Begegnung mit einer Heiligen: Kloster St. Magdalena in Speyer

Speyklo2Das Kloster St. Magdalena in Speyer war das Ziel unserer vierten Heidelberger Frauenwallfahrt. Der Konvent besteht aus 48 Dominikanerinnen, etwa die Hälfte stammt aus Brasilien und Peru.  Von 1923 bis 1931 lebte die heilige Edith Stein in St. Magdalena. Die Philosophin war gerade getauft worden und fühlte sich berufen, in einen Orden einzutreten. Das Leben mit den Dominikanerinnen sollte ein Test sein, ob dies tatsächlich ihr Weg war. Edith Stein unterrichtete am Mädchengymnasium des Klosters. Heute erinnert ein kleines Museum an die Heilige.

Speypark4Der 2. August 2014 begann mit einem Unglück. Im Mannheimer Hauptbahnhof hatte ein Güterzug einen Intercity gerammt und die Wagen lagen nun verkeilt auf den Gleisen. Glücklicherweise war niemand ums Leben gekommen. Unsere S3 in Richtung Germersheim kam verspätet und wir mussten in Ludwigshafen umsteigen, doch erreichten wir Speyer problemlos bei warmen Temperaturen und bedecktem Himmel.

 

SpeyparkJenseits der Bahnhofstraße gleich die erste Entdeckung: Inmitten eines verwunschenen Parks liegt der Alte Friedhof von Speyer mit Renaissance-Grabsteinen und einer Kapelle aus dem Jahr 1515. Seit 1958 vervollständigen ein Seerosenteich und exotische Gehölze den Zauber dieses Ortes. Während der Reformation wurde die Friedhofskapelle protestantisch. Bis 1717 war sie die einzige lutherische Kirche in Speyer.

 

SpeyDreiDann wurde in der „Großen Himmelsgasse“ die Dreifaltigkeitskirche eingeweiht. Das barocke Gotteshaus war das erste neue Gebäude nach der Zerstörung Speyers im Pfälzischen Erbfolgekrieg. Und was für ein Gebäude! Zwei Emporen umrahmen das Kirchenschiff. Sie sind reich mit Bildtafeln verziert, so dass sie wie große Bilderbibeln wirken.  Witziges Detail: Die ersten fünf Bankreihen vor dem Altar haben auf beiden Seiten Sitze. Weil die Kanzel fast in der Mitte der Kirche steht, drehen sich die Gläubigen während der Predigt um 180 Grad.

 

Spedom1Nach so viel Protestantismus wurde es Zeit für das Kloster. Wir widerstanden der Versuchung, den Dom zu besichtigen und bogen stattdessen links in die idyllische Altstadt ein. Zwischen schiefen Fachwerkhäusern plätscherte munter der Speyerbach.

 

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Auf der Brücke, die zum Kloster führt, wacht ein verblüffendes modernes Kunstwerk. Es stellt nicht etwa einen der zahlreichen Bischöfe Speyers dar, sondern die Karmelitin Teresia Benedicta a Cruce: Edith Stein.

 

 

 

 

 

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1891 in Breslau als siebtes Kind jüdischer Eltern geboren, studierte Edith Stein in Göttingen und Freiburg Philosophie. 1916 promovierte sie und startete den ersten von vielen vergeblichen Versuchen einer Habilitation. 1922 las sie die Autobiographie der Teresa von Avila und erkannte: „Das ist die Wahrheit.“ Wenige Wochen später ließ sich Edith Stein in Bad Bergzabern  taufen. 1923 kam sie in Kloster St. Magadlena in Speyer, wo sie bis 1931 lebte.

 

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„Dekan Breitling, ihr geistlicher Berater, hielt es für notwendig, dass Edith Stein zunächst in der Welt als Katholikin leben sollte, statt nach ihrem Wunsch gleich in den Karmeliterorden einzutreten“, steht im Begleitheft zur ständigen Ausstellung im Erdgeschoss des Klosters. Die Schwestern haben mit viel Liebe Erinnerungsstücke aus dem Leben der Heiligen zusammengetragen. So auch den Betstuhl Edith Steins, der noch immer in der vorderen linken Ecke der barocken Klosterkirche steht. „Manchmal“, berichten die Schwestern, „hat sie die ganze Nacht im Gebet vor dem Tabernakel zugebracht.“

 

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Edith Stein lebte bescheiden und einfach. In  Speyer bewohnte sie ein Zimmerchen im Pfortenhaus, das gleichzeitig ihr Wohn- und ihr Arbeitsraum war. Heute ist dieses Zimmer als Andachtsraum eingerichtet. Man blickt in den Park des Klosters und genießt die wunderbare Ruhe und Spiritualität, die dieser Ort ausstrahlt.

 

 

Schwester11932 verlies Edith Stein das Speyrer Kloster, um als Dozentin ans Deutschen Institut für Pädagogik in Münster zu wechseln. Sie ging ungern. Wie wenn sie eine Vorahnung gehabt hätte. 1933 erteilte das Nazi-Regime Edith Stein Berufsverbot. Am 15. Oktober trat sie in den Kölner Karmel „Maria vom Frieden“ ein, wo sie im April 1934 eingekleidet wurde. Sie wählten den Namen „Schwester Teresia Benedicta a Cruce“. Doch die Dunkelheit kam näher.

 

Stein1938 musste die Kölner Karmelitinnen bei Nacht vor den Nazi-Schärgen nach Holland fliehen. Dort wurde Edith Stein im August 1942 verhaftet und nach Auschwitz deportiert. Sie starb am 9. August 1942 im Gas. „Die letzte Nachricht erreichte die Schwestern von St. Magdalena aus Schifferstadt“, steht im Begleitheft zu Speyrer Ausstellung. „Dort hielt auf dem Bahnhof ein Transportzug mit Juden, die in ein Vernichtungslager verschleppt wurden. Edith Stein konnte sich bemerkbar machen und den Schwestern sagen lassen: Ich bin auf der Fahrt nach Osten.“ Eine moderne Stele im Klosterhof erzählt vom Leben und Sterben der Karmelitin.

 

 

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1989 hat Papst Johannes Paul II. Edith Stein als Märtyrerin heilig gesprochen. Als erste Christin mit jüdischen Wurzeln in nachapostolischer Zeit. Die Krypta des romanischen Kaiserdoms zu Speyer zählt zu den größten und schönsten Unterkirchen der Welt. Hier, direkt neben dem Taufstein des Doms, erinnert eine Bronzebüste an die heilige Edith Stein.

 

 

 

Hammer2Das Eintauchen in das heilige Leben hatte uns tief beeindruckt, aber auch hungrig gemacht. Im Biergarten des „Alten Hammer“ direkt am Rheinufer fanden wir einen schönen Tisch. Die dunklen Wolken am Horizont ignorierten wir. Was ein Fehler war. Kaum hatten wir unsere Bestellung aufgegeben, entlud sich ein Sommerunwetter über Speyer. Unter einem großen grünen Sonnenschirm zusammengekauert, überstanden wir den Wolkenbruch. Wallfahrts-Feeling .

 

Dom

Den Dom genossen wir trotz nasser Füße. Er ist tatsächlich eine der beeindruckendsten Kirchen der Welt. Schon 1030 gab der Salier Konrad II. den Auftrag, eine Kaiserkirche zu bauen. Ende des 11. Jahrhunderts war der monumentale Dom fertig, in dem acht Salierkaiser beigesetzt sind. Heute erinnert allerdings nur noch der ungefähre Grundriss an das frühromanische Bauwerk. Schon zwanzig Jahre nach seiner Vollendung ließ Kaiser Heinrich IV. den Dom zur Hälfte einreißen, um ihn noch größer wieder aufzubauen. Unzählige Um- und Neubauten sollten folgen.

 

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Der Dom zu Speyer ist die größte erhaltene romanische Kirche der Welt. Seit 1981 steht er auf der Liste des UNESCO-Weltkulturerbes. Der Dom ist 134 Meter lang und 33 Meter breit. Eine so gewaltige Kirche zu heizen ist unmöglich. Im Winter geht es daher bei den Messen frostig zu.

Seine schlimmsten Stunden erlebte der Speyrer Dom im Pfälzischen Erbfolgekrieg. Am 28. September 1688 wurde Speyer von französischen Truppen besetzt, die den Auftrag hatten die ganze Stadt mit Ausnahme des Doms niederzubrennen. In fiebriger Eile brachten die Bewohner der Stadt ihr Hab und Gut in den Dom. Und tatsächlich: Mit unzähligen Eimern von Wassern gelang es den Bürgern von Speyer, das Feuer der brennenden Stadt von der Kirche fernzuhalten.

KircheDoch sie hatten die Rechnung ohne das Wetter gemacht. In der Nacht zog ein Gewittersturm auf und fachte das Feuer an, bis es auf den  Westbau des Doms übergriff. Die französischen Soldaten nutzten das Chaos, um in den Dom einzudringen und die Kaisergräber zu plündern. Erst in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts war genügend Geld vorhanden, um den Dom wieder aufzubauen.

Speyermaria1„Domus sanctae Mariae Spirae“ („Dom zu Unserer lieben Frau in Speyer“) lautet der offizielle Name des Speyrer Doms. Ursprünglich wurde hier eine gotische Marienfigur verehrt, die jedoch der Plünderung des Domes durch die französischen Soldaten zum Opfer fiel. Die heute im Dom verehrte Madonna stammt aus dem Jahr 1930 und ist der alten nachempfunden.

 

 

DulcisAn Weihnachten 1146 besuchte der heiligen Bernhard von Clairvaux den Speyrer Dom. Zur Erinnerung an dieses Ereignis sind im  Mittelgang des Langhauses vier Sandsteinplatten mit Messingschrift eingelassen. „O clemens“, „o pia“, „o dulcis“, „virgo Maria“. Der Schluss des „Salve regina“, den Bernhard von Clairvaux    hinzugefügt haben soll.

Bus

Für den Rückweg wählten wir den Bus 717, der von der Speyrer Domplatte bis zu den Heidelberger Stadtwerken fährt. Erst hielten wir das für eine gute Idee. Dann mussten wir allerdings feststellen, dass der Bus deutlich länger unterwegs ist als die S-Bahn.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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