Eine Gemeinde für 40000 Katholiken

Heidelbergs Jesuitenkirche ist große Gemeinden gewohnt

Die große Kirchengemeinde Heidelberg-Eppelheim kommt. Ab 1. Januar 2015 werden 14 katholische Pfarreien mit mehr als 40 000 Gläubigen zu einer Einheit zusammengefasst. Das „Heidelberger Modell“ ist ein Pilotprojekt, mit dem das Erzbistum Freiburg neue Strukturen testen will.

„Ich sehe darin eine mögliche Perspektive für Städte ähnlicher Größenordnung“, schreibt Erzbischof Robert Zollitsch in einem Brief an das Dekanat Heidelberg-Weinheim. In der großen Kirchengemeinde sollen mehrere Priester tätig sein. „Ein Pfarrer ist für das Management verantwortlich, die übrigen Priester arbeiten in der Seelsorge“, erläutert Dekan Joachim Dauer.

Bis 2030 sinkt die Zahl der Priester im Erzbistum Freiburg von 600 auf 200

Die Personal-Prognosen der katholischen Kirche sind dramatisch: Bis 2030 sinkt die Zahl der Gemeindepfarrer im Erzbistum Freiburg von derzeit 600 auf 200. Als Reaktion auf den Priestermangel präsentierte Freiburg im Herbst 2009 einen Plan zur „Geographischen Weiterentwicklung der Seelsorgeeinheiten“.

logo_602Hinter diesem wohlklingenden Namen verbirgt sich die Meldung, dass sich das Einzugsgebiet jedes Pfarrers deutlich vergrößert. In Heidelberg sollte die Seelsorgeeinheit Heidelberg-Nord (Neuenheim und Handschuhsheim) mit Heidelberg-Neckartal (Altstadt, Schlierbach, Ziegelhausen) zusammengehen.

Joachim Dauer gefiel die Idee nicht. „Dieser Zusammenschluss ist nur eine kurzfristige, aber keine zukunftsfähige Lösung“, fand Dauer. Statt „klein in klein“ zu operieren, votierte der Dekan für eine ganz große Lösung: Alle fünf Seelsorgeeinheiten in Heidelberg und Eppelheim sollten unter eine gemeinsame Leitung gestellt werden. „Wir suchen jetzt eine Struktur, die für Jahrzehnte Gültigkeit hat.“

Statt klein in klein plant Heidelberg ganz groß

NeckartalSchon kurz vor Ostern hatte das Dekanat Heidelberg-Weinheim den Alternativ-Plan in Freiburg eingereicht. Doch das Ordinariat tat sich merklich schwer mit dem „Heidelberger Modell“. Am 1. Juli reiste sogar noch einmal eine Delegation an, um die Gegebenheiten in Augenschein zu nehmen. Jetzt kam die Zustimmung – unter Vorbehalt. Bis Ende des Jahres 2013 muss das Dekanat alle offenen Fragen „zufriedenstellend klären“.

Da liegt viel Arbeit vor Dauers Team. Außer dem Namen „Kirchengemeinde Heidelberg-Eppelheim“ sind derzeit fast alle Fragen offen. Das fängt bei der Eingliederung der neuen Megagemeinde ins Dekanat an.

„Die Dekanatsreform kam wohl zu früh“

Seit zwei Jahren existiert das Großdekanat Heidelberg-Weinheim, doch die Kommunikation zwischen den ländlichen Gemeinden an der Bergstraße und den Stadtpfarreien fällt schwer. Mit der großen Kirchengemeinde droht das Gleichgewicht völlig in Schieflage zu geraten.

Dekan Joachim Dauer hat große Pläne

„Die Dekanatsreform kam wohl zu früh“, gibt Dekan Dauer zu. Zumal sich viele Management-Aufgaben des Leiters der künftigen Kirchengemeinde mit denen des Dekans überschneiden. Doch kann der Leiter der Kirchengemeinde zugleich der Dekan von Heidelberg und Weinheim sein?

Auch die Finanzen sind ungeklärt. In der Kirchengemeinde gibt es nur noch einen Pfarrgemeinderat und nur noch einen Stiftungsrat. Ob aber auch die Ersparnisse aller Pfarreien in einen großen Pott geworfen werden, oder ob die Gemeinden vor Ort ihr Eigentum selbst verwalten dürfen, weiß niemand. „Die Eigentumssicherung der Pfarrgemeinden ist ein ganz wichtiger Punkt auf meiner Agenda“, verspricht Joachim Dauer.

„Wir werden versuchen, die Priester dort zu belassen, wo sie sind“

UnknownZur Seelsorge. In jeder Pfarrgemeinde wird ab 2015 ein „Gemeindeteam“ installiert, in dem engagierte Ehrenamtliche gleichberechtigt mit hauptamtlichen Gemeinde- und Pastoralreferenten arbeiten. Sie planen Gottesdienste, Gesprächskreise, Nachbarschaftshilfe, Krankenbesuche und Beerdigungen. Wer jedoch die ehrenamtlichen Gemeindeleiter benennt und welche Kompetenzen sie haben, auch diese Fragen sind offen.

Priester gehören nicht automatisch zum Gemeindeteam. „Wir werden natürlich versuchen, Priester dort zu belassen, wo auch jetzt welche tätig sind“, sagt Dekan Dauer. Garantien gibt es jedoch keine.

Nicht immer einer Meinung: Erzbischof Zollitsch und Dekan Dauer

Auch nicht dafür, dass am Sonntag in jeder Heidelberger Kirche eine Eucharistiefeier stattfindet. „Das klassische Bild vom Pfarrer, der sich um eine Gemeinde kümmert, existiert nicht mehr“, stellt Dauer klar.

Nach den Sommerferien soll ein „Personaltableau“ für die neue Kirchengemeinde entworfen werden. Wohl wissend, dass dieser Plan in fünf Jahren schon wieder Makulatur sein kann. „In Heidelberg sind die Wege kurz“, sagt Dauer. „Deshalb müssen wir solidarisch zurückstehen, wenn auf dem Land dringend ein Pfarrer gebraucht wird.“

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