Kippt die Stadtkirche Heidelberg-Eppelheim?

Eine Denkschrift übt Kritik an Dekan Dauer

Es gibt Streit um die geplante „Stadtkirche Heidelberg-Eppelheim“. In einer Denkschrift an Erzbischof Zollitsch kritisieren die Pfarrer der Seelsorgeeinheit Heidelberg-Süd, Kurt Faulhaber und Karl Müller, nicht nur den Führungsstil des katholischen Dekanats. Sie warnen auch entschieden davor, das Projekt weiter zu verfolgen.

Zwar sei schon viel Arbeit investiert worden, schreiben die Pfarrer von Heidelberg-Rohrbach. Doch bestehe die Gefahr, dass sich „im Laufe der Jahre herausstellt, dass mit der Stadtkirche mehr neue Probleme geschaffen als alte gelöst wurden.“ Ende des Jahres will Erzbischof Robert Zollitsch entscheiden, ob aus Heidelberg und Eppelheim eine einzige große Kirchengemeinde mit 40 000 Katholiken wird.

Eigentlich sollten nur zwei kleine Seelsorgeeinheiten miteinander fusionieren

Knapp drei Jahren ist es her, dass dem katholischen Dekanat die „Weiterentwicklung der Seelsorgeeinheiten“ auf den Tisch flatterte. Weil es immer weniger Priester gibt, schrieb das Erzbischöfliche Ordinariat, solle die Seelsorgeeinheit Heidelberg-Nord (Neuenheim, Handschuhsheim) ab 2015 mit der Seelsorgeeinheit Neckartal (Altstadt, Schlierbach, Ziegelhausen) fusionieren. Ein Pfarrer für fünf Stadtteile.

Eiszeit. Nicht nur auf dem Dach der Jesuitenkirche.

Joachim Dauer, der Dekan von Heidelberg-Weinheim, kam ins Grübeln. Was, wenn diese „Weiterentwicklung“ nur der Anfang einer Welle von immer neuen Zusammenlegungen darstellt? Wäre es da nicht besser, gleich einen großen Schritt zu machen und fortan Ruhe zu haben? Die Idee einer „Stadtkirche Heidelberg-Eppelheim“ mit 14 Pfarrgemeinden, vier Priestern und einem Dekan war geboren. Aus Freiburg gab es grünes Licht für ein Konzept. Mehr nicht. Versprochen, dass die Stadtkirche realisiert wird, hat niemand.

Faulhaber und Müller beklagen mangelnde Transparenz und fehlende Mitbestimmung

Im November 2010 machten sich die Katholiken in Heidelberg und Eppelheim ans Werk. Mehr als 80 Pfarrgemeinderäte, Seelsorger, Priester und sogar der Abt von Stift Neuburg sortierten sich in drei Arbeitsgruppen. Eine „Steuerungsgruppe“ koordinierte. „Breit angelegte Diskussion und Mitsprache sind ausdrücklich erwünscht“, betonte Dekan Joachim Dauer damals.

Heute, eineinhalb Jahre später, beklagen Kurt Faulhaber und Karl Müller mangelnde Transparenz, lückenhafte Informationen und fehlende Mitbestimmung. „Alle wesentlichen Vorgänge spielen sich in der Steuerungsgruppe ab. Bitten um mehr Transparenz und Information werden nur unzureichend erfüllt. Die Bitten um Veröffentlichung von Protokollen werden nicht beantwortet.“ Es sei nicht gelungen, die Katholiken in Heidelberg in die Entscheidung über die Stadtkirche einzubeziehen, heißt es in der Denkschrift. „Bestenfalls sind die regelmäßigen Gottesdienstbesucher informiert. Einen Durchblick hat keiner von ihnen.“

Pfarrer Müller und Pfarrer Faulhaber

Pfarrer Karl Müller und Pfarrer Kurt Faulhaber vermissen den „Bauplan Gottes“

Dekan Joachim Dauer wollte nicht auf die Vorwürfe eingehen. In seiner schriftlichen Stellungnahme heißt es: „Die vor kurzem vorgelegte ‚Denkschrift’ spricht sich in ihrer Tendenz gegen das Modell einer Stadtkirche aus und erhebt kritische Einwände gegen bisherigen Verlauf, Inhalte und Vorgehensweise des Beratungsprozesses.“ Weitere Gespräche und Beratungen seien vereinbart.

Viele zentrale Fragen sind bislang noch ungeklärt

Ob bei diesen Beratungen tatsächlich über die Denkschrift aus dem Süden verhandelt wird, lässt der Dekan offen. Schließlich drängt die Zeit. Am 24. November 2012 sollen die Pfarrgemeinderäte, Seelsorger und Priester endgültig über ein „Konturenpapier“ zur Stadtkirche abstimmen, das Robert Zollitsch zu Entscheidung vorgelegt wird. Viele zentrale Fragen sind bislang noch ungeklärt:  Kann der Dekan von Heidelberg-Weinheim auch der Leiter der Stadtkirche sein kann? Hat die Bergstraße im Fall einer solchen Personalunion nicht die schlechteren Karten? Welche Aufgaben haben die Pastoral- und Gemeindereferenten in der Stadtkirche? Welche die Priester?

Auch die großen Zahlen sind schwer in den Griff zu bekommen. Mindestens 14 Mitglieder – aus jeder Gemeinde eines – hat der Pfarrgemeinderat der Stadtkirche. Berichtet jede Gemeinde nur fünf Minuten, ist schon die erste Stunde vorbei. Lange Abende sind vorprogrammiert. Dito im Stiftungsrat.

Erzbischof Robert Zollitsch

Erzbischof Zollitsch muss bald eine Entscheidung fällen

Damit nicht genug: Um wirklich für eine Gemeinde sprechen zu können, muss das Mitglied im Pfarrgemeinderat auch Mitglied des neuen „Gemeindeteams“ sein, das sich um das katholische Leben vor Ort kümmert. Das klingt nach Ehrenamt im Hauptberuf. Ohne Vergütung und echte Entscheidungsbefugnis, denn das letzte Wort hat in der katholischen Kirche immer ein Priester.

Um den „Bauplan Gottes“ für die Kirche in Heidelberg habe sich niemand gekümmert

Kurt Faulhaber und Karl Müller, den Pfarrern von Heidelberg-Rohrbach, -Kirchheim und vom Boxberg, ist bei all diesen Strukturdebatten nicht wohl. Sie haben den Eindruck, dass bei den Beratungen zur Stadtkirche „nicht so sehr die Bedürfnisse der Menschen, sondern die Bedürfnisse der Hauptamtlichen und der ehrenamtlichen Profis maßgeblich waren“. Um Visionen, Träumen oder gar einen „Bauplan Gottes“ für die Kirche in Heidelberg-Eppelheim habe sich in den letzten eineinhalb Jahren niemand gekümmert. „Die Frage, wie denken die Menschen in den Gemeinden über dieses Vorhaben, wurde ein einziges Mal gestellt und blieb unbeantwortet.“

Das Hauptargument für die Stadtkirche, mit ihr kehre für längere Zeit Ruhe ein in Heidelberg, halten die Autoren der Denkschrift gar für „unverantwortlich“: „Man mag sich zwar eine nächste Runde der Vergrößerung von Seelsorgeeinheiten ersparen. Es werden aber andere, noch tiefer greifende Änderungen kommen.“

 

 

 

 

 

 

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