Bald müssen die Laien ran

In Heidelberg gehören künftig alle Katholiken zu einer Pfarrei.

Heidelbergs Katholiken ringen um die Zukunft. Weil es immer weniger Priester gibt, will man den Versuch wagen, ab 2015 alle vierzehn Pfarreien Heidelbergs und Eppelheims in einer großen Kirchengemeine zu vereinen. Ein Novum im Erzbistum Freiburg.

Vor genau einem Jahr, im Sommer 2010, begannen die Planungen für das Pilotprojekt. Jetzt zeichnet sich die Silhouette einer „Stadtkirche Heidelberg-Eppelheim“ mit 40 000 Gläubigen ab. Die wichtigste Veränderung: Ehrenamtliche Laien erhalten deutlich mehr Mitspracherecht und Verantwortung als bisher. „Hier wächst eine Gestalt von Kirche heran, wie wir sie derzeit noch nicht kennen“, sagt Dekan Joachim Dauer.

Ein Pfarrer kümmert sich künftig um 8000 Seelen

Dekan Dauer: „Eine neue Gestalt von Kirche“

Die Zahlen sind dramatisch, die Verunsicherung ist groß. Bis zum Jahr 2030, so die Prognose der Freiburger Bistumsleitung, sinkt die Zahl der Diözesanpriester, die sich für die Leitung einer Kirchengemeinde eignen, von heute rund 600 auf knapp über 200. In Heidelberg und Eppelheim gibt es ab 2015 nur noch fünf Gemeindepriester. Ein Pfarrer für 8000 Seelen. Enge Vertrauensverhältnisse lassen sich bei dieser Größenordnung schwer aufbauen.

Die Stadtkirche Heidelberg-Eppelheim setzt daher auf neue Formen von Gemeinde, bei denen sich alle für das Zusammenleben verantwortlich fühlen. Weil solch solidarisches Miteinander nur in überschaubaren Gruppen möglich ist, werden die bisherigen Seelsorgeeinheiten abgeschafft. Die Hauptrolle spielen künftig wieder die Pfarreien, die von einem Gemeindeteam betreut werden.

Ehrenamtliche kümmern sich um das kirchliche Leben vor Ort

Architekt und Dekanatsrat Christian Taufenbach

„Das Gemeindeteam besteht mindestens aus fünf Ehrenamtlichen. Zwanzig oder fünfundzwanzig Engagierte wären jedoch besser“, definiert Christian Taufenbach. Er ist im Hauptberuf Architekt, beschäftigt sich aber als Dekanatsrat viel mit der Konzeption der Stadtkirche. Zu jedem Gemeindeteam gehört auch ein hauptamtlicher Seelsorger.

Das kann ein Priester sein, in der Regel jedoch übernehmen Pastoral- oder Gemeindereferenten diese Aufgabe. „Über die Rolle der Hauptamtlichen in den Gemeindeteams diskutiert man in Freiburg noch“, berichtet Dekan Dauer. „Ich gehe aber davon aus, dass sie schon allein durch ihre Tätigkeit eine leitende Funktion haben werden.“

Für die ganze Stadt gibt es nur noch einen Pfarrgemeinderat

Auch die Jesuitenkirche soll ein ehrenamtliches „Gemeindeteam“ erhalten

Jedes der vierzehn Gemeindeteams wählt einen Sprecher, der die Interessen der Pfarrei im Heidelberger Pfarrgemeinderat vertritt.

Womit wir beim heikelsten Thema wären. Rechtlich gesehen ist die „Stadtkirche Heidelberg-Eppelheim“ das einzige legitime Organ der katholischen Kirche in Heidelberg. Nur die Stadtkirche darf Verträge abschließen, Vermögen verwalten und Geld ausgeben. Für die ganze Stadt gibt es nur noch einen Pfarrgemeinderat und einen Stiftungsrat. „Die Gemeindeteams vor Ort erhalten ein Budget, um ihre Ausgaben zu decken“, erklärt Christian Taufenbach.

Vier Priester sollen sich ausschließlich der Seelsorge widmen

Auch die Hauptamtlichen müssen sich umstellen. Spezialisierung ist angesagt bei den Pastoral- und Gemeindereferenten. Sie haben ihre Büros zwar in einem der vierzehn Pfarrhäuser, übernehmen aber neben ihrer Tätigkeit in der Pfarrei auch Aufgaben für die gesamte Stadtkirche. „Das kann etwa für die Vorbereitung von Firmung oder Erstkommunion sein“, sagt Joachim Dauer. Die Verantwortung für die Taufe oder für die Beerdigung hingegen bleibe eher vor Ort.

Experimentieren mit großen Einheiten: Erzbischof Zollitsch und Dekan Dauer

Zu den Geweihten. Ein Priester wird vom Erzbischof zum Leiter der Stadtkirche ernannt. Bloßer Manager ist er trotz der vielen Verwaltungsaufgaben nicht, betont Dauer. „Kein Priester verzichtet darauf, Sakramente zu spenden.“ Die vier anderen Priester sollen sich künftig ausschließlich der Seelsorge widmen. Ein „Priesterteam“ (Dauer). Natürlich, verspricht der Dekan, werden die Gläubigen auch in Zukunft wissen, wer „ihr“ Seelsorger ist. Aber: „Der Wunsch, dass in jedem Pfarrhaus ein Pfarrer wohnt, werden wir nicht mehr erfüllen können. Damit müssen wir uns wohl abfinden.“

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.