Drei Bischöfe auf Landpartie

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In bester Laune: v.l. Erzbischof Burger, Kurien-Erzbischof Eterović und Bischof Fürst

Großes Staunen bei den Weinbauern und Hundespaziergängern auf den Äckern zwischen Gemmingen und Stetten im Landkreis Heilbronn: Über die Feldwege, auf denen sonst nur Traktoren unterwegs sind, holperten plötzlich Limousinen. Ziel der großen Autos war eine Wiese, die ungefähr auf der Grenze zwischen dem Erzbistum Freiburg und der Diözese Rottenburg-Stuttgart liegt.

Diesen Platz zwischen den Rübenäckern hatten der Freiburger Erzbischof Stephan Burger und der Rottenburger Bischof Gebhard Fürst erwählt, um das neue Mittelstück des Martinus-Pilgerwegs einzuweihen. Der Apostolische Nuntius Kurien-Erzbischof Nikola Eterović hatte es sich nicht nehmen lassen, zu diesem Ereignis aus Berlin anzureisen. Drei Bischöfe auf Landpartie.

Perfekte Voraussetzungen für einen neuen Pilgerweg 

Mantelübergabe: Bischof Fürst reichte das Kunstwerk weiter an Erzbischof Burger

„Es gibt nur wenig Heilige, die in der Öffentlichkeit so bekannt sind, wie der heilige Martin“, betonte Erzbischof Stephan Burger in seiner Begrüßung. „Die Szene, in der Martin seinen Mantel mit dem armen Bettler teilt, ist so beeindruckend, dass sich selbst Kirchenferne und Nichtchristen in die Umzüge einreihen.“ Perfekte Voraussetzungen also für den neuen Pilgerweg. Die „Via sancti Martini“ führt von Ungarn, wo Martin vor genau 1700 Jahren geboren wurde, bis nach Tours in Südfrankreich, wo er als Bischof gestorben ist.

Erfunden hat den Weg im Jahr 2011 die Diözese Rottenburg-Stuttgart, die Sankt Martin als Bistumsheiligen verehrt. Er selbst, verriet Bischof Gebhart Fürst im feuchten Gras der Wiese vor den Toren von Stetten, pilgere jedes Jahr ein Stück auf dem Martinsweg. Weshalb es sich der Rottenburger Oberhirte, zünftig angetan mit Anorak, Rucksack und Pilgerstab, auch nicht hatte nehmen lassen, die sieben Kilometer von Schwaigern bis zur Festwiese zu Fuß zurückzulegen.

Ein nagelneuer Mantel für den heiligen Martin 

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Etwa 200 Pilger hatten den Martinsmantel nach Stetten am Heuchelberg begleitet

Fürst ging nicht allein. Eine Gruppe von etwa 200 Gläubigen begleitete ihn. In ihrer Mitte trugen die Pilger wertvolle Fracht: Einen neuen Mantel für den heiligen Martin. Als Geburtstagsgeschenk zum 1700. Die Künstlerin Astrid Eichin hat das Kunstwerk aus grobem Leinen geschaffen. Wie sein Vorgänger ist auch dieser Martinsmantel in der Mitte durchteilt. Allerdings nicht endgültig: Eine goldene Kordel hält die beiden Mantelstücke zusammen. „Ein Symbol für die Liebe Christi“, sagt Astrid Eichin.

Derzeit ist der neue Martinsmantel auf Pilgerschaft. Seit dem 3. September wird er stets an der Bistumsgrenze von Diözese zu Diözese weitergereicht. Deshalb auch der rustikale Treffpunkt im Feld bei Stetten am Heuchelberg. Auf einer improvisierten Mini-Bühne übergab Rottenburger Bischof Fürst den Mantel so feierlich wie unter diesen Umständen möglich an seinen Freiburger Amtsbruder.

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Der neue Martinsmantel wandert jetzt weiter ins Bistum Speyer

Zuvor jedoch steckte Bischof Fürst ein Reagenzröhrchen in eine der kleinen Taschen auf „der Herzseite“ des Mantels. Jedes Bistum, durch das der Mantel gewandert ist, tut das. Als Anerkennung für das großmütige Teilen des Heiligen Martin, das in unserer vereinzelten Gesellschaft wichtige wäre denn je zuvor. „Wer an Gott glaubt, der darf diese verwundete Welt nicht sich selbst überlassen“, formulierte Erzbischof Stephan Burger später in Landshausen bei der feierlichen Abendandacht in der schönen barocken Sankt-Martins-Kirche.

Die Pilger erlebten Bischöfe im Lagerfeuer-Modus

Erde aus der Sülchenkirche, der uralten Grablege der Rottenburger Bischöfe, gab das Bistum Rottenburg-Stuttgart dem Mantel mit auf den Weg. Im Röhrchen der Erzdiözese Freiburg befindet sich ein zerriebener Sandstein vom Freiburger Münster zusammen einer Münster-Briefmarke.

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Teilen in entspannter Atmosphäre: Erzbischof Burger und der Eppinger Pfarrer Tschacher

Womit wir beim gemütlichen Teil des Bischofstreffens auf der Wiese zwischen Weinbergen und Rübenfeldern angekommen wären. Hatte man sich erst an die ungewöhnlich Location gewöhnt, wurde es schnell familiär. Zumal inzwischen auch die Eppinger Pilger unter Führung von Pfarrer Manfred Tschacher eingetroffen waren. Sie erlebten jetzt Bischöfe im Lagerfeuer-Modus. Hier posierte der Erzbischof fürs Selfie, dort erzählte Bischof Fürst Pilger-Anekdoten. Und der römische Botschafter im feinsten italienischen Zwirn teilte sein Buttergebäck mit einer Eppinger Pilgerin. Hat der Kurien-Erzbischof dabei nicht sogar gelächelt?

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