Pflegeheimat St. Hedwig: Neubau wäre die beste Lösung

Ein Altenheim kommt in die Jahre: St. Hedwig in Heidelberg-Neuenheim

Alles neu in Sankt Hedwig: Der Orden der Heppenheimer Vinzentinerinnen verkauft das katholische Altenpflegeheim in der Mönchhofstraße in Heidelberg-Neuenheim zum 1. Januar 2014 an den Caritasverband. „Unsere Kongregation hat nicht mehr genug Schwestern, um das Haus weiterzuführen“, begründet Generaloberin Brigitta Buchler diesen Schritt.

Die zehn Schwestern, die bisher in Neuenheim gewirkt haben, sollen aber auch weiterhin in St. Hedwig seelsorgerisch tätig sein. Die vordringlichste Aufgabe des Caritasverbandes besteht darin, ein Sanierungskonzept für die „Pflegeheimat“ zu erstellen. Hubert Herrmann, Geschäftsführer des Heidelberger Caritasverbandes: „Wie es im Moment aussieht, ist ein Abriss des jetzigen Hauses und ein kompletter Neubau an derselben Stelle die sinnvollste Lösung.“

„Es war uns wichtig, Pflegeplätze in katholischer Trägerschaft zu erhalten“

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„Wir haben nicht mehr genügend Schwestern, um das Haus weiterzuführen.“

Geld scheint bei den Verhandlungen über die Übernahme der Pflegeheimat St. Hedwig eine eher nachgeordnete Rolle gespielt zu haben. „Uns war es vor allem wichtig, in Heidelberg ein Kontingent an  Pflegeplätzen in katholischer Trägerschaft zu erhalten“, stellt die Generaloberin der Heppenheimer Vinzentinerinnen klar. 130 alte Menschen, davon sind sieben älter als hundert Jahre, leben derzeit in St. Hedwig. Sie werden von etwa hundert Pflegekräften betreut. „Für die Mitarbeiter ändert sich durch den Trägerwechsel nichts“, versichert Hubert Herrmann.

Auch die Bewohner sollen von den modernen Zeiten vorläufig nichts merken, sagt Generaloberin Birgitta Buchler. „Die Hinwendung zum Menschen ist und bleibt das oberste Ziel der Pflegeheimat.“ Garant für die christliche Nächstenliebe sollen die zehn Vinzentinerinnen sein, die sich auch weiterhin reizend und hingebungsvoll den alten Leuten widmen werden. Allerdings ist die jüngste der Schwestern auch schon 63 Jahre alt.

2019 muss jedes Zimmer 16 Quadratmeter messen und ein eigenes Bad haben

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Zehn Vinzentinerinnen werden sich auch weiterhin in Heidelberg leben.

Blicken wir in die Zukunft. Dass die Pflegeheimat St. Hedwig baulich in die Jahre gekommen ist, daraus macht niemand ein Hehl. „Die Baupläne für die Sanierung lagen schon fix und fertig auf dem Tisch, als die Landesregierung die neue Heimbauverordnung erlassen hat“, erzählt die Generaloberin. Ab 2019 darf jedes Altenpflegeheim höchstens noch hundert Betten haben. Jedes Einzelzimmer muss mindestens 16 Quadratmeter messen und über einen barrierefreien Zugang zum Badezimmer verfügen. Keinen dieser Standards kann die Pflegeheimat St. Hedwig derzeit erfüllen.

„Wir werden baldmöglichst eine Machbarkeitsstudie in Auftrag geben, ob eine Sanierung des Hauses überhaupt noch irgendeinen Sinn macht“, erläutert Caritas-Geschäftsführer Hubert Herrmann. Das Gebäude in der Mönchhofstraße stammt zwar ursprünglich aus dem Jahr 1877. Zahlreiche Umbauten in Fünfziger, Sechziger und Siebziger Jahren haben allerdings vom Gründerzeit-Original fast nichts übriggelassen. Sollte sich der Caritas-Verband für einen Abriss entscheiden, dürfte der Denkmalschutz kaum etwas dagegen haben. Schwieriger stellt sich die Situation für die Bewohner dar. Sie müssten während der Neubauphase in einem Ersatzheim untergebracht werden, das der Caritasverband eigens dafür irgendwo am Stadtrand errichten muss. Kein Wunder, dass die Barmherzigen Schwestern vor dieser Mammutaufgabe zurückgeschreckt sind.

Zehn Millionen Euro wird der Neubau wohl kosten 

„Der heilige Vinzenz war immer zuerst für die Ärmsten da.“

Der Heidelberger Caritasverband hingegen hatte in den letzten Jahren reichlich Gelegenheit, Know-How in Sachen Altenheimsanierung zu sammeln. 2009 übernahmen die Katholiken das Pflegeheim St. Michael in Handschuhsheim, das heute über 116 Pflegeplätze in modernen Einzelzimmern verfügt. Sollte St. Hedwig tatsächlich neu gebaut werden, will die Caritas hier auch alternative Wohnformen anbieten. „Wir denken auch über betreutes Wohnen und Wohngruppen nach“, erläutert Franziska Geiges-Heindl, die Vorsitzende des Caritasverbandes. In „drei bis fünf Jahren“ sollte das neue Haus in der Mönchhofstraße fertig sein, wünscht sich Hubert Herrmann. Um die zehn Millionen Euro, schätzt er grob über den Daumen, würde so ein Neubau wohl kosten.

Finanziell vollkommen aus der Pflegeheimat zurückziehen wird sich die Heppenheimer Kongregation der Barmherzigen Schwestern des Heiligen Vinzenz von Paul vorläufig nicht. Die Schwestern haben zusammen mit dem Caritasverband eine gemeinnützige Altenhilfegesellschaft gegründet. „Es ist uns ein Herzensanliegen, dass St. Hedwig ein Pflegeheim bleibt, das sich auch die Armen und Bedürftigen leisten können“, betont Generaloberin Brigitta Buchler. „Der heilige Vinzenz war immer zuerst für die Ärmsten da.“

 

 

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