichnam läuft der evangelische Posaunenchor mit. Was will man mehr? „Eine Kirche, in der sich beide Konfessionen zu Hause fühlen“, antworten Carola und Jörg von Albedyll.

Sie ist katholische Gemeindereferentin in Waibstadt, er evangelischer Rechtsanwalt, zusammen haben sie drei Kinder. Beide Eheleute fühlen sich tief verwurzelt in ihrer Konfession, beide wollen den Sonntagsgottesdienst mit der Familie feiern. Die Quadratur des Kreises. Sie gelingt seit genau vierzig Jahren in der Arche in Neckargemünd.

Am Anfang einer Geschichte über die Arche sollte ihre Architektur stehen, findet Jörg von Albedyll. „Dieses Gebäude bewirkt Gemeinschaft.“ Gut. Auf den Blick erscheint die Arche wenig heilig, eher zweckmäßig. Ein weitläufiges achteckiges Gebäude aus Backstein im typischen Stil der 1980er Jahre. Doch alles fließt. Die Wände kann man verschieben, statt Kirchenbänke gibt es Stühle, die Fenster lassen verschiedene Saalformen zu. Ein Kirchenchamäleon.

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Der typische Stil der Achtziger: Die „große“ Arche stammt aus dem Jahr 1982

„Das beide Konfessionen unter einem gemeinsamen Dach vereinigt“, betont Carola von Albedyll. Wer die Arche betritt, gelangt zwangsläufig in das große, helle Foyer. Es funktioniert wie ein Marktplatz, auf dem man sich trifft, plaudert und wieder seiner Wege geht. „Bei uns muss niemand auf einem zugigen Kirchplatz stehen“, freut sich Rechtanwalt von Albedyll. Vom Foyer aus gelangt man in die Gottesdiensträume.

Zwei Sonntagsgottesdienste Wand an Wand

Im rechten Kirchenraum versammelt sich die katholische St. Franziskus-Gemeinde; im linken die Stephanusgemeinde. Diese Namen stehen allerdings nur auf dem Papier. Die Arche versteht sich nämlich als eine ökumenische Gemeinde mit gemeinsamem Haushalt, gemeinsamem Öku-Rat, gemeinsamem Seelsorgeteam und gemeinsamen Gruppen.

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Der katholische Kirchenraum: In der Arche sind die meisten Wände flexibel.

Am Sonntag jedoch gibt es zwei Gottesdienste. Immer 10.45 Uhr. Wand an Wand. Solange eine Mahlgemeinschaft noch nicht in Sicht ist, sei dies für konfessionsverbindende Ehepaare ideal, finden die Von Albedylls. „Niemand muss seine Form aufgeben und trotzdem sind wir zusammen.“ Eine spannende Definition von Ökumene.

Die Kinder der Arche ziehen sich nach den Eingangsliedern ins Untergeschoss zurück. Hier erwartet sie ein verlässlicher und wohl vorbereiteter Kindergottesdienst. Jeden Sonntag. Nach dem Segen werden entweder die Wände Gottesdiensträume auseinandergeschoben, damit alle gemeinsam zu Mittagessen können. Oder man trifft sich zum Kirchenkaffee im Foyer. „Eine Stunde wuselt es nach den Gottesdiensten mindestens noch“, lächelt Protestant von Albedyll.

Win-Win: Beide Konfessionen profitieren vom Guten der anderen 

Togo

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An jedem ersten Sonntag im Monat werden alle Wände auseinander geschoben, so dass ein riesiger Raum entsteht mit einer Altarinsel in der Mitte. Zeit für den ökumenischen Gottesdienst. Oft steht das Taufbecken im Zentrum dieser Feier. Was den Vorteil hat, dass auch der evangelische Nachwuchs mit Chrisam-Öl gesalbt wird und der katholische einen Taufspruch mit auf seinen Lebensweg erhält. „Beide Konfessionen befruchten sich gegenseitig und profitieren vom Guten der jeweils anderen“, freut sich die Waibstädter Gemeindereferentin.

Im Neubaugebiet „Wiesenbacher Tal“, von der Stadt Neckargemünd explizit für junge Familien konzipiert, wurde die Arche im Advent 1974 gegründet und im Frühjahr 1975 eingeweiht. Die Erweiterung zur heutigen großen Form erfolgte 1982. Carola und Jörg von Albedyll stießen 1985 zur Gemeinde hinzu. Er war damals Referendar, sie machte ihr Gemeindepraktikum in der Arche. Da hatte das Paar gefunden, wonach es sich gesehnt hatte: Ein gemeinsames Kirchendach.

„Wo wir in späteren Jahren auch wohnten, am Sonntag sind wir immer in die Arche gefahren“, erinnert sich Jörg von Albedyll. Erst seit seine Frau als Gemeindereferentin in Waibstadt arbeitet, sind die gemeinsamen Sonntage in der Arche seltener geworden. Alles hat seine Zeit.

Mindestens ein Drittel der Gottesdienstbesucher kommt von auswärts

Neckargemünd Arche Team

Pastoralreferent Jordine und Gemeindereferentin Birgit Heilmann-Kastner

Die Zahl der „Einpendler“ (von Albedyll) ist trotzdem noch immer ungewöhnlich hoch in der Arche. Mindestens ein Drittel der regelmäßigen Gottesdienstbesucher wohnt nicht in Neckargemünd. Um solch weite Wege auf sich zu nehmen, braucht es viel Motivation. “Wer hierher kommt, für den ist das ökumenische Profil wichtig“, nickt Carola von Albedyll. Vor allem konfessionsverbindende Paare zieht die Arche an.

Aber natürlich sind auch im Wiesenbacher Tal die Zeiten der vollen Kirchen vorbei. Die Altersgruppe 45 plus ist noch treu. „Um junge Familien muss sich die Archegemeinde wieder bemühen“, sagt Gemeindereferentin von Albedyll. So einfach wie früher ist das nicht mehr. „Die junge Leute denken heute vom Event her“, formuliert Jörg von Albedyll. „Sie kommen oft nur, wenn ein Highlight ansteht.“

Der Archegemeinde ist um ihre Zukunft dennoch nicht bange. Sie hat ja eine Vision. „Es geht immer um Bindung“, defiiniert das Ehepaar von Albedyll. „Kirche muss Heimat sein. Wo ein Mensch sich zuhause fühlt, da übernimmt er auch Verantwortung.“

 

 

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