Wer wird neuer Landesbischof?

Heinz-Martin Döpp

Jochen Cornelius-Bundschuh

Kerstin Gäfgen-Track

Glaubt man den Statements über die Befindlichkeit der Kandidaten, dann scheint es kaum etwas Unwichtigeres zu geben als die Wahl zum badischen Landesbischof.

„Völlig gelassen“ sähen sie dem heutigen Urnengang entgegen, geben Kerstin Gäfgen-Track, Jochen Cornelius-Bundschuh und Heinz-Martin Döpp gleichlautend zu Protokoll. Aber das stimmt natürlich nicht. Alle drei brennen darauf, in den nächsten zwölf Jahren die Geschicke der Badischen Landeskirche zu lenken. Was man ihnen nicht verdenken kann. Der Job, der heute vergeben wird, ist einer der reizvollsten in der evangelischen Kirche von Deutschland.

Die Badische Landeskirche steht finanziell auf soliden Beinen und das wird auch so bleiben. Alle EKD-Prognosen errechnen für Baden stabile Mitgliederzahlen bis 2040. Dramatische Einbrüche wie im Norden, im Osten oder im Ruhrgebiet wird es im Südwesten nicht geben. In Baden ist die protestantische Welt noch weitgehend in Ordnung.

Die erste Frau, die je für das Badische Bischofsamt kandidierte

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Wird es schwer haben: Kerstin Gäfgen-Track kommt von außen

Siebzig Synodale aus den 25 Kirchenbezirken von Konstanz bis Mannheim zergrübeln sich seit gestern Nachmittag in Bad Herrenalb die Köpfe, wer Ulrich Fischer im Amt des Landesbischofs nachfolgen soll. Einen Favoriten unter den drei Kandidaten auszumachen, ist schwierig.

Dr. Kerstin Gäfgen-Track ist die erste Frau, die jemals für das Amt des Landesbischofs von Baden kandidiert hat. Das verschafft ihr bei den weiblichen Synodalen sicher einen Bonus. Andererseits kommt die 54-jährige Oberlandeskirchenrätin aus Hannover und ist in Baden weitgehend unbekannt.

Wie schwierig es eine Kandidatin von außen hat, zeigte sich kürzlich erst bei der Wahl zum rheinischen Landesbischof. Hier trat Ellen Ueberschär an, die populäre Kirchentags-Generalsekretärin aus Berlin. Alle Medien sahen in Ueberschär die haushohe Favoritin, doch sie wurde Letzte. Die rheinischen Synodalen wählten den Wuppertaler Oberkirchenrat Manfred Rekowski, einen Mann mit Stallgeruch. Auch die norddeutsche Kerstin Gäfgen-Track, die mit dem fast zwanzig Jahre älteren Theologieprofessor Joachim Track verheiratet ist, wird es schwer haben in Bad Herrenalb.

Diesen Kandidaten kennt in der Badischen Landeskirche jeder 

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Hat einen Heimvorteil: Jochen Cornelius-Bundschuh

Auf ein Heimspiel dagegen kann sich Professor Jochen Cornelius-Bundschuh einrichten. Der 56-Jährige Oberkirchenrat, der in seiner Freizeit begeistert Fußball spielt, leitet seit 2009 in Karlsruhe die Abteilung „Theologische Ausbildung“. Er betreut die Theologiestudenten, die Lehrvikare und das Predigerseminar Petersstift an der Alten Brücke von Heidelberg. An der dortigen Universität lehrt Cornelius-Bundschuh zudem Praktische Theologie. Den Doppelnamen verdankt der Bischofs-Kandidat mit den hessischen Wurzeln seiner Frau Ulrike Bundschuh, die als Pfarrerin in Karlsruhe-Durlach tätig ist.

Im Gegensatz zu Gäfgen-Track kommt Cornelius-Bundschuh in der badischen Landeskirche viel herum und ist gut bekannt. Bevor der Professor nach Karlsruhe wechselte, hatte er als Leiter des Predigerseminars in Hofgeismar bei Kassel acht Jahre lang bewiesen, dass er über Führungsqualitäten verfügt. Vor allem aus den südbadischen und den ländlicheren Kirchenbezirken hört man, Jochen Cornelius-Bundschuh habe die Nase im Rennen ums badische Bischofsamt vorne. Doch es gibt auch Stimmen, die Cornelius-Bundschuh wegen seiner Verwurzelung im Oberkirchenrat nicht zutrauen, dass er frischen Wind ins rote Haus zu Karlsruhe bringt.

Der Außenseiter aus Norbaden mit besten Referenzen

Wieblingen Thaddenschule Rektor Döpp

Der Geheimtipp: Heinz-Martin Döpp

Viele der nordbadischen Synodalen, allen voran natürlich die Mannheimer, werden wohl für den Heidelberger Schulleiter Dr. Heinz-Martin Döpp votieren. Der Theologe ist ein dynamischer Managertyp, der das evangelische Thadden-Gymnasium mit fast 900 Schülern seit 2009 sehr erfolgreich leitet. Seit 2010 gibt es auch die Thadden-Grundschule, die erste evangelische Grundschule in Baden. Ein Herzensprojekt des scheidenden Landesbischofs Ulrich Fischer. Er war bis zu seiner Wahl zum Landesbischof der Dekan von Mannheim. Heinz-Martin Döpp hatte fünf Jahre lang das Amt des Schuldekans in Mannheim inne. Ein Zeichen?

Den Schwerpunkt seiner Arbeit als Schuldekan legte Heinz-Martin Döpp auf die Ökumene und den interreligiösen Dialog. Das passt zu seiner Vita. Döpp hat neben Theologie auch Judaistik studiert und in Jerusalem gelebt. In Mannheim forcierte Döpp den Ausbau des Ökumenischen Bildungszentrums sanctclara, einer in Deutschland einzigartigen Einrichtung und er brachte den Modellversuch für islamischen Religionsunterricht mit auf den Weg. Seit seinem Wechsel ans Thadden-Gymnasium sah man Heinz-Martin Döpp allerdings nur noch selten bei großen evangelischen Ereignissen.

 

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