Heidelbergs Katholiken stimmen über die Stadtkirche ab

Geheime Wahl
in St. Raphael

Die Entscheidung rückt näher. In geheimer Wahl stimmen am 24. November 2012 alle katholischen Pfarrgemeinderäte und Hauptamtlichen aus Heidelberg und Eppelheim darüber ab, ob sie Erzbischof Robert Zollitsch vorschlagen, 2015 eine Stadtkirche mit 40000 Gläubigen zu errichten. Richtig spannend ist der Urnengang in der Neuenheimer Pfarrkirche St. Raphael allerdings nicht, da sich vier von fünf Seelsorgeeinheiten schon für das Projekt ausgesprochen haben.

Das Votum der Pfarrgemeinderäte ist eine Weichenstellung. Mehr aber auch nicht. Ob der große Zusammenschluss tatsächlich kommt, darüber befindet letztendlich Erzbischof Robert Zollitsch. Gibt Zollitsch der Stadtkirche tatsächlich sein Placet, dann muss in Heidelberg richtig hart gearbeitet werden. Denn trotz zweijähriger Diskussion und einem „Konturenpapier“, das mittlerweile auf 43 Seiten angeschwollen ist, sind noch etliche entscheidende Fragen offen. Die wichtigste: Wie hält man trotz Zentralisierung das Gemeindeleben in den Pfarreien vor Ort lebendig?

Um das Leben vor Ort kümmern sich künftig die Ehrenamtlichen

Nahm die Sorgen der Gläubigen ernst: Dekan Dauer

Das Zauberwort heißt „Gemeindeteam“. Es besteht vorwiegend aus Ehrenamtlichen und kümmert sich um alles. So liest sich das zumindest im Konturenpapier. „Die Aufgabe des Gemeindeteams besteht darin, die Nähe Gottes zu uns Menschen zu feiern (Liturgia), den Glauben weiterzugeben (Martyria), Menschen in Not Hilfe anzubieten (Diakonia) sowie die Gemeinschaftsbildung zu unterstützen (Koinonia)“. Ein ehrgeiziger Katalog.

Das einzige hauptamtliche Mitglied im Gemeindeteam ist der Leiter der Stadtkirche. Er kann – und wird – diese Aufgaben jedoch dauerhaft an einen Pastoral- oder Gemeindereferenten delegieren. Womit nicht gesagt ist, dass dieser hauptamtliche Ansprechpartner auch im Pfarrhaus „seiner“ Gemeinde seinen Arbeitsplatz hat. Die pastoralen Mitarbeiter der Stadtkirche sollen künftig in Teams zusammengefasst werden. In vielen Pfarrhäusern wird nur noch eine Sekretärin sitzen.

Die Stadtkirche betritt unbekanntes Neuland. Das verunsichert viele.

„Mich bedrückt, dass auf Ehrenamtliche zu viel Arbeit zukommt.“ „Ich habe Angst, dass die Seelsorge untergeht und nicht mehr wichtig ist, was für die Menschen brauchen.“ „Ich mache mir Sorgen, dass das Gemeindeteam nur aus Hausfrauen und Rentnern besteht, weil der Dienst für die Berufstätigen zu viel ist.“ „Ich befürchte ein Gemeindeteam ohne Legitimation und ohne Rechte. Wer ist bereit, sich dafür zur Verfügung zu stellen?“ Vier Statements von vielen, die bei einer Informationsveranstaltung im Ziegelhäuser Pfarrzentrum St. Teresa geäußert wurden.

Viele Fragen gab es bei einer Info-Veranstaltung in Ziegelhausen

Dekan Joachim Dauer nahm die Sorgen der Gläubigen ernst und bemühte sich bei der Info-Veranstaltung, auf jede Frage eine Antwort zu finden. Doch musste er immer wieder um Nachsicht bitten. Vieles könne man einfach noch nicht genau vorhersagen, da die Stadtkirche ja unbekanntes Neuland betrete.

Dauer: „Was in der Pfarrei vor Ort entschieden werden kann, soll auch dort entschieden werden“

Und für die Gemeindeteams lägen bislang noch nicht einmal Richtlinien aus Freiburg vor. „Ich kann mir nicht vorstellen“, formulierte Dauer, „dass die Stadtkirche funktioniert, wenn nicht auch Laien Befugnisse haben.“ Und: „Ich bin stark dafür, dass alles, was in der Pfarrei vor Ort entschieden werden kann, auch dort entschieden wird.“

Ein eindeutiges „Nein“ gab auf die Frage, ob die Mitglieder des Gemeindeteams denn von den Gläubigen gewählt werden. „Gewählt werden nur die Mitglieder des Pfarrgemeinderates der Stadtkirche“, sagte Dekan Dauer. Jede Pfarrei darf je nach Größe ein, zwei oder drei Vertreter in diesen Gesamtpfarrgemeinderat entsenden. „Die Mitglieder des Gemeindeteams hingegen werden berufen.“ Von wem? Keine Antwort.

Bleibt noch die Frage, welche Rolle den Priestern in der „Stadtkirche Heidelberg“ zufällt. Um kein Detail des Konturenpapiers wurde so heftig gerungen wie über dieses. Weshalb vermutlich gerade dieser Part bei Erzbischof Robert Zollitsch auf das größte Interesse stoßen wird.

Durch die Entlastung der Priester soll das „Glaubens- und Gebetsleben“ erblühen

Alle administrativen Angelegenheiten bündeln sich künftig bei dem Priester, der die Stadtkirche leitet. Er soll diese Arbeiten allerdings nicht selbst erledigen, sondern an Fachleute und an die Gesamtkirchengemeinde delegieren. Die anderen Priester der Stadtkirche können sich unbelastet und uneingeschränkt ihrer eigentlichen Berufung widmen: Den Glauben zu den Menschen bringen. „Aufgabe des Priesters in der Stadtkirche ist es“, schreibt das Konturenpapier, „dem Auferstandenen Raum zu geben, ihn und sein Wort in den Mittelpunkt zu stellen und die Menschen zu befähigen, ihre Gaben zu entdecken und zu entfalten.“

Statt am Schreibtisch sollen die Priester künftig vor allem in der Kirche zu finden sein. Womit ausdrücklich nicht gemeint ist, dass die Priester „auf ihre Rolle als Zelebranten reduziert werden.“ Vielmehr soll um die Eucharistiefeier herum ein vielfältiges Glaubens- und Gebetleben erblühen, „das die Menschen wieder stärker mit Jesus Christus in Berührung bringt.“ Gemeinsame Stundengebete, moderne und traditionelle Andachten, neue Formen der Einkehr und Stille, geistliche Begleitung und Exerzitien. „In der Stadtkirche“, so resümiert das Konturenpapier, „soll eine Kultur des Hinhörens auf das Wort Gottes eingeübt werden.“

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