Ein Jetpilot ist am Altar gelandet

Eigentlich wollte Alexander Czech Soldat werden. Dann meldete sich Gott.

Solange er sich zurückerinnern kann, hatte Alexander Czech nur einen Traum: Er wollte fliegen. Überschall. Im Düsenjet. Czech lernte fleißig, bestand die Gesundheitschecks und Reaktionstests und wurde zugelassen zur Pilotenausbildung bei der Bundeswehr. Eindreiviertel Jahre wähnte sich Soldat Czech am Ziel.

Bis er eines Nachts aufwachte und nicht mehr nur die faszinierenden Flugzeuge sah. Der angehende Pilot sah plötzlich auch die Bomben. Czech packte und ging.

„Meiner Affinität zum Himmel bin ich immerhin treu geblieben“

Zuversichtlich: Czech kurz vor der Priesterweihe

Der Traum war aus. Was nun? Zehn Jahre lang suchte Alexander Czech. Dann fand er, was seinem Leben mehr Sinn gab als das Fliegen: 2007 wurde Czech im Freiburger Münster zum katholischen Priester geweiht.

Ab 10. September 2011 wirkt der junge Pfarrer in Heidelberg. Zusammen mit Dekan Joachim Dauer kümmert sich Kaplan Alexander Czech um die Katholiken in der Heidelberger Altstadt, in Schlierbach und in Ziegelhausen. Der Ex-Pilot geht die neue Aufgabe mit Charme an. „Meiner Affinität zum Himmel“, lacht Czech, „bin ich immerhin treu geblieben.“

Wer nach den Brüchen in Alexander Czechs Biographie fragt, wird schnell korrigiert. „Rückblickend betrachtet verlief mein Leben sehr kontinuierlich“, sagt der 42-jährige Geistliche. „Gott hat mich immer dorthin geführt, wo Fülle ist.“

Mit 14 schloss der Gymnasiast einen Pakt mit Gott

In Eppingen-Mühlbach wuchsen Alexander und seine Schwester Natascha auf. Zweitausend Einwohner, viel Natur, Fachwerk und Vereinsleben. Behütete Verhältnisse. Der Vater arbeitete als Vermessungsingenieur. „Meine Eltern haben alle meine Entscheidungen mit Treue und Weite mitgetragen“, formuliert Czech heute.

Vom Heimatkirchlein Mariä Geburt in Eppingen-Mühlbach …

Mit der katholischen Kirche brach Alexander Czech im Alter von 14 Jahren. Den Gymnasiast, der das Schulzentrum in Eppingen besuchte, störte die Diskrepanz zwischen den Predigten und dem Handeln vieler Katholiken. „Ich habe damals mit Gott einen Pakt geschlossen“, verrät Czech. „Wenn er wollte, dass ich an ihn glaube, sollte er mir das zeigen.“ Was Gott offenbar getan hat. Jahre später.

Unfähig, Pläne für die Zukunft zu schmieden, verdingte sich Czech in der Fabrik

Zunächst musste Alexander Czech den Traum vom Fliegen realisieren – und loslassen. Nach dem Abschied von der Bundeswehr breitete sich Leere aus im Leben des 22-Jährigen. Unfähig, irgendwelche Pläne für die Zukunft zu schmieden, verdingte sich Czech in einer Fabrik. Schichtarbeit. Monotonie. Nur nicht denken müssen.

… an die Jesuitenkirche in Heidelberg

Nach einem Jahr ging Alexander Czech nach Karlsruhe, um – wie sein Vater – Vermessungsingenieur zu werden. Sein Schwerpunkt: Satellitenvermessung. „Ich hatte schon immer eine Begabung für Mathematik und Physik“, erzählt der Priester. „Computergestützte Vermessungen haben mir Spaß gemacht.“ Außerdem war Student Czech verliebt. Das Paar sprach von Kindern, einem Häuschen, guten Jobs.

Mitten in der bürgerlichen Idylle meldete sich Gott

Inmitten dieser bürgerlichen Idylle meldete sich Gott. „Zwei Frauen in unserem Freundeskreis erzählten immer öfter über ihre Erfahrungen mit dem Glauben“, erinnert sich Alexander Czech. Er wurde neugierig, schnupperte in verschiedene Kirchen hinein, lernte unterschiedliche Gottesdienstformen kennen.

„Die Weihe gab mir ein Gefühl von großer Klarheit“

Nach Monaten wagte der Vermessungsingenieur, der gerade mitten in seiner Promotion steckte, das direkte Gespräch mit Gott. Czech erhielt eine Antwort. Wie sie lautete, verrät er nicht.

„Die Weihe gab mir ein Gefühl von ganz großer Klarheit“

Seine Lebensgefährtin kam mit der neuen Frömmigkeit ihres Freundes nicht klar. Man trennte sich nach langer Beziehung. Zum ersten Mal dachte Czech daran, Priester zu werden. „Die Frage kam jeden Tag wieder.“ Schließlich übersiedelte Alexander Czech ins Priesterseminar nach Freiburg. 14 junge Männer haben das Studium begonnen, zwei hielten bis zur Priesterweihe durch. „Die Weihe gab mir ein Gefühl von ganz großer Klarheit, das ich jederzeit wieder abrufen kann.“

Es folgten drei Jahre Vikariat in Neckargemünd und ein zwölfmonatiges Managementtraining an der Führungsakademie des Landes in Karlsruhe. Im März 2012 endet Czechs Vikariat. Dann ist er als Pfarrer zuständig sowohl für die Seelsorgeeinheit Neckartal als auch für die Jugend im Dekanat Heidelberg-Weinheim. Er soll gut Gitarre spielen.

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