Leimens bester Inder

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Missionar in Deutschland: Pfarrer Arul Lourdu

Indische Priester sind in unseren katholischen Kirchen längst ein vertrautes Bild. Doch akzeptiert oder gar hochgeachtet sind die Seelsorger mit der dunklen Haut deshalb noch lange nicht. Arul Lourdu, der Leiter der Seelsorgeeinheit Leimen, hat jetzt in einem sehr persönlichen Referat erstmals darüber gesprochen, wie man sich als Tamile mit deutschem Pass fühlt.

„Manch einer sagt laut, dass ein Ausländer in seiner Gemeinde der Pfarrer ist“, berichtete Lourdu. „Ich komme eben aus einem Land, das bei vielen einfach nur das arme Indien ist. Einmal zeigte mir jemand eine Banane und fragte, ob ich so etwas in Indien schon einmal gesehen hätte.“

Die Kinder fragen, ob der Pfarrer nicht geduscht hat. Er sei so schwarz.

Wenn er den ganzen Tag mit weißen Menschen gearbeitet habe und abends vor dem Spiegel stehe, erschrecke er immer wieder wie schwarz er doch sei, gestand der 43-jährige Pfarrer Lourdu. „Ich bin aber auch eine Faszination für viele Kinder – gerade wegen meiner Farbe.

Jede Woche veröffentlicht Arul Lourdu eine Video-Predigt.

Einmal habe ich ein kleines Kind beim Kommuniongang mit einem Kreuzzeichen auf die Stirn bezeichnet. Als das Kind mit der Oma nach Hause ging, fragte es mit großer Sorge, ob die Stirn nun auch die schwarze Farbe hätte. Oder manch ein Kind fragt mich neugierig, wie lange ich mich schon nicht geduscht habe, um so schwarz zu sein.“

Arul Lourdu, der vor zwölf Jahren in Freiburg zum Priester geweiht wurde, versteht seine Tätigkeit in diesem „ungewohnt kalten“ Land als Missionsarbeit. „Heute sinkt die Zahl der Christen in der traditionellen Heimat der Europäer. Hunderttausende verlassen die katholische Kirche allein in Deutschland. Die katholische Kirche hat in ihrem Mutter-Erdteil wenig Kraft. Das ist in anderen Erdteilen anders.“

Erst seit hundert Jahren dürfen Nicht-Europäer Priester werden

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Mittlerweile hat er einen festen Zuschauerstamm

Die Ironie der Geschichte: Erst seit etwas mehr als hundert Jahren erlaubt es die katholische Weltkirche Nicht-Europäern, Priester oder Ordensleute zu werden. „Die Jerusalemer Kirche ging nach Europa“, formuliert Pfarrer Lourdu, „und die europäische Kirche ging nach Amerika, Asien, Ozeanien und Afrika. Ein kleines Beispiel dafür ist, dass wir im heißen Indien das Christkind auf den Schnee legen, obwohl in Bethlehem praktisch kein Schnee fällt – das sind europäische Traditionen und Vorstellungen.“

Dass Arul Lourdu wirklich ein Missionar mit Leib und Seele ist, beweist sein Mut im Umgang mit den neuen Medien. Woche für Woche veröffentlicht Pfarrer Lourdu eine fünfminütige Videopredigt auf youtube.com. Mittlerweile hat er einen festen Zuschauerstamm.

2 Gedanken zu „Leimens bester Inder

  1. Lieber Arul
    Habe durch zufall Deine Pfarrei ausfindig gemacht.
    Es freut mich, dass Du Dich so gut eingelebt hast.
    Von Emma in Oppenau habe ich Deine Adresse bekommen.
    Lieber Arul, lass mal wieder etwas von Dir hören.
    Es grüßt Dich herzlich Reiner, St.Peter und Paul, Karlsruhe.

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