Schafft es die Schaffnei ?

Das marode Haus der Begegnung ist jetzt in neuen Händen

Am „Haus der Begegnung“ in Heidelberg hängt neuerdings ein Zettel: „Achtung, Videoüberwachung.“ Endlich kümmert sich jemand um die marode Immobilie. Die Pfälzer Katholische Kirchenschaffnei hat der Pfarrgemeinde Heilig Geist das Haus der Begegnung abgekauft. Viel gekostet hat es nicht.

„Es handelte sich im Wesentlichen um eine Vergütung des Grund und Bodens zum ortsüblichen Preis“, erklärt Schaffnei-Direktor Fred Wittmann. Rund fünf Millionen Euro will er in das Sandsteingebäude am Richard-Hauser-Platz investieren, das auch künftig ein Haus der katholischen Kirche bleiben soll. „Wir möchten“, betont Wittmann, „möglichst viele katholische Einrichtungen unter einem Dach vereinen.“

Die Vision: Am Hauser-Platz entsteht das „katholische Herz Heidelbergs“

Die Idee klingt schön: Das Haus der Begegnung, die Jesuitenkirche und das Pfarrhaus bilden das katholische Herz Heidelbergs. Ein Kirchencafé mit gelb-weißen Schirmen auf dem Richard-Hauser-Platz lädt zum Verweilen. „Es ist uns ein Anliegen, dass sich unter den katholischen Einrichtungen Synergien entwickeln“, sagt der Schaffnei-Direktor. „Deshalb ist das Haus der Begegnung auch kein Anlageobjekt, sondern geht in unser Stiftungsvermögen ein.“

Heidelberger-Jesuitenkirche
Rund um die Jesuitenkirche schlägt das katholische Herz Heidelbergs

Die Pfälzer Katholische Kirchenschaffnei ist eine Stiftung, deren Aufgabe darin besteht, bestimmte Kirchen und kirchliche Gebäude zu unterhalten. Hierfür dürfen die Kaufleute nur die Renditen verwenden, die sie durch geschickte Anlagen erwirtschaftet haben. Das Stiftungsvermögen ist tabu.

Die Schaffnei investiert fast ausschließlich in Bürohäuser, die gewinnbringend vermietet werden. Als solch ein „Anlageobjekt“ hätte das Haus der Begegnung nicht getaugt. „Die Lage ist für ein Geschäftshaus nicht die erste Wahl“, gesteht Wittmann. Die Parkplätze fehlen. Als Teil des Stiftungsvermögens hingegen muss die Immobilie nur die Sanierungs-Kosten decken, die möglichst niedrig gehalten werden sollen.

Der Wettbewerbs-Entwurf ist definitiv vom Tisch

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Der neue Hausherr: Schaffnei-Direktor Fred Wittmann

Der Entwurf eines modernen Glashauses hinter barocker Fassade, der 2009 den Architekten-Wettbewerb gewonnen hat, ist definitiv vom Tisch. „Sanierung im Bestand“ nennen die Bauleute, was jetzt in der Merianstraße geschehen soll: Dach erneuern, die Wände isolieren, neue Fenster, neue Elektrik, neue Heizung, neue Aufteilung der Innenräume. Die kleine verwilderte Grünfläche an der Ecke zur Heugasse verschwindet. Der Boden wird auf das Niveau des Platzes abgesenkt, damit der künftige große Saal einen barrierefreien Zugang erhält. Im zeitigen Frühjahr 2013 will die Schaffnei ihre Bauzäune aufstellen.

Momentan werden Mieter gesucht, die ins sanierte Haus der Begegnung einziehen. 13 Euro soll der Quadratmeter Bürofläche kosten. Fest zugesagt hat bereits die katholische Ehe-, Familien und Lebensberatung (EFL), die schon früher am Hauser-Platz ihr Domizil hatte. Die Pfarrei Heilig Geist will den großen Saal im neuen Haus mieten. Die Citypastoral und das Bildungszentrum werden wahrscheinlich ebenfalls einziehen.

Das Dekanat Heidelberg-Weinheim bleibt draußen vor der Tür

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Draußen vor der Tür bleibt, wenn nicht noch ein Wunder geschieht, ausgerechnet das katholische Dekanat Heidelberg-Weinheim. 180 Quadratmeter Bürofläche wollte Dekan Joachim Dauer ursprünglich im Haus der Begegnung anmieten, doch der Dekanatsrat brachte diesen Plan in einer dramatischen Kampfabstimmung zu Fall.

Statt des Wettbewerbsentwurfs (oben) soll eine schlichtere Lösung realisiert werden

Nicht einverstanden waren die gewählten Vertreter der Seelsorgeeinheiten mit Dekan Dauers Idee, die Kosten für das Dekanatsbüro auf die 28 Pfarreien umzulegen.

80000 Katholiken leben im Dekanat Heidelberg-Weinheim. 50 Cent pro Katholik und Jahr wollte Dauer künftig von den Seelsorgeeinheiten für das Büro im Haus der Begegnung kassieren. Doch den Seelsorgeeinheiten fehlt schon jetzt das Geld für das Notwendigste. „Uns steht das Wasser bis zum Hals“, klagten die Dekanatsräte. Mit dreizehn zu acht Stimmen wurde Joachim Dauers Antrag abgelehnt.

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