Mehr Pfingsten geht nicht

Orgelweihe in Feuerrot: Erzbischof
Zollitsch (Mitte) und Dekan Dauer (r.)

Es war ein Feuerwerk in Rot. Vom Gewand des Erzbischofs Robert Zollitsch, der deutliche Worte über den Zustand unserer Gesellschaft fand, über die Priester und Ministranten bis zu den Blumen – wohin man auch sah in der Heidelberger Jesuitenkirche, man sah rot.

Dazu brauste eine frischgeweihte riesige Orgel wie entfesselt durchs Kirchenschiff und feuerte den Chor, die Capella Palatina, zu höchsten Leistungen an. Mehr Pfingsten geht nicht. Die Gottesdienstbesucher in der übervollen Kirche quittierten die furiose Feier des Heiligen Geistes mit stehenden Ovationen.

Kein Ton erklang, ehe die Orgel geweiht war

In völliger Stille schritt die
Prozession zur Orgelweihe

In vollkommener Stille hatte am Samstag Abend das Pfingstfest im Jahr des Doppeljubiläums der Jesuitenkirche begonnen. Sie feierte sowohl ihren 250. Geburtstag als auch den 200. Jahrestag ihrer Ernennung zur Pfarrkirche. Keinen Ton durfte Kantor Markus Uhl der neuen Kuhn-Orgel entlocken, ehe diese nicht geweiht war.

Eigens dazu war der Freiburger Generalvikar Fridolin Keck, selbst lange Jahre Stadtpfarrer in Heidelberg, angereist. Kein Wort wurde gesprochen, kein Lied gesungen, keine Note gespielt, als die ökumenische Prozession in die große weiße Kirche einzog: Generalvikar Keck, Dekan Joachim Dauer, Pfarrer Alexander Schleicher, die evangelische Dekanin Marlene Schwöbel, der altkatholische Pfarrer Bernd Panizzi sowie Reader Rosemarie Selle von der anglikanischen Kirche.

Bachs Präludium flutete aus 3829 Pfeiffen in den Kirchenraum

Eine Stunde lang verharrte die Kirche in Kargheit, dann endlich tauchte Generalvikar Keck den Palmwedel in die Schale mit geweihtem Wasser, sprach den Segen und besprengte die Orgel. Markus Uhl zog die Register und griff in die Tasten. Bachs Präludium in Es-Dur flutete aus 3829 Pfeifen hinein in den weiten Kirchenraum. „Überwältigend“, urteilte der Unternehmer Reinhart Freudenberg, der Vorsitzende des Orgelbauvereins.

Generalvikar Keck bei der Weihe
Orgel auf der Nordempore

„Grandios“, fand Dekan Joachim Dauer. „Beim nächsten Jubiläum in 50 Jahren sind viele von uns nicht mehr da. Aber diese Orgel wird immer noch zu Gottes Ehre gespielt werden.“

Dabei war der erste Auftritt der Kuhn-Orgel nur ein Vorgeschmack. Was es wirklich kann, zeigte das 1,4-Millionen-Euro-Instrument beim Pontifikalamt mit Erzbischof Zollitsch am Pfingstsonntag. Man feierte den Namenstag der Jesuitenkirche, die offiziell „katholische Heilig-Geist-Kirche“ heißt. Mit der Messe solennelle in Cis-Moll von Louis Vierne überzeugte die Orgel auch ihre letzten hartnäckigen Kritiker. Markus Uhl dirigierte den Chor, Susanne Rohn saß am Spieltisch.

Das Sonder-Register der Orgel imitiert den Klang zweier Weingläser

Zollitsch: „Wir müssen neu lernen,
auf das Wirken Gottes zu vertrauen.“

Erzbischof Robert Zollitsch, der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, forderte in seiner Pfingstansprache ein „neues lebendiges Gesicht für die Gesellschaft und die Kirche“. Gerade in der gegenwärtigen Krise brauche es den Mut, sich wieder auf die Werte zu besinnen, die dem Gemeinwohl dienen: Vertrauen, Solidarität, Rücksicht. „Vielleicht brauchen wir diese Situation der Schwäche, um wieder neu zu lernen, auf das Wirken Gottes zu vertrauen.“

Bleibt noch die Geschichte vom Sonder-Register der neuen Orgel. Es heißt „Perkeo“ und imitiert den Klang zweier Weingläsern, die angestoßen werden. Gleichzeitig erscheint oben auf der Orgel ein in Heidelberg wohlbekannter Zwerg in der Version des Malers Giuseppe Blasotta. Welcher Art die Gottesdienste sein mögen, bei denen das Register „Perkeo“ zum Einsatz kommt, darüber rätselt seit Samstag die Altstadt.

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