„Es schmerzt uns, wenn wir getrennt sind“

Landesbischof Jochen Cornelius-Bundschuh (l.) und Erzbischof Stephan Burger

Da standen sie also wieder nebeneinander am Altar: Der katholische Erzbischof Stephan Burger in pupurner Soutane und Chorhemd, der evangelische Landesbischof Jochen Cornelius-Bundschuh im Talar mit schwerem goldenen Kreuz auf der Brust. Das vertraute Bild der Badischen Ökumene. Und doch fühlte es sich hier in der Arche anders an. Unvollkommen. Vorläufig.

„Die Arche ist ein Stachel im Fleisch unseres kirchlichen Alltagslebens“, sagte Landesbischof Cornelius-Bundschuh. Hier spüre man wieder, dass Ökumene nichts Zusätzliches sei, „das die Kirchen eben auch noch machen“, sondern eine Hauptaufgabe. „Der Weg zur Einheit der Christen ist ohne Alternative“, formulierte Erzbischof Burger. Mit einem Gottesdienst feierten die Bischöfe jetzt den vierzigsten Geburtstag der Arche.

Badische Ökumene : v.l.Pastoralreferent Jordine, Landesbischof Cornelius-Bundschuh, Erzbischof Burger, Pfarrer Lehmkühler

Gespannte Erwartung herrschte schon Stunden vor Beginn des Festgottesdienstes. Ein Team des regionalen Fernsehsenders bw-family.tv war gekommen, um den Gottesdienst aufzunehmen und ein kurzes Arche-Porträt zu drehen. Wo doch alles so gut zusammen passte: Das Arche-Jubiläum und der „Weltgebetstag für die Einheit der Christen“, den die badischen Bischöfe traditionell am Donnerstag vor Pfingsten mit einem ökumenischen Festgottesdienst begehen. Für Jochen Cornelius-Bundschuh und Stephan Burger, beide seit genau einem Jahr im Amt, war es die Weltgebetstags-Premiere. Schön, dass auch noch Virorel Mehedintu, der rumänisch-orthodoxe Erzpriester von Neckargemünd zum Gottesdienst hinzukam. Je mehr Ökumene desto besser.

Einzug mit ökumenischem Orgel-Dialog 

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Der rumänisch-orthodoxe Priester von Neckargemünd trug ein grünes Gewand

Beim feierlichen Einzug schritten die Mitglieder des Öku-Rates der Arche vorweg, dann kamen die Priester und schließlich die beiden Bischöfe. Die flexiblen Wände zwischen dem katholischen Kirchenraum der St. Franzikus-Gemeinde und dem evangelischen der Stephanusgemeinde waren beiseite geschoben. Heute Abend existierte nur mehr eine ökumenischen Archegemeinde, die sich um die Altarinsel mit dem Taufbecken gruppierte. „Ein Herr – Ein Glaube – Eine Taufe“ steht rund um die Schale geschrieben.

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Nach dem Gottesdienst stieß man auf den 40. Geburtstag der Arche an.

Zum Einzug erklangen die Franziskus- und die Stephanus-Orgel gemeinsam. Ein ökumenischer Orgel-Dialog. Die ökumenische Flötengruppe und der ökumenische Posaunenchor der Arche sorgten für die wunderbare musikalische Gestaltung des Festgottesdienstes. „In der Arche denkt man nicht deshalb ökumenisch, weil es zweckmäßig ist, sondern weil das Evangelium es sagt“, freute sich Landesbischof Jochen Cornelius-Bundschuh. „Es schmerzt uns, wenn wir getrennt sind. Uns fehlt etwas“.

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Locker und ungezwungen: So nah kommt man einem Erzbischof selten.

„Es ist der Wunsch Jesu selbst, dass alle eins sind“, pflichtete Erzbischof Stephan Burger bei. Die Kirchen hätten gemeinsam den Sendungsauftrag, dafür zu sorgen, dass „möglichst viele Menschen mit Jesus Christus in Berührung kommen, der uns frei macht von den vielen Vorurteilen und Abhängigkeiten dieser Welt.“ In der Begegnung mit Christus könnten Menschen „zur Mitte ihres Lebens finden.“

 

In der Ökumene muss man manchmal dicke Bretter bohren 

Das Wasser des Lebens füllten stellvertretend für die zahlreichen ausländischen Christen, die den Festgottesdienst mitfeierten, Kossi Dikpur, der Arche-Mesner aus Togo, und Virorel Mehedintu, der rumänisch-orthodoxe Priester, die Taufschale, die die Grundlage des ökumenischen Miteinanders in der Arche ist.

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Mesner Kossi Dikpor aus Togo und Pfarrgemeinderätin Hamann-Kloss

Passend dazu berichtete das Johannesevangelium von der Begegnung Jesu mit der samaritanischen Frau am Brunnen. Die Stelle wurde als szenische Lesung mit verteilten Rollen vorgetragen.

Für viel Begeisterung sorgten die symbolischen Geburtstagsgaben für die Arche, die die Gäste mitgebracht hatten. Eine Kopie der Arche-Gründungsurkunde war dabei, ein Korb mit gesegnetem Brot von der orthodoxen Gemeinde und ein Stein von der katholischen Pfarrkirche St. Johannes Nepomuk, die gerade saniert wird. Bürgermeister-Stellvertreter Winfried Schimpf zog das Goldene Buch der Stadt Neckargemünd aus seiner Aktentasche und bat die Bischöfe um ein Autogramm.

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Mit dem Bohrer: Pfarrer  Hasenkamp

Und der evangelische Pfarrer Andreas Hasenkamp von der Neckargemünder Markusgemeinde holte einen Bohrer hervor. „Weil in der Ökumene manchmal dicke Bretter gebohrt werden müssen“.

„Fronten müssen nicht starr sein“, hatte Stephan Burger in seiner Festpredigt gesagt. Jesus habe stets verkrustete Konventionen beiseite geschoben und so den Handlungsspielraum erweitert. „Selbst wenn die Rahmenbedingungen schlecht waren, hat er einen Dialog begonnen. So ist Gott.“

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