Vierzehn Nothelfer mit Traumblick: Untergrombach

Wacht über den Kraichgau:
Die Michaelskapelle

Bei unserer zweiten Pilgerwanderung stiegen wir Heidelberger Wallfahrerinnen hinauf auf den Michaelsberg in Bruchsal-Untergrombach. Der Michaelsberg ragt 268 Meter hoch am Westrand des Kraichgauer Hügellandes empor. Auf seiner Kuppel steht seit 1744 eine hübsche Wallfahrtskapelle aus dem Rokoko, die dem Erzengel Michael geweiht ist. Die meisten Pilger kommen jedoch auf den Michaelsberg, um einen der „Vierzehn Nothelfer“ anzurufen,  die als Miniatur-Statuetten an der rechten Wand des Kirchenschiffs der Besucher harren. Die Nothelfer vermögen so einiges. Der heilige Blasius beispielsweise lindert Halsschmerzen, Santa Catharina gibt Mut, wenn man Angst vor einem Vortrag hat, und Sankt Eustachius hilft in schwierigen Lebenslagen aller Art.  Der Aufstieg auf den Michaelsberg lohnt sich also auf jeden Fall.

 

Traumblick auf Untergrombach

Untergrombach liegt südwestlich der Bruchsaler Innenstadt an der Bahnstrecke nach Karlsruhe. Bis dorthin sind es noch zwanzig Kilometer. Untergrombach ist mit rund 6000 Einwohnern der größte Stadtteil der „Großen Kreisstadt Bruchsal“, die seit 1973 zum riesigen Landkreis Karlsruhe gehört. Der Ort ist recht hübsch mit schönen Häusern aus 19. Jahrhundert im Zentrum und etlichen Neubaugebieten an der Peripherie. Im Sommer kann man sogar kostenlos im Baggersee „Metzgerallmend“ baden.

Der 29. März 2014 war ein traumhafter Frühlingstag. Die Sonne schien von morgens bis abends an einem tiefblauen Himmel, die Streuobstbäume standen in voller Blüte. Am Mittag kletterte das Thermometer deutlich über die 20-Grad-Marke. Einen schöneren Tag für eine Pilgerwanderung zur Michaelskapelle kann man sich nicht wünschen.

 

Ankunft am Bahnhof von Untergrombach

Wir nahmen die S 4 vom Heidelberger Hauptbahnhof nach Bruchsal. Dort stiegen wir um in die S 32. Nur wenige Minuten später konnten wir vom Fenster aus unser Ziel sehen: Die Michaelskapelle hoch oben auf dem Michaelsberg. Die Gesamtfahrzeit nach Untergrombach betrug etwa 35 Minuten.

 

Der Weg zum Michaelsberg führt durch das Zentrum von Untergrombach, vorbei an der katholischen Pfarrkirche St. Cosmas und St. Damian.

Wie in Italien: Der Campanile von St. Cosmas und St. Damian

Der stattliche Bau aus rotem und gelbem Sandstein mit dem markanten freistehenden Campanile wurde vom bienenfleißigen Karlsruher Baumeister Heinrich Hübsch geplant. 1867 bei der Weihe der Kirche war der Architekt allerdings schon fünf Jahre tot. Äußerlich überzeugt die Kirche durch einen schlichten Basilikastil.

 

 

 

Ein gewaltiges Mittelschiff

Der Innenraumgestaltung hingegen fehlt ein wenig der architektonische Esprit. Imposant sind die achteckigen Säulen ohne Verzierungen, die originalen Gußeisenfenster und das gewaltige Mittelschiff.

 

 

 

 

 

Aufstieg bei Traumwetter

Hinter der Kirche biegt eine schmale Straße nach links ab. Der Aufstieg zur Michaelskapelle – er ist gut ausgeschildert – konnte beginnen. Eine Steintreppe führte uns durch ein Meer aus Obstbaumblüten hinauf zum Michaelsberg.

 

 

 

 

 

Der Michaelsberg als Blütenmeer.

Die Treppe ist recht steil, sie wird allerdings alle 50 Höhenmeter durch ein flaches Stück Weg unterbrochen. Der Blick auf Untergrombach und seine Umgebung, der sich auf jeder Etage weitet, ist sensationell.

