Mannheim dankt „seinem“ Erzbischof

Erzbischof Zollitsch: „Wenn ich etwas für Mannheim tun konnte, habe ich es getan“

Es war das letzte Mal, dass Robert Zollitsch als amtierender Erzbischof von Freiburg seine Heimatstadt Mannheim besuchte. Ein paar Tage zuvor hatte das Domkapitel seinen Nachfolger gewählt, jetzt lag der Zettel in Rom. Bald würde bekannt gegeben werden, wer künftig die Erzdiözese Freiburg leitet.

Hohe Zeit also für die Quadratestädter „ihrem“ Erzbischof zu danken. Sie taten das von Herzen und mit der höchsten Ehrung, die das katholische Mannheim zu vergeben hat.

Nur fünf Persönlichkeiten wurden bislang mit der Prälat-Joseph-Bauer-Medaille ausgezeichnet, unter ihnen Alt-Bundeskanzler Helmut Kohl. Erzbischof Zollitsch ist der sechste Würdenträger. Was ihn sichtlich freute. „Wenn ich im Stillen oder offen etwas für Mannheim tun konnte“, sagte Zollitsch in seiner Dankrede, „habe ich es gern getan.“

Der letzte Auftritt als amtierender Erzbischof: Abschiedsstimmung in der Jesuitenkirche

Ein wenig Wehmut lag schon über der Szenerie. Sowohl beim prachtvollen Pontifikalamt in der Jesuitenkirche wie auch beim anschließenden Empfang waren die meisten Blicke nach rückwärts gerichtet. Abschiedsstimmung. „Vorhin habe ich mich noch einmal durch die Rheinau fahren lassen“, verriet Robert Zollitsch. „Ich wollte das Elternhaus und das Familiengrab wiedersehen.“

Eine neue Heimat im Mannheimer Süden 

1946 war der damals achtjährige Robert Zollitsch mit seiner Familie aus dem ehemaligen Jugoslawien vertrieben worden. Erst 1953 fanden die sogenannten „Donauschwaben“ im  südlichsten Mannheimer Stadtteil Rheinau ein neues Zuhause. Da war Robert Zollitsch dreizehn.

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Die Heimatkirche von Robert Zollitsch: St. Antonius in Mannheim-Rheinau

Die Flüchtlinge müssen Grauenvolles erlebt haben. Der unerschütterliche Glauben vor allem seiner Mutter war für den jungen Robert Rettungsanker und Lebenswegweiser geworden. Er wollte Priester werden. Internat in Tauberbischofsheim, Priesterseminar in Freiburg und München. Am 6. Juni 1965 feierte Robert Zollitsch seine Heimatprimiz in der Pfarrkirche St. Antonius auf der Rheinau. Einen Teil seines Vikariats verbrachte er in Mannheim-Casterfeld.

Heute hat der scheidende Erzbischof keine Verwandten mehr in Mannheim. Der Bruder ist vor ein paar Jahren gestorben, das Elternhäuschen längst verkauft. Trotzdem sei er stets mit Mannheim tief verbunden gewesen und werde es auch über seinen aktiven Dienst hinaus sein, bekannte Zollitsch. „Mannheim ist eine Stadt, die mitten im Leben steht und immer im Wandel ist.“

OB Kurz: „Der Katholikentag war für uns ein Geschenk“

Mannheims große Stunde: Zollitsch eröffnet den Katholikentag 2012

Solche Worte hörten Dekan Karl Jung und Oberbürgermeister Peter Kurz natürlich gerne. Die Beiden strahlen noch immer über das ganze Gesicht, wenn sie an den Katholikentag vor genau zwei Jahren zurückdenken. „Der Katholikentag war für uns ein Geschenk“, sagte OB Kurz. „Das Glaubensfest hat sich tief in die Geschichte der Stadt eingegraben“, formulierte Dekan Jung. Auch wegen der vielen katholischen Kirchen, die mit Mitteln der Erzdiözese für den Katholikentag saniert wurden. „Vor allem die Liebfrauenkirche wächst als Jugendkirche Samuel zu neuer Blüte heran“, freute sich Jung.

Zum „Dank für das gesamte Pontifikat von 2003 bis heute“ überreiche er Erzbischof Zollitsch die Prälat-Joseph-Bauer-Medaille. Die schwere silberne Plakette erinnert an den bekanntesten Mannheimer Dekan, der den Nationalsozialisten bis zum Schluss couragiert entgegengetreten ist. Der „Lockenseppel“ wie die Mannheimer ihren Prälat liebevoll genannt haben, liegt in der Jesuitenkirche begraben. Ein seltenes Privileg.

Bleibt noch die Frage, wie es nach der Ära Zollitsch weiter geht. Karl Jung, der als Ehrendomherr den neuen Bischof mitgewählt hat, hüllte sich in undurchdringliches Schweigen. Robert Zollitsch wirkte entspannt und zufrieden. Ein Zeichen? Immerhin erfuhr man, dass Zollitsch auch im Ruhestand in seinem Reihenhäuschen in der Freiburger Altstadt wohnen bleibt. Auf seinem Schreibtisch stapeln sich schon die Anfragen für „danach.“

 

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