Hauptsache, der Segen wird gesendet

Bezirkskantor Uhl verantwortet den Großgottesdienst beim Katholikentag

Nach 58 Minuten und 30 Sekunden wird ausgeblendet. Gnadenlos. Selbst dann, wenn der Gottesdienst noch nicht zu Ende ist. „Eine Live-Übertragung im Fernsehen muss auf die Sekunde durchgetaktet sein“, stöhnt Markus Uhl, Bezirkskantor im Dekanat Heidelberg-Weinheim. Beim Mannheimer Katholikentag verantwortet er den ersten Großgottesdienst.

An Christi Himmelfahrt singen im Ehrenhof des Mannheimer Schlosses 800 Kinder. Erzbischof Robert Zollitsch zelebriert, über 20000 Gläubige werden erwartet. Für Markus Uhl, den musikalischen Leiter, ist das eine Herausforderung

Es muss eine Zeit gegeben haben, in der Markus Uhl ohne Stoppuhr die heimische Jesuitenkirche zu Heidelberg betreten hat. Doch das war früher. Heute stoppt Uhl alles: Die Kniebeuge vor dem Tabernakel, das Nachfüllen des Weihrauchbehälters, den Friedensgruß, die einzelnen Stationen der Wandlung. Und natürlich auch das Vaterunser: „Gesprochen dauert es eine Minute“, erläutert der Kantor. „Wenn die Gemeinde das Gebet singt, braucht sie eineinhalb Minuten.“

Markus Uhl stoppt selbst das Sprechtempo des Erzbischofs

Mit einer Großgottesdienst am Mannheimer Schloss startet der 98. Katholikentag

Selbst bei der Übertragung des Weihnachtsgottesdienstes aus dem Freiburger Münster saß Markus Uhl mit der Stoppuhr vor dem Fernseher. Er wollte das Sprechtempo von Erzbischof Zollitsch in seine Planung einbeziehen: „58 Minuten ist sehr wenig Zeit für einen Pontifikalgottesdienst. Da kommt es auf jedes Zehntel an.“

Glücklicherweise hält sich die katholische Liturgie streng an die Regeln, was man von einem Kinderchor nicht behaupten kann. Zumal wenn er aus 800 Sängern besteht, die aus den verschiedensten Gemeinden der Diözese kommen und noch nie miteinander aufgetreten sind.  „Die Idee mit den Kinder stammt von den Musikern in der Vorbereitungsgruppe für die Großgottesdienste“, erklärt Markus Uhl. „Uns schwebte eine Messe vor, die sich in bekannten Klangwelten bewegt, aber nicht zu konventionell wirkt.“

Vorne beginnt das Schlussgebet, hinten wird noch Kommunion ausgeteilt

Klassisches Gesangbuch und neue geistliche Kinderlieder traulich vereint in einem Pontifikalgottesdienst – ein ungewöhnliches Opening für einen Katholikentag. Aber das passt zu Mannheim.

Eine gemeinsame Probe des großen Kinderchors wird es nicht geben. Anders als die Geistlichkeit und die Lektoren, die sich schon am Mittwochmorgen zu einem Durchlauf im Ehrenhof versammeln, reisen die jungen Sänger erst am Donnerstag an. „Alle Kinder haben vor zwei Monaten die Noten erhalten und zu Hause geübt“, hofft Markus Uhl. Statt einer Generalprobe ist lediglich ein gemeinsames Einsingen geplant.

Natürlich hat Bezirkskantor Uhl für alle Fälle noch ein paar Asse im Ärmel. Von dem Klavierstück während der Kommunion beispielsweise gibt es drei verschiedenen Fassungen. Mal kürzer, mal länger, je nachdem, was die Stoppuhr sagt. Sollten alle Stricke reißen, muss Erzbischof Zollitsch eben vorne schon mit dem Schlussgebet beginnen, während hinten noch die Kommunion ausgeteilt wird. „Hauptsache“, sagt Markus Uhl, „der Segen wird gesendet.“

 

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