Ein rastlos Suchender hat Ruhