Gemeinden ohne Pfarrer

Dekan Joachim Dauer plant eine Kirchengemeinde mit 40 000 Mitgliedern

Wie schweißt man 40 000 Katholiken zu einer Gemeinde zusammen? Über dieser Frage brüten mehr als sechzig Pfarrgemeinderäte und Hauptamtliche aus Heidelberg und Eppelheim. Spätestens im Frühjahr 2013 müssen sie ein detailliertes Konzept für die „Große Kirchengemeinde Heidelberg-Eppelheim“ vorlegen. Eine Herkulesarbeit.

Dekan Joachim Dauer, der mit einer Klausurtagung in Eppelheim den Startschuss für das bistumsweite Pilotprojekt gab, will eine möglichst breite Basis in die Planung einbeziehen. Jeder Gläubige sei aufgerufen, seine Anregungen einzubringen, sagte Dauer. „Wir stehen am Beginn eines Suchprozesses. Gott allein weiß, wohin der Weg uns führt.“

Die guten alten Pfarrgemeinden kehren zurück. Ohne Pfarrer.

Die Heidelberger Jesuitenkirche bildet den Mittelpunkt der neuen Großgemeinde

Die Rahmenbedingungen sind klar: 2015 sollen die bislang fünf katholischen Seelsorgeeinheiten in Heidelberg und Eppelheim aufgelöst werden. An ihre Stelle tritt eine große Kirchengemeinde, die von einem Pfarrer geleitet wird. Als Manager kümmert er sich um die gesamte Verwaltung des katholischen Heidelberg. Alle anderen Priester können ihre ganze Kraft der Seelsorge widmen.

Im konkreten kirchlichen Leben sollen die 40 000 Gläubigen von der großen Einheit nur wenig merken. Sie erhalten ihre guten alten Pfarrgemeinden zurück. „Die Gemeinden vor Ort werden deutlich gestärkt“, verspricht Dekan Dauer. Mit einem großen Wermutstropfen allerdings: Einen eigenen Pfarrer gibt es künftig in keiner Pfarrei mehr. Ansprechpartner vor Ort sind stattdessen „Gemeindeteams“, in denen Haupt- und Ehrenamtliche gleichberechtigt zusammenarbeiten. Angesichts des dramatischen Priestermangels garantiere dieses Modell eine „langfristige und stabile Lösung“ für Heidelberg, findet Joachim Dauer.

„Wenn die Not noch größer wird, müssen wir umschichten“

Domkapitular Peter Kohl reiste aus Freiburg an

Die 60 Pfarrgemeinderäte, die zur Klausurtagung gekommen waren, hatten da so ihre Zweifel. „Sobald die große Seelsorgeeinheit läuft, können doch alle Pfarrer bis auf einen aus Heidelberg abgezogen werden“, befürchteten viele. Domkapitular Peter Kohl, als Personalreferent des Erzbistums eigens aus Freiburg angereist, versuchte zu beschwichtigen: „Wir werden niemanden versetzen.“ Auf eine Mindestzahl von Priestern für die „Kirchengemeinde Heidelberg-Eppelheim“ ließ sich Kohl jedoch nicht festnageln. „Wenn die Not noch größer wird, müssen wir natürlich umschichten.“

Alles muss jetzt neu überdacht werden

Immerhin: Einen professionellen Coach will der erzbischöfliche Personalreferent in den kommenden Wochen nach Heidelberg schicken. Der Berater unterstützt die beiden neuen Arbeitsgruppen, die schon in einem Jahr den ersten Entwurf für die Kirchengemeinde vorlegen sollen. Alles muss dafür neu überdacht werden: von der Zahl der Kirchen über die Aufgaben der Gemeindeteams bis hin zu der Frage, wer künftig die Vermögen verwaltet. Jeder Pfarrgemeinderat entsendet mindestens ein Mitglied in jede Arbeitsgruppe. Jede Seelsorgeeinheit mindestens einen hauptamtlichen Mitarbeiter.

Pfarrer Kurt Faulhaber will die Gemeinden vernetzen – quer durch die Stadt

Um das geistliche Leben in der großen Kirchengemeinde will sich der Heidelberger Süden kümmern. Die Pfarrgemeinderäte in Heidelberg-Rohrbach, -Kirchheim und -Boxberg sehen in dem Zusammenschluss eine Chance, dass sich Gruppen quer durch die ganze Stadt miteinander vernetzen. „Wir können es uns nicht mehr länger leisten, als Christen nebeneinander her zu leben“, sagte Pfarrer Kurt Faulhaber. „Glaube und Gemeinschaft können nur dort wachsen, wo man sich kennt und im Gespräch miteinander ist.“

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