 

 

 

 

Angekommen! Gruppenbild mit Wallfahrtskapelle

Und plötzlich ist man oben. Ein phantastischer Rundblick belohnt den – nicht allzu erschöpften – Pilger. Man sieht über die Rheinebene hinweg die wilde Einsamkeit des Pfälzer Waldes, die dunklen Höhen des Schwarzwaldes und die archaischen Bergen des Odenwaldes. „Der Michaelsberg ist ein mystischer Ort, der seit Urzeiten die Menschen gleichermaßen anlockt und in seinen Bann zieht“, heißt es im Prospekt. Schon um 4000 vor Christus soll es hier eine jungsteinzeitliche Siedlung gegeben haben. Im Mittelalter haben hier, so erzählt die Sage, christliche Mönche gegen gefräßige Drachen gekämpft. Gut, dass heute der mächtige Erzengel Michael als Schutzpatron für die Kapelle fungiert.

 

Der Erzengel Michael besiegt Luzifer

Michael ist einer der wichtigsten großen Engel bei Gott. Einst hatte er eine sehr schwere Aufgabe zu erledigen. Die Offenbarung des Johannes erzählt, dass es noch vor der Erschaffung der Welt einen erbitterten Kampf im Himmel gab. Der Engel Luzifer, das heißt auf deutsch „der Lichtträger“, hatte beschlossen, nicht länger Gott zu preisen und ihm zu dienen. In einem gnadenlosen Kampf gelang es Michael, Luzifer niederzuringen und aus dem Himmel hinauszustoßen. Der ehemalige Engel fiel mitsamt seinen Anhängern hinunter in die Hölle.

 

 

Der barocke Altar ist ein Erbstück.

Die Deckengemälde der Michaelskapelle ahmen zwar den barocken Malstil nach, sie stammen jedoch aus dem Jahr 2007, als das Kirchlein komplett saniert wurde. Der Hochaltar und die beiden Seitenaltäre hingegen sind barocke Originale. Sie entstanden um 1790 und zierten früher die alte Bruchsaler Paulskirche. Um 1870 erhielt sie die Michaelskapelle als Geschenk.

 

 

 

14 Nothelfer mit und ohne Kopf

Woher die Miniaturstatuen der Vierzehn Nothelfer ursprünglich stammen, und wer sie nach Untergrombach gebracht hat, weiß kein Mensch. Doch jetzt sie sind da und locken die Pilger in Scharen auf den Berg. Zur gezielten Auswahl des richtigen Heiligen gibt es eine Hinweistafel. Sie listet nicht nur die Spezialitäten jedes Nothelfers auf, sondern auch die Art, wie er oder sie zu Tode gekommen ist. Neun Heilige wurden enthauptet, vier gemartert und nur St. Egydius ist eines natürlichen Todes gestorben. Die meisten der Vierzehn Nothelfer lebten um 300 nach Christus.

• Achatius, angerufen bei Lebens- und Todesangst • Ägidius, Beschützer der Hirten und des Viehs • Barbara, Patronin der Sterbenden • Blasius, angerufen gegen Halsschmerzen • Christophorus, Patron der Reisenden und Helfer gegen plötzliche Gefahren • Cyriacus, angerufen in der Todesstunde • Dionysius, angerufen bei Kopfleiden • Erasmus, angerufen bei Schmerzen des Unterleibs  • Eustachius, Patron in schwierigen Lebenslagen • Georg, angerufen gegen Seuchen der Haustiere • Katharina, angerufen gegen Leiden der Zunge und schwere Sprache • Margareta, Schutzpatronin der Gebärenden • Pantaleon, Patron der Ärzte • Vitus, Helfer gegen Anfälle und in Notlagen.

Die Sonnenschirme weisen den Weg zum Biergarten.

Direkt neben der Wallfahrtskapelle liegt das „Cafe-Restaurant Michaelsberg“ (auf unserem Bild erkennt man die Sonnenschirme im Biergarten). Das Restaurant befindet sich ebenfalls im Besitz der katholischen Pfarrgemeinde Untergrombach und ist derzeit an einen griechischen Wirt verpachtet, der es mit seiner Frau und den gerade erwachsen gewordenen Kindern betreibt. Es geht sehr griechisch zu auf dem Michaelsberg. Zwar beteuert der Patron unentwegt, sich spätestens während seines Ingenieurstudiums in Karlsruhe die deutsche Genauigkeit angeeignet zu haben. Sein mediterranes Temperament bleibt davon jedoch unbeeinflusst.

Griechische Spezialitäten unter Rebstöcken

Man sitzt wunderbar in dem riesigen Biergarten mit Traumblick. Er bietet Platz für 200 Gäste. Die Karte ist umfangreich, die Portionen sind gewaltig. Es gibt sowohl Gyros vom Spieß als auch Schnitzel, Bauernsalat mit Tzatziki wird ebenso oft bestellt wie Spaghetti. Am Nachmittag  offeriert man ein Kuchenbuffet und Kaffee. Das Restaurant ist täglich ab 11 Uhr durchgehend geöffnet.

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