Pastoralreferent wird altkatholischer Priester

Wenn das mal nicht zum Trend wird: Nur ein Jahr nach dem Eppelheimer Pastoralreferent wechselt jetzt auch der Ladenburger Robert Geßmann zur altkatholischen Kirche. Der 36-jährige Theologe übersiedelt mit seiner Familie nach Singen am Bodensee, wo ihn die altkatholische Gemeinde zu ihrem neuen Pfarrer gewählt hat. Zunächst wird Geßmann ein Diakonat absolvieren, damit er im kommenden Frühjahr vom altkatholischen Bischof Matthias Ring zum Priester geweiht werden kann.

Mit Robert Geßmann verliert die römisch-katholische Kirche einen außerordentlich fähigen und beliebten Seelsorger. In der langen pfarrerlosen Zeit zwischen dem Abschied von Heiner Gladbach und der Ankunft von Frieder Bellm hat Pastoralreferent Geßmann die Seelsorgeeinheit Ladenburg-Heddesheim völlig allein und sehr gut geleitet. In dieser Phase wuchs in dem Theologen die Sehnsucht, auch die Sakramente spenden zu dürfen. „Und dann kamen sie immer wieder und immer häufiger: Die Anfragen nach der Spendung der Sakramente“, schreibt Robert Geßmann in einer Presseerklärung. „Herr Geßmann, dürfen Sie taufen? Bei Ihnen wollen wir heiraten! Diese Anfragen haben mich sehr beschäftigt: Darf ich diese (geistlichen) Anfragen verneinen? Dahinter steckt doch eine Qualifikation, die mir durch Menschen zugesprochen wird, die Geistliches wünschen und dann von mir vertröstet werden. Ich habe oft in diesen Jahren den Satz gehört: Du sollst Priester sein! “

Verstärkt wurde der Drang nach Neuorientierung durch eine wachsende „Verwunderung“ über die Entwicklung der römisch-katholischen Kirche in den vergangenen Jahren. Robert Geßmann nennt explizit „das päpstliche Predigtverbot in der Eucharistiefeier, die Entscheidungen, Pastoralreferenten nicht in die Leitungsverantwortung von Gemeinden zu geben, der Umgang mit Ehrenamtlichen in Bereichen der Liturgie, die Annäherung der römisch-katholischen Kirche in Richtung von Gruppen, deren Theologie und Liturgieverständnis mit dem 2.Vatikanischen Konzil stehen geblieben sind, die Revision des Messbuches und des Gotteslobes, das wohl in Zukunft ohne meine Lieblingslieder erscheinen wird.“

Von der altkatholischen Kirche erhofft sich Robert Geßmann, dass er „seine katholische Identität und seine geistliche Berufung leben kann.“ Die altkatholische Kirche hat sich 1870 nach dem Ersten Vatikanischen Konzil von der römisch-katholischen Kirche abgespalten, weil sie das Dogma der Unfehlbarkeit des Papstes nicht anerkennen wollte. Die Altkatholiken haben eine synodale Verfassung und wählen ihre Priester. Die Liturgie gleicht von einigen winzigen Unterschieden abgesehen der römisch-katholischen. Altkatholische Pfarrer dürfen heiraten und seit einigen Jahren werden auch Frauen zu Priesterinnen geweiht. In Deutschland gibt es derzeit etwa 25000 Altkatholiken.

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3 Kommentare zu Pastoralreferent wird altkatholischer Priester

  1. Fritz Ullmer sagt:

    Der Wechsel von Herrn Geßmann zur altkatholischen Kirche geht mir sehr nahe und tut mir weh, weil ich ihn während meiner Zeit als Dekan des Dekanats Weinheim sehr geschätzt habe. Ja, er ist wirklich außerordentlich befähigt. Er hat aber auch mir gegenüber den vorbildlichen Umgang der Kirchenleitung in Freiburg mit den Pastoralreferenten der Diözese gelobt. Und nun geht er. Schade, dass wir ihn nicht behalten können und dass er bei uns nicht Priester werden kann. Wann kommt endlich die Einsicht bei unseren Verantwortlichen in der kath. Kirche, dass wir viele gute verheiratete Priester haben könnten, wenn wir nur wollten. Ich sage Herrn Geßmann ein trauriges Adieu und wünsche ihm Gottes Segen und alles Gute in Singen, der Heimat unseres Weihbischofs Paul Wehrle.
    Fritz Ullmer

    • Simone Guichard sagt:

      Hallo Herr Ullmer,

      das kommt dann, wenn keine Unterschiede mehr inGeschlecht,Ausbildung oder Herkunft gemacht werden, sondern nurallein die Begabung, das Mit- und Füreinander zählt!

      Herzliche Grüße

      Simi

  2. Michael Bösinger-Schmidt sagt:

    Seit Samstag ist Robert Geßmann nun Priester der alt-katholischen Kirche und kann in seiner neuen Gemeinde alle Sakramente spenden.
    Wenn ich ein bisschen durch diesen Blog querlese frage ich mich schon, wie lange es sich eine kirchliche Gemeinschaft wie die römisch-katholische Kirche noch leisten kann beliebte und fähige Menschen (meist Männer) aus dem Seelsorgedienst gehen zu lassen. Die Herren Saam, Gladbach und Geßmann sind nun anderswo segensreich tätig, während in Heidelberg eine Seelsorgeeinheit entsteht, die mit 40.000 Gläubigen fast doppelt so groß wie das ganze alt-katholische Bistum in Deutschland ist. Und das in erster Linie weil es kein Personal mehr gibt…
    Die römische Kirchenleitung kann froh sein, dass die Altkatholiken aufgrund ihrer Kleinheit nur wenigen Theologen eine hauptamtliche Beschäftigung bieten können. Sonst würde der Exodus vielleicht noch größer ausfallen…

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