Eine Frau aus Sinsheim an der Spitze

Riedlberger

Ulrike Riedlberger gehört jetzt der Diözesan-Vorstand  der kfd an

Im Erzbistum Freiburg stehen die Frauen an der Spitze, zumindest statistisch. Rund 55.000 Mitglieder zählt die Freiburger Sektion der „Katholischen Frauengemeinschaft Deutschlands“ (kfd), das ist der größte Verband in der Diözese. Vier Frauen werden die kfd in den kommenden Jahren ehrenamtlich führen. Eine von ihnen ist Ulrike Riedlberger aus Sinsheim.

Die Frauen tranken Tee, stickten und beteten. Mehr nicht. Trotzdem fühlten sie sich ungeheuer verwegen, wenn sie zu einem Treffen des „katholischen Müttervereins“ aufbrachen. Zwei Stunden nur für sich, ohne Haushalt, ohne Kinder. Das war neu. Das war gewagt. Das war vor hundert Jahren.

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Die vier ehrenamtlichen Powerfrauen im Freiburger kfd-Vorstand

Seitdem haben die Frauen in Deutschland das Wahlrecht erkämpft, zwei Kriege durchlitten, sich emanzipiert und weltweit vernetzt. Aus dem braven „Mütterverein“ ist die selbstbewusste „katholische Frauengemeinschaft“ geworden. 2017 feiert die Freiburger kfd ihren hundertsten Geburtstag. „Die kfd ist ein sehr politischer Verband“, sagt Ulrike Riedlberger (58), die Vorstandsfrau. „Wir kümmern uns nicht nur um Kirchen- und Mütterthemen.“

„Die kfd ist ein politischer Verband“

Was die hochprofessionellen Flyer beweisen. Um den Kampf gegen legale Sterbehilfe geht es da und um eine bessere Altersversorgung von Frauen. Die kfd bildet – brandaktuell – „Kulturmittlerinnen“ aus, die ausländische Frauen bei der Eingliederung begleiten. Die katholischen Frauen engagieren sich für eine familienfreundlichere Arbeitswelt, für verlässliche Kinderbetreuung, für längere Elternzeiten und für ein gerechteres Gesundheitssystem.

f1d70d59e2Und natürlich machen sie sich die katholischen Frauen auch Gedanken über ihre Kirche. „Je größer die Seelsorgeeinheiten werden, desto mehr Arbeit übernehmen die Frauen ehrenamtlich“, weiß Ulrike Riedlberger. „Aber die Entscheidungverantwortung liegt in den Händen von Männern.“ Eine Klage, die in Freiburg inzwischen gehört wird. Das Erzbistum habe sich verpflichtet, die Positionen in den Leitungsgremien auch mit Frauen zu besetzen, berichtet die kfd-Vorsitzende im Kraichgau. „Die Abteilung Erwachsenenpastoral führt jetzt eine Abteilungsleiterin.“

Die zentrale Forderung: Das Diakonat der Frau

Doch der Gleichberechtigung stößt in der katholischen Kirche an Grenzen. Die Weiheämter sind den Männern vorbehalten. Sehr zum Missfallen der kfd. Sie fordert das „Diakonat der Frau“. Diakone predigen, taufen, trauen und tragen zu Grabe. Alles Aufgaben, die Frauen wunderbar ausfüllen könnten, findet die kfd-Vorstandsfrau.

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Ulrike Riedlberger ist gelernte Journalistin

Schon als Jugendliche hat sich die gelernte Journalistin Ulrike Riedlberger in die katholische Kirche eingebracht, damals noch in ihrem Heimatort Mauer. Dann passierte die Sache mit der Kühlerhaube vor dem Altar. Die jungen Katholiken hatte sie dorthin gelegt, um im Gottesdienst den Tanz ums Goldene Kalb nachzuspielen. Die Älteren fanden die Idee nicht so gut. „Danach habe ich mich für eine lange Zeit von der Kirche entfernt“, erinnert sich Ulrike Riedlberger.

Erst bei der Vorbereitung auf die Kommunion ihres ersten Kindes näherte sie sich wieder an. Das war schon in Sinsheim-Steinsfurt. Nach der Erstkommunion gründeten die jungen Mütter eine Gruppe, 1996 trat Ulrike Riedlberger in die kfd ein, seit 2008 ist sie Vorsitzende im Dekanat Kraichgau, jetzt Vorstandsmitglied im Diözesanverband. Ihre Vorstands-Kolleginnen sind Monika Bohn (Endingen am Kaiserstuhl), Monika Kreis (Rastatt) und Christina Leib-Keßler (Konstanz)

Die große Herausforderung: Ein geglückter Generationswechsel

leitbildlogo_aufmacher_gelbDie schwierigste Aufgabe, der sich die kfd im Kraichgau in den kommenden Jahren stellen muss, ist der fällige Generationswechsel. Er ist zugleich ein Paradigmenwechsel. Die älteren kfd-Mitglieder waren zum Großteil Hausfrauen, die Jungen sind berufstätig und unabhängig. Sie interessieren sich für Meditation, Heilfasten, Pilgern, Frühstücks-Gottesdienste und Literatur. Die Älteren mögen Maiandachten und beten den Rosenkranz. „Das ist ein Balanceakt“, nickt Ulrike Riedlberger. „Die Jungen müssen das Alte aushalten können, die Älteren das Neue zulassen.“ Dann lacht die Vorstandsfrau. „Nur die Frauenfasnacht mögen alle.“

Die Details für die Hunderjahrfeier der kfd in der Erzdiözese Freiburg stehen schon fest. Man feiert am 7. Oktober 2017 im Europa Park in Rust. Mindestens 3500 katholische Frauen werden erwartet.

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