Konturenpapier zur Stadtkirche lässt viele Fragen offen

Pfarrer Brandt brütet über die Struktur der geplanten „Stadtkirche Heidelberg“

Langsam wird es ernst für die 40000 Katholiken in Heidelberg und Eppelheim. Nur noch sieben Wochen, dann stimmen die Pfarrgemeinderäte darüber ab, ob sie Erzbischof Zollitsch vorschlagen wollen, alle 14 Pfarreien zur „Stadtkirche Heidelberg 2015“ zu fusionieren.

Die Umrisse dieses Pilotprojekts hat das Dekanat jetzt in einem 35-seitigen „Konturenpapier“ skizziert. Auf etliche Fragen bleibt das Dossier allerdings noch Antworten schuldig: Wer wird die Stadtkirche leiten? Welche Aufgaben haben die Priester? Welche die hauptamtlichen Seelsorger? Alles unklar.

Der Priestermangel wird sich in den kommenden Jahren noch verschärfen

Dekan Joachim Dauer will die Stadtkirche nicht leiten

An den Zahlen kann niemand etwas ändern. Ab 2015, so die Personalplanung der Erzdiözese, wird die katholische Kirche in Heidelberg mit fünf statt bislang sieben Pfarrern auskommen müssen. Wobei einer der Priester zusätzlich das Amt des Dekans von Heidelberg-Weinheim übernimmt. Der offizielle Plan des Erzbischöflichen Ordinariates sieht vor, die Seelsorgeeinheiten Heidelberg-Neckartal (Altstadt, Ziegelhausen, Schlierbach) und Heidelberg-Nord (Neuenheim, Handschuhsheim) zusammenzufassen. Das hätte den Vorteil, dass sich weiterhin zwei Priester um die fünf Gemeinden kümmern könnten, denn der Dekan sitzt auch künftig im Pfarrhaus der Jesuitenkirche.

Dem derzeitigen Amtsinhaber Joachim Dauer greift die Fusion Neckartal-Nord jedoch zu kurz. Schließlich wird sich der Priestermangel in den kommenden Jahren noch verschärfen. „Ständige weitere Zusammenschlüsse führen zu Frustration und Orientierungslosigkeit“, befürchtet das Dekanat in seinem Konturenpapier. Lieber gleich nach einer stabilen großen Lösung suchen, die „vor allem eins bietet: Verlässlichkeit“. Die Stadtkirche Heidelberg 2015.

Seelsorgeeinheiten gibt es künftig in Heidelberg nicht mehr

Am besten versteht man das geplante Gebilde, wenn man sich eine Arkade vorstellt, die auf 14 Pfeilern ruht und von einem Spitzgiebeldach gekrönt wird. Die 14 Pfeiler sind die Pfarrgemeinden, in denen sich das katholische Leben abspielt. Seelsorgeeinheiten gibt es nicht mehr. „In den Pfarrgemeinden wird der Ort sein, wo man Heimat und Nähe erfährt“, steht im Konturenpapier. „Menschen begegnen sich hier, sie erzählen von ihrem Glauben und ihrer Gottesbeziehung, aus der heraus sie leben.“

Gestaltet wird das Leben in den Gemeinde von einem ehrenamtlichen Gemeindeteam, dem auch ein Ehrenamtlicher vorsitzt. Zwei Vertreter des Gemeindeteams kümmern sich speziell um „Personal und Finanzen“. Sie vertreten die Interessen ihrer Gemeinde auch im übergeordneten Pfarrgemeinderat der Stadtkirche, in den alle 14 Gemeinden Delegierte entsenden. „Die Anzahl der Vertreter richtet sich nach der Zahl der gemeldeten Katholiken“, erläutert das Konturenpapier. Es rechnet mit 24 bis 38 Mitgliedern im Pfarrgemeinderat. Lange Sitzungen sind also garantiert.

Die Priester, die wie bisher in den Pfarrhäusern ihrer Gemeinden wohnen, alle Gemeinde- und alle Pastoralreferenten sollen künftig nichts mehr mit der Leitung der Gemeinde vor Ort zu tun haben. „Die hauptamtlichen pastoralen Mitarbeiter sind auf die gesamte Stadtkirche angewiesen“, formuliert das Dosier. Will heißen: Ein Seelsorger kümmert sich gemeindeübergreifend um die Firmvorbereitung, der andere übernimmt den Beerdigungsdienst, ein dritter die Erstkommunion. Ob Freiburg über diese Spezialisierung glücklich ist, bleibt abzuwarten. Im Frühjahr jedenfalls hatte Erzbischof Robert Zollitsch noch kritisch angefragt, wie verhindert werden könne, „dass sich Mitarbeiter in eine Nische zurückziehen“. Die künftigen Aufgaben der Priester lässt das Konturenpapier offen.

Zollitsch: Die Ämter des Dekans und des Stadtpfarrers müssen in einer Hand liegen

Favorit für das Amt des Stadtpfarrers:
Der Eppelheimer Johannes Brandt

Dafür erinnert die Stellenbeschreibung für den Leiter der Stadtkirche an den Versuch einer Quadratur des Kreises. „Geleitet wird die Stadtkirche von einem Pfarrer“, heißt es im Konturenpapier, „der Dienstvorgesetzter für alle hauptamtlichen Mitarbeiter ist.“

Außer für den Dekan. Denn er ist ja der Chef aller Mitarbeiter im Dekanat Heidelberg-Weinheim und dazu gehört auch die Stadtkirche Heidelberg 2015. In Streitfällen hat also immer der Dekan das letzte Wort, und der Stadtpfarrer das Nachsehen. Keine attraktive Perspektive angesichts des Managerjobs. Weshalb Erzbischof Zollitsch zu dem Schluss gelangt ist, die Ämter des Dekans und des Stadtpfarrers müssten in einer Hand liegen.

Eine solche Personalunion jedoch lehnt Dekan Joachim Dauer ab. Zu viele Aufgaben. „Gerade zu Beginn fällt in der Stadtkirche ein beträchtliches Maß an Pionierarbeit und Konfliktmanagement an.“ Und der Zusammenschluss des Stadt-Land-Dekanats Heidelberg-Weinheim läuft auch noch nicht rund.

Erzbischof Robert Zollitsch entscheidet über die Stadtkirche

Bei einem Gespräch im Sommer 2012 hat Dauer daher seinem Erzbischof klar signalisiert, dass er für das Amt des Dekans nicht mehr zur Verfügung steht, wenn die Leitung der Stadtkirche und des Dekanats in einer Hand zusammengefasst werden. Joachim Dauers Amtszeit endet 2013.

Pfarrer Johannes Brandt wird als Favorit für das Amt des Stadtpfarrers gehandelt

Auch Pfarrer Johannes Brandt (Eppelheim, Wieblingen, Pfaffengrund), der als Favorit für das Amt des Stadtpfarrers gehandelt wird, teilte Freiburg mit, dass er den Doppeljob nicht übernehmen wird.

Das Konturenpapier schlägt einen Kompromiss vor. Joachim Dauer wird von 2014 bis 2020 noch einmal Dekan von Heidelberg-Weinheim. 2015 ernennt der Erzbischof zusätzlich einen Leiter der Stadtkirche Heidelberg, wahrscheinlich Johannes Brandt. 2020, wenn die Stadtkirche in eingefahrenen Gleisen läuft, werden Dekanat und Leitung der Stadtkirche in einer Hand zusammengeführt. Am 24. Oktober 2012 treffen sich die Arbeitsgruppen zur „zweiten Lesung“ des Konturenpapiers. Am 24. November 2012 wird abgestimmt.

 

 

 

 

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