Warten aufs Gotteslob

Freiburger Gotteslob erscheint mit Verspätung wahrscheinlich zum 19. Januar 2014

Die Sache war von langer Hand geplant und in hunderten von Sitzungen durchgesprochen. Trotzdem ist alles schief gegangen. 2001 hatte die Deutsche Bischofskonferenz beschlossen, dass am ersten Advent 2013 ein neues katholisches Gesangbuch eingeführt wird.  2010 war das „Gotteslob“ fertig. 2011 lieferte Rom die Korrekturen. 2012 startete der Würzburger Bischof Friedhelm Hoffmann die Druckmaschinen. Im Herbst 2013 kam die Horrormeldung.

Bei mehr als einem Drittel der rund 3,6 Millionen Gesangbücher war die Papierqualität so schlecht, dass sich die Vorderseite auf der Rückseite durchdrückte. Unmöglich, die Texte und Noten zu entziffern. Aus der Traum vom gemeinsamen Start in eine neue Gesangbuchzeit. Mit dem neuen „Gotteslob“ werden erstmals alle deutschen Diözesen sowie Österreich, Belgien und Südtirol das gleiche Gesangbuch benutzen.

13 von 27 Diözesen waren vom Totalausfall betroffen, darunter auch das Erzbistum Freiburg. Nur etwa 20.000 der im Erzbistum benötigten 185.000 Bücher waren ausgeliefert, als Erzbischof Robert Zollitsch am 1. Dezember 2013 im Freiburger Münster den großen Festgottesdienst zur Einführung des neuen Gotteslobs zelebrierte.

Alles ist gleich, nur den „Diözesanteil“ kann jedes Bistum individuell gestalten

Kantor Markus Uhl: „Ich freue mich auf das Buch“

Mitte Januar 2014, schätzt Markus Uhl, der Bezirkskantor der Dekanate Heidelberg-Weinheim und Wiesloch, werden die Gläubigen im Erzbistum ihr neues Gesangbuch endlich in Händen halten. Für all jene, die so lange nicht warten mögen, hat Organist Uhl ein Hintertürchen gefunden. Das Freiburger Gotteslob nämlich, sagt Uhl, sei identisch mit dem Gesangbuch der Diözese Rottenburg-Stuttgart. Nur im Vorwort des Bischofs und in der Beschreibung des Bistums unterscheiden sie sich.

Da Rottenburg-Stuttgart nicht fehlgedruckt hat, kann man das Buch im Internet für 19,95 Euro bestellen. Markus Uhl hat das bereits getan. Werfen wir also einen Blick hinein ins neue katholische Gesangbuch.

„Fünfzig Prozent der Lieder kennen wir schon aus dem alten Gotteslob“

Dick ist es, das neue Gotteslob. 1372 Seiten. Die vorderen drei Viertel sind der sogenannte „Stammteil“, den alle Diözesen gemeinsam haben. Den hinteren „Diözesanteil“ konnten die Bistümer individuell gestalten. Vorwiegend elegant kommt es daher, das neue katholische Gesangbuch. Modern, klar, übersichtlich. Rote Überschriften gliedern die Rubriken, rote Zwischenseiten den stattlichen Umfang. Die Gesangbücher, die in den Kirchen ausliegen, haben künftig nicht mehr einen poppig-knallroten sondern einen vornehm-hellgrauen Einband. Für den Privatgebrauch wird es irgendwann auch dunkelblaue, braune, weiße, groß gedruckte, ledergebundene oder goldgeschnittene Ausgaben geben. Aber das dauert noch.

Grau ist für die Kirche. Rot, blau und braun für den Privatgebrauch.

„Fünfzig Prozent der Lieder kennen wir schon aus dem alten Gotteslob“, beruhigt Markus Uhl. Auch viele von den neuen Liedern gehören längst zum Gottesdienstrepertoire. Die Gesänge aus Taize beispielsweise oder die neuen geistlichen Lieder, die erst entstanden sind, nachdem 1975 das alte Gotteslob eingeführt worden war. „Diese jungen Kompositionen sind im neuen Buch jedoch längst nicht so stark vertreten, wie viele erwartet haben“, beobachtet Uhl.

Er vermutet, das liegt daran, dass die Epoche des neuen geistlichen Liedes inzwischen vorbei ist, und die Zeit die Spreu vom Weizen getrennt hat. „Die neuen geistlichen Lieder, die es jetzt ins Gotteslob geschafft haben, singt man wohl auch in vierzig Jahren noch gern.“ Das wunderschöne „Wäre Gesanges voll unser Mund“ etwa findet sich im Stammteil, der in allen Diözesen erscheint. „Sogar mit einem vierstimmigen Chorsatz“, freut sich Kantor Uhl.

Die Gläubigen besinnen sich auf ganz alte Lieder mit Gänsehautmelodien

Gotteslob, schick verpackt. Es gibt Gotteslob-Hüllen aus Neopren ….

Abgelöst wurde die Welle des neuen geistlichen Liedes von einer Art „Neoromantik“ (Uhl), die in den letzten Jahren Einzug gehalten hat in die katholischen Kirchen Deutschlands. Wo man hinsieht, besinnen sich die Gläubigen auf ganz alte Lieder mit Gänsehautmelodien.

Unangefochten auf Platz Eins der Wunschliste für das neue Gotteslob lag denn auch das volkstümliche „Segne Du, Maria“, das in bislang in keinem katholischen Gesangbuch zu finden war. 13,5 Meter lang ist das Regal, in dem das Deutsche Liturgische Institut zu Trier alle Briefe gesammelt hat, die um eine Aufnahme dieses alten Marienliedes ins neue Gesangbuch baten. Markus Uhl, Jahrgang 1978, kann den Wunsch verstehen. „Aus Musikersicht muss ich sagen, es ist eine phantastische Melodie. Wer das Lied einmal gesungen hat, kann sich ihm nicht mehr widersetzen.“

Etliche evangelische Lieder finden sich jetzt auch im katholischen Buch 

… und aus poppigem Leder.

Natürlich hat auch die Ökumene ihre Spuren im neuen Gotteslob hinterlassen. Etliche evangelische Lieder, die gern bei ökumenischen Gottesdiensten gesungen werden, finden sich jetzt auch im katholischen Buch. Texte und Melodien, die bislang konfessionell variierten, wurden angeglichen. Zum Gebet des Dietrich Bonhoeffer „Von guten Mächten treu und still umgeben“ stehen gleich zwei Melodien zur Auswahl.

Deutlich geschrumpft im Vergleich zum jetzigen Gesangbuch ist der Teil mit den „Halleluja“-Rufen und den Kehrversen für die Antiphone. „Dafür gibt es jetzt deutlich mehr Kanones“, freut sich Markus Uhl. „Für die Gemeinde ist das die einfachste Art mehrstimmig zu singen.“

Absolut aktuell und sehr praktisch ist der umfangreiche Teil, der sich dem monastischen Stundengebet widmet. Das Gotteslob reagiert damit auf das zunehmende Bedürfnis, die Laudes und die Komplet, also das Morgen- und das Abendgebet, in den Gemeinden oder zu Hause zu beten. Wer es sich zutraut, kann die Psalmen auch singen. Die Gregorianik ist im Gotteslob ebenfalls üppig vertreten. Das Gesangbuch liefert aber auch Gebete und kleine Andachten, um „in der Familie zu feiern“. Das neue Gotteslob sei ein großer Sprung nach vorne, schwärmt Kantor Markus Uhl. „Ich freue mich richtig darauf, dass es endlich kommt.“

 

Ein Gedanke zu „Warten aufs Gotteslob

  1. Wer noch kein neues Gotteslob aus der ersten Auflage erworben hat, der hat den Vorteil, aus einer der folgenden Auflagen ein textlich fehlerfreies Exemplar erhalten zu können. Die erste Auflage enthielt überraschenderweise mehr Schreibfehler, als ich bei einem Projekt dieser Größenordnung erwartet hätte. Bei einem diesbezüglichen Anruf bei dem für „meinen“ regionalen Eigenteil zuständigen Verlag erhielt ich die Auskunft, für die Schreibweisen sei „Rom“ zuständig und ich solle mal beim zuständigen Generalvikariat anrufen. Um sicherzugehen, keine weitere Rechtschreibreform (und dann noch aus dieser ungewöhnlichen Richtung) versäumt zu haben, befolgte ich diesen Rat. Dort sagte man mir allerdings, mit dem Korrekturlesen sei ein Herr aus genau diesem Verlag beauftragt gewesen. Es gibt somit noch einigen Klärungsbedarf.

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