Jetzt entscheidet Freiburg

Eindrucksvolle Prozession
zur Abstimmung

Die katholische „Stadtkirche Heidelberg“ ist wieder ein Stückchen näher gerückt. In der Neuenheimer Pfarrkirche St. Raphael versammelten sich jetzt alle Pfarrgemeinderäte und hauptamtlichen Seelsorger aus Heidelberg und Eppelheim, um in geheimer Wahl darüber abzustimmen, ob sie Erzbischof Robert Zollitsch bitten wollen, das Pilotprojekt zu starten. 109 Delegierte votierten dafür. 32 stimmten dagegen.

Das „Konturenpapier“, das die Grobstruktur einer Seelsorgeeinheit mit 40000 Gläubigen skizziert, kann damit zur endgültigen Entscheidung nach Freiburg geschickt werden. Dekan Joachim Dauer ist darüber sehr glücklich. „Der Morgen in St. Raphael“, bekannte Dauer mit belegter Stimme, „hat mich in ganz besonderer Weise berührt.“

Die endgültige Entscheidung liegt jetzt bei Erzbischof Zollitsch

Es war schon ein eindrucksvolles Bild, wie die fast 150 Pfarrgemeinderäte, Pfarrer, Pastoral- und Gemeindereferenten in langer Prozession dem Kreuz folgend zur Neuenheimer Kirche zogen. Doch die aufwändige Inszenierung darf nicht darüber hinwegtäuschen, dass es sich bei dieser Abstimmung nur um eine Weichenstellung in Richtung Stadtkirche gehandelt hat. Ob der große Zusammenschluss tatsächlich kommt, darüber befindet ausschließlich der Freiburger Erzbischof.

Heidelberg und Eppelheim haben abgestimmt. 109: Ja. 32: Nein.

Gibt Zollitsch der Stadtkirche im kommenden Frühjahr tatsächlich seinen Segen, dann steht in Heidelberg harte Arbeit auf dem Programm. Denn trotz zweijähriger Diskussion und einem „Konturenpapier“, das mittlerweile auf 43 Seiten angeschwollen ist, sind noch entscheidende Fragen offen geblieben. Die wichtigste: Wie hält man trotz zentraler Verwaltung das Gemeindeleben in den 14 Pfarreien vor Ort lebendig?

Wie hält man das Gemeindeleben vor Ort lebendig?

Das Zauberwort heißt „Gemeindeteam“. Dieses neue Leitungsgremium besteht überwiegend aus Ehrenamtlichen und kümmert sich um alles. „Die Aufgabe des Gemeindeteams“, schreibt das Konturenpapier, „besteht darin, die Nähe Gottes zu uns Menschen zu feiern, den Glauben weiterzugeben, Menschen in Not Hilfe anzubieten sowie die Gemeinschaftsbildung zu unterstützen“.

Jedem der 14 Gemeindeteams wird der Leiter der Stadtkirche einen Pastoral- oder Gemeindereferenten als Ansprechpartner zuordnen. Womit nicht gesagt ist, dass dieser hauptamtliche Ansprechpartner das Büro dann in „seiner“ Gemeinde hat. Die pastoralen Mitarbeiter der Stadtkirche sollen künftig in Teams arbeiten. In vielen Pfarrhäusern säße dann nur noch die Sekretärin.

Dekan Dauer: „Dieser Morgen hat mich in besonderer Weise berührt.“

Die Stadtkirche Heidelberg betritt völlig unbekanntes Neuland

„Mich bedrückt, dass auf Ehrenamtliche zu viel Arbeit zukommt.“ „Ich habe Angst, dass die Seelsorge untergeht und nicht mehr wichtig ist, was für die Menschen brauchen.“ „Ich mache mir Sorgen, dass das Gemeindeteam nur aus Hausfrauen und Rentnern besteht.“ „Ich befürchte ein Gemeindeteam ohne Legitimation und ohne Rechte.“ Vier Publikums-Statements aus einer Informationsveranstaltung, die im Vorfeld der Abstimmung im Ziegelhäuser Pfarrzentrum stattgefunden hat.

Tragfähige Antworten auf all diese berechtigten Sorgen könne er noch nicht bieten, gestand Dekan Joachim Dauer. Schließlich betrete die Stadtkirche unbekanntes Neuland. „Ich kann mir aber nicht vorstellen, dass die Stadtkirche funktioniert, wenn nicht auch Laien Befugnisse haben.“

„In der Stadtkirche soll eine Kultur des Hinhörens eingeübt werden.“

Der Schauplatz der Wahl:
St. Raphael in Neuenheim

Bleibt noch die Frage, was die fünf Priester der Stadtkirche tun. Um kein Detail des Konturenpapiers wurde so heftig gerungen wie über dieses. Das Ergebnis: Alle administrativen Angelegenheiten sollen bei dem Pfarrer, der die Stadtkirche leitet, zusammenlaufen. Er soll diese Arbeiten allerdings nicht selbst erledigen, sondern an Fachleute weiterleiten.

Die anderen Priester der Stadtkirche können sich uneingeschränkt ihrer eigentlichen Berufung widmen: Den Glauben zu den Menschen bringen. „Aufgabe des Priesters in der Stadtkirche ist es“, sagt das Konturenpapier. „Jesus Christus und sein Wort in den Mittelpunkt zu stellen und die Menschen zu befähigen, ihre Gaben zu entdecken und zu entfalten.“

Statt am Schreibtisch würden die Priester künftig also vor allem in den Kirchen zu finden sein. Hier soll ein vielfältiges Glaubensleben erblühen: Gemeinsame Stundengebete, moderne und traditionelle Andachten, neue Formen der Einkehr und Stille, geistliche Begleitung und Exerzitien. „In der Stadtkirche“, so resümiert das Konturenpapier, „soll eine Kultur des Hinhörens auf das Wort Gottes eingeübt werden.“

 

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