Kirche im Quadrat: Mannheim

3Mannheim3Der 9. Januar 2016 war ein kalter, grauer, aber immerhin trockener Tag. Wir brachen auf zu einem Kirchenspaziergang durch Mannheim. Die S 2 brachte uns in knapp zwanzig Minuten zum dortigen Hauptbahnhof. Von hier ist es nur ein Katzensprung zum Schloss, mit dessen Bau die Geschichte Mannheims begann. Vor fast 300 Jahren.

 

Mannheimneu21720 hatte Kurfürst Carl Philipp endgültig die Nase voll von den reformierten Heidelbergern. Wollten sie ihm doch partout nicht die Heiliggeistkirche am Marktplatz als katholische Schlosskirche überlassen. Da das Heidelberger Schloss nach dem Pfälzischen Erbfolgekrieg sowieso Ruine war, beschloss Carl Philipp, sich eine neue Residenz zu bauen. Draußen in der Rheinebene bei dem Dörfchen Mannheim war genügend Platz für das zweitgrößte Barockschloss der Welt. Das deutsche Versailles.

MannheimSchloss

600 Zimmer hatte das Mannheimer Schloss in seiner Blütezeit. Carl Philipp achtete penibel darauf, dass es genau ein Fenster mehr besaß als Versailles. Das Schloss stand an der höchsten Stelle der Stadt, die zeitgleich aus dem Boden gestampft wurde. Schön symmetrisch. Alle Straßen der Innenstadt sind als Quadrate angelegt, die Adressen folgen dem Alphabet. Quadrat A 1 liegt direkt gegenüber des Schlosses.

 

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Fast vierzig Jahre hat es gedauert, bis das Mannheimer Schloss fertig war. Die Vollendung hat Carl Philipp zwar nicht mehr erlebt, aber er konnte immerhin zwanzig Jahre lang in den fürstlichen Gemächern im Mittelteil des Schlosses wohnen. Carl Philipp regierte barock, absolutistisch und fromm. Jesuiten hatten den Kurfürst erzogen und spielten am Mannheimer Hof eine wichtige Rolle. Vor Entscheidungen betete Carl Philipp oft stundenlang ausgestreckt auf dem Boden seiner Schlosskirche.

 

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Die Mannheimer Schlosskirche muss ein phantastisches Gotteshaus im Stil des leichten französischen Barock gewesen sein. Cosmas Damian Asam, der bekannteste Freskenmaler seiner Zeit, zauberte einen offenen Himmel an ihre Decke. Engel und Heilige in Zartblau. Der Zweite Weltkrieg hat all das  zerstört. Die Brandbomben der Amerikaner legten das Mannheimer Schloss mitsamt der Schlosskirche in Schutt und Asche. Lediglich das Giebelrelief von Paul Egell, das die göttliche Dreifaltigkeit darstellt, überlebte die Verheerung.

Schlosskirchedecke

Glücklicherweise entschlossen sich die Mannheimer nach dem Krieg zum Wiederaufbau des Schlosses, um die Universität darin unterzubringen. So bleibt eine Ahnung vom einstigen Glanz der Quadratestadt. Die Asam-Gemälde allerdings sind für immer dahin. Das jetzige Deckenfresko stammt von einem Ladenburger Maler.

 

 

Die Schlosskirche gehört heute den Altkatholiken. Sie haben sich 1871 nach dem Ersten Vatikanischen Konzil von der Mannheim5Kirche Roms abgespalten, weil sie das Dogma von der
Unfehlbarkeit des Papstes nicht mittragen wollten. Altkatholiken glauben keineswegs rückwärts gewandt sondern sehr heutig. Ihre Kirche ist synodal strukturiert. Die Priester werden von ihren Gemeinden gewählt und dürfen heiraten. Seit zehn Jahren weiht man auch Priesterinnen. Der altkatholische Ritus gleicht zu 99 Prozent dem römisch-katholischen. Die Kirche zählt in Deutschland etwa 16000 Mitglieder.

 

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Wenn man von der Schlosskirche hinaus auf den Ehrenhof tritt, kann man einen ersten Blick auf die stattliche Kuppel der Jesuitenkirche erhaschen. Auch diese Kirche ist  ein Nachbau des Originals. Im 18. Jahrhundert war die Jesuitenkirche direkt mit dem Schloss verbunden. In dem Seitenarm zwischen Kirche und Schloss lebten die Jesuitenpatres mit phantastischem Blick auf den Pfälzer Wald. Anfang des 20. Jahrhunderts beschlossen die Mannheimer, eine Autobrücke über den Rhein nach Ludwigshafen zu bauen. Der „Jesuitentrakt“ war im Weg. Seither braust es vierspurig  zwischen Schloss und Kirche.

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Der Bau der Jesuitenkirche vollendete das Mannheimer Barockschloss. Erst 1756 konnte die Kirche geweiht werden. Kurfürst Carl Philipp ruhte da schon längst in der Gruft der Schlosskirche. Sein Neffe Karl Theodor regierte nun die Kurpfalz. Er machte aus Mannheim eine der prächtigsten Städte Europas.

 

 

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Das Schloss lag inmitten eines riesigen Gartens im französischen Stil, Blumenrabatten und Rasenflächen wechselten sich mit Wäldern und Buchsbaum-Labyrinthen ab. Der Kurfürst bezog sündhaft teure Tulpen und Hyazinthen in den Niederlanden, ließ Flanierwege und Springbrunnen anlegen. Von all der Pracht ist nichts geblieben. Nur Straßen.

Karl Theodor schuf aber auch ein Kunstkabinett, die kurpfälzische Akademie der Wissenschaften, die modernste Sternwarte der Welt und eine Porzellanmanufaktur. Die Kurfüstliche Bibliothek und die Mannheimer Hofkapelle besaßen Weltruhm. Mozart, der zwei Jahre in Mannheim weilte, hätte zu gern eine Anstellung als Kapellmeister erhalten. Aber der Kurfüst bot ihm lediglich einen Job als Klavierlehrer an. So sehr leuchtete Mannheim.

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In der Jesuitenkirche glänzten Gold und Marmor, wohin man auch sah. Die hohe Kuppel verwies auf Il Gesu in Rom. Die Decke bemalte wieder Cosmas Damian Asam diesmal zusammen mit seinem Bruder Egid Quirin. Die Fresken schilderten das Leben des heiligen Ignatius von Loyola und des heiligen Franz Xaver. Die beiden Jesuiten wachen als Patrone über die Kirche.

 

 

imagesIn den frühen Morgenstunden des 6. September 1943 durchschlug eine Fliegerbombe die Kuppel der Jesuitenkirche und zermalmte den Marmoraltar. Am 13. Januar 1945 fiel eine Sprengbombe durch das offene Kuppeldach und vollendete das Zerstörungswerk. Die Jesuitenkirche war reif zum Abbruch.

 

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Die Rückkehr der Jesuiten nach Mannheim rettete die Kirche. 150 Jahre nachdem die Gesellschaft Jesu aus der Kurpfalz verschwunden war, kam sie 1947 in Person von Pater Franz Meßbacher in die Stadt zurück. Pater Meßbacher besah sich die verheerte „Basilika Carolina“ und begann zu beten. „Jeden Tag, bei jedem Wetter, sommers wie winters feierte er in den Ruinen eine Heilige Messe“, heißt es in der Chronik der Kirche.

Die Gottesdienste wirkten. 1948 begannen Mannheimer Handwerker die Jesuitenkirche notdürftig wieder einzudecken. 1949 trudelten die ersten spärlichen Spenden ein. Vierzehn Jahre zog sich der Wiederaufbau hin. Am 6. November 1960 konnte der Freiburger Erzbischof Herrmann Schäufele die „neue“ Jesuitenkirche weihen.

Altar kleinIhr Altar war schrecklich. Ein unbedeutendes, staksiges Provisorium im Stil der Fünfziger Jahre, das sich im gewaltigen Chor verlor. Also einen modernen großen Hochaltar in Auftrag geben? Oder aber den ursprünglichen Barockaltar nachbauen? Ein verwegener Gedanke …

 

Am 12. Juli 1986 gab der Präsident des Landesdenkmalamtes die Entscheidung bekannt: Die Mannheimer Jesuitenkirche erhält eine „schöpferische Kopie“ ihres ehemaligen Hochaltars.

KONICA MINOLTA DIGITAL CAMERAAls Vorlage für die Nachbildung dienten zwei vergilbte Fotografien. Elf Jahre und 16 Millionen Euro verschlang das in der Kunstgeschichte einmalige Projekt. 1997 wurde der Hochaltar festlich geweiht.

Die Moderne kommt in der Jesuitenkirche auch nicht zu kurz. Der Schonacher Künstler Klaus Ringwald schuf den luftigen Zelebrationsaltar, auf dem 748 geschmiedete Rosen blühen.

 

 

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Rechts neben dem Altarraum steht eine moderne Büste. Das Gesicht wirkt zerklüftet. Eine Verneigung vor dem Jesuitenpater Alfred Delp. 1907 wurde er in Mannheim geboren, 1944 von den Nationalsozialisten in einem Berliner Gefängnis ermordet.

Pater Delp stammte aus einfachsten Verhältnissen. Er wurde, obwohl katholisch getauft, evangelisch erzogen und sogar konfirmiert. Der katholische Dorfpfarrer erkannte das intelektuelle Potential des Jungen und förderte ihn.

 

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Nach dem Abitur auf einem katholischen Internat trat Alfred Delp ins Noviziat der Jesuiten ein. Er studierte Theologie in München und profilierte sich – mitten im Nazi-Deutschland – als Vordenker in Fragen der christlichen Soziallehre. Delps Grundgedanke: Ein Mensch muss ein Minimum an menschenwürdigem Lebensraum haben, um Gottes überhaupt fähig zu sein. Delps Lösung: Eine neue Gesellschaftsform jenseits von Kapitalismus und Marxismus.  Er nannte sie „Personalen Sozialismus“ und brannte darauf, dieses System nach dem Zusammenbruch des Nazi-Regimes, den er schon bald erwartete, in einem demokratischen Deutschland zu installieren.

Alfred_Delp1Am 28. Juli 1944, nach dem gescheiterten Attentat auf Hitler, verhaftete die Gestapo Pater Delp in München und brachten ihn in die Haftanstalt Berlin-Tegel. Man folterte ihn. Man ließ ihn monatelang in Einzelhaft dahin vegetieren. Sein Ringen mit Gott in dieser Zeit dokumentieren Tagebuchnotizen, die Delp mit gefesselten Händen schrieb und aus dem Gefängnis schmuggeln konnte. Im Dezember 1944 legte Alfred Delp im Gefängnis die ewige Profess ab. Am 31. Januar 1945 wurde er am Galgen hingerichtet. Er war 37 Jahre alt.

Wendet man sich hinter der Jesuitenkirche nach links, so sieht man im Quadrat B4 das – tipptop sanierte – Ursulinenkloster. Früher führten die Schwestern selbst das angeschlossene Gymnasium. Jetzt, da der Konvent nur mehr drei Ursulinen zählt, haben sie die Leitung der Schule einer Oberstudiendirektorin übertragen.

Sanctclara 2015-vafEin Quadrat weiter in C 4 befindet sich „Santclara“, das ökumenische Bildungszentrum von Mannheim. Witziges Detail: Die kleine Ökumene-Glocke von Santclara läutet jeden Tag um 12.05 Uhr, sobald die großen Glocken der Jesuitenkirche verstummt sind. Wir kamen genau zum richtigen Zeitpunkt vorbei.

In F 4 steht die evangelische Trinitatis-Kirche. Sie ist das eindrücklichste Beispiel für den anderen Weg, den Mannheim nach dem Krieg hätte wählen können. Auch Trinitatis lag komplett in Trümmern, auch hier wurde ein Wiederaufbau nach historischem Vorbild erwogen. Diesmal verwarf man die Idee.

Trinitatis_Ansicht_Ludwig_Wilhelmstraße_Fotograf_Robert_Haeusser-mh71duv4noehj2mmlm9xan8o8q5ta2johwvxd8q0g8Stattdessen beauftragte die evangelische Kirche den jungen, ambitionieren Helmut Striffler, der beim Star-Architekten Egon Eiermann gelernt hatte, eine supermoderne Kirche zu entwerfen. In den späten 1950-Jahren bedeutete das: Sichtbeton pur. „Alles Ma­te­rial tritt un­ver­klei­det auf. Die la­pi­da­ren Ge­gen­sätze von Stein, Glas, Holz und Me­tall be­herr­schen den Bau und geben ihm ar­chai­sche Würde. Klein­li­che Zutat fehlt gänz­lich“, sagte Striffler bei der Einweihung 1959.

Die Tri­ni­ta­tis­kir­che fand in Ar­chi­tek­ten­krei­sen welt­weit Be­ach­tung. 1995 schaffte sie es als eine von ganz wenigen Beton-Kirchen in die oberste Denkmalschutz-Kategorie. Leider steht sie an der falschen Stelle. In den G-Quadraten leben fast nur noch türkischstämmige Mannheimer. Gottesdienste werden in Trinitatis schon seit seit zehn Jahren nicht mehr gefeiert. Die Kirche ist ganzjährig zugesperrt. Der evangelische Stadtdekan wäre sofort bereit zu profanieren, wenn nur endlich jemandem einfallen wollte, wozu man die Kirche nutzen könnte. Jetzt soll ein Ideenwettbewerb die zündende Idee liefern. Im Juni 2016 werden die Vorschläge präsentiert.

Unknown-1Schräg gegenüber von Trinitatis steht seit 1996 die neue jüdische Synagoge. Mittendrin im türkischen Viertel. In Mannheim ist das bislang kein Problem. Die Türken mieten auch schon mal den großen Gemeindesaal der jüdischen Gemeinde für ihre opulenten Hochzeiten. In Mannheim leben Menschen aus mehr als 150 Nationen der Welt. Fast alle Religionen der Welt  sind in der Quadratestadt vertreten.

Von der Synagoge bis zum Marktplatz sind es nur ein paar Schritte. Wir hatten Glück: Am Samstag ist in Mannheim Markttag. So erlebten wir – wenn auch im Winter – den wohl größten und urwüchsigsten Wochenmarkt der Region. Die Gemüsefelder der Pfalz sind nah. Viele Erzeuger bringen ihre Produkte in die Quadratestadt.

UnknownAm Marktplatz steht die älteste Kirche Mannheims. Sie wurde um 1706 errichtet und ist dem heiligen Sebastian geweiht. Sankt Sebastian bildet mit dem Alten Rathaus – heute ist hier das Standesamt untergebracht – einen  barocken Doppelbau. Er ist das älteste im Original erhaltene Bauwerk der Stadt.

 

Sebastianinnen2Leider erinnert im Innenraum von St. Sebastian kaum noch etwas an den Barock. Lediglich der linke Seitenaltar stammt noch aus dem Jahr 1778. Er enthält eine Reliquie des heiligen Theodor, die Kurfürst Karl Theodor in Rom erworben hat. Die bildhübsche klassizistische Madonna mit Kind schuf Peter Anton von Verschaffelt.

Der prächtige Hochaltar von Paul Egell wurde aus unerfindlichen Gründen 1875 abgebrochen und nach Berlin verkauft. 1906 mauerte man dann auch noch die Fenster im Chor zu.

St. Sebastianinnen1954 erhielt die Marktplatzkirche einen Hochaltar aus Holz mit einem Relief, das die Krönung Mariens darstellt. Die Gottesmutter ist umringt von den Heiligen Johannes, Paulus, Petrus und Sebastian. Nach der Liturgiereform des Zweiten Vatikanischen Konzils sägte man die Altarmensa kurzerhand ab und rückte sie von der Wand weg, wodurch Maria jetzt etwas verloren über dem Tabernakel schwebt.

Konkordienkirche

Jenseits der „Breiten Straße“ trafen wir auf das zweite Beispiel für die barocke „Mannheimer Symmetrie“: Die Konkordienkirche, das größte evangelische Gotteshaus in der Innenstadt, teilt sich seit 1717 das Gebäude mit der Mozartschule. Heute ist das eine Grundschule mit sehr hohem Migrationsanteil. In Mannheim leben etwa 312 000 Menschen, 42 Prozent haben Migrationshintergrund. Größte Ausländergruppe sind die 28 000 Türken, gefolgt von rund 18000 Polen und 10000 Italienern. Stark angestiegen ist in den letzten Jahren die Zahl der Rumänen und Bulgaren (rund 12000).

Konkordienkirche

Die Konkordienkirche ist stolz darauf, den höchsten Kirchturm der Quadratestadt zu besitzen. „Concordia“ ist das lateinische Wort für „Eintracht“. Die Kirche trägt diesen Namen aus Freude über die „Badische Kirchenunion“, zu der sich Lutheraner und Calvinisten 1821 zusammengeschlossen haben. In den dreihundert Jahren zuvor hatten sich die beiden evangelischen Glaubensrichtungen erbittert bekämpft. Der Innenraum von Konkordien, ursprünglich ein Kind der 1950er Jahre, wurde in den letzten zehn Jahren künstlerisch hochwertig saniert.

 

Konkordien:Vesper

Eine Besichtigung war bei unserem Besuch nicht möglich, denn alljährlich im Januar verwandelt sich die Konkordienkirche für sechs Wochen in die Mannheimer „Vesperkirche“. An langen Tischen servieren mehr als 50 ehrenamtliche Helfer Mittag für Mittag eine kostenlos warme Mahlzeit an die Ärmsten der Stadt. Beim Start der Vesperkirche im Jahr 1998 kamen 60 Essensgäste pro Tag. 2016 waren es mehr als 700. Der Speiseplan ist abwechslungsreich. Ein Team von Profiköchen kocht. Jeden Tag gibt es einen anderen Nachtisch.

 

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Die letzte Etappe unseres Pilgerwegs führte uns durch die H-Quadrate zum Luisenring. Die Mannheimer nennen die westliche Unterstadt „die Filsbach“. Vor dreißig Jahren reihten sich hier ein Rotlichtbars aneinander. Heute ist die Filsbach fest in türkischer Hand. Rechts Baklava, links Brautkleider. Jenseits des Luisenrings steht seit 1995 die größte Moschee Süddeutschlands. In der Yavuz-Sultan-Selim-Moschee können 2500 Menschen gleichzeitig beten. Nur im Ruhrgebiet gibt es zwei größere muslimische Gotteshäuser.

Samuel2Doch nicht ihre Größe hat die Mannheimer Moschee weltberühmt gemacht, sondern ihre Lage: Die Yavuz-Sultan-Selim-Moschee steht direkt neben der katholisch Liebfrauenkirche. Minarett und Kirchturm Aug in Aug – tausendmal fotografiert ist dieses Bild zum weltweiten Symbol für den Dialog der Religionen geworden.

 

 

 

Minarett der Sultan-Selim-Moschee und der Kirchturm der nahe gelegenen katholischen Liebfrauenkirche am 18.05.2012 im Mannheimer Stadtteil Jungbusch.

Die meisten Publikationen, wie hier die Homepage der EKD, verschweigen allerdings, dass sie beim Größenverhältniss der beiden Türme etwas geschummelt haben.

 

 

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Die Liebfrauenkirche hat ebenfalls schon lange keine Gemeinde mehr. Jahrzehntelang verfiel das neugotische Gotteshaus vor sich hin, schließlich bestand sogar Einsturzgefahr. Dann kam 2012 der Katholikentag nach Mannheim. Im Vorfeld der Großveranstaltung investierte die Erzdiözese Freiburg 18 Millionen Euro, um 14 Mannheimer Kirchen auf Vordermann zu bringen. Darunter war auch die Liebfrauenkirche. Seit ihrer Wiedereröffnung ist sie eine Jugendkirche und nennt sie sich „Samuel“.

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Der Prophet Samuel, erzählt das Alte Testament, wurde schon als Jugendlicher von Gott gerufen. Der Name passt also zur einzigen katholischen Jugendkirche in der Rhein-Neckar-Region. Vorwiegend bunt geht es in Samuel zu – und flexibel. Papphocker statt Kirchenbänke, Bands statt Orgel, als Kerzenständer dient eine alte Badewanne, die mit Sand gefüllt ist.

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Den Mittelpunkt der Mannheimer Jugendkirche bildet ein Beamer, dessen riesige Leinwand den neugotischen Altar fast komplett verdeckt. Was niemanden stört. Die Gottesdienste zelebriert Pfarrer Daniel Kunz sowieso an einem mobilen Altar aus Plexiglas, der immer an einer anderen Stelle steht. Es soll auch schon Jugendgottesdienste in der Straßenbahn oder im Planetarium gegeben haben.

 

 

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Mit Samuel endete unser Kirchenspaziergang im Quadrat. Die Straßenbahn Nummer 5 brachte uns gemächlich zurück an den Heidelberger Bismarckplatz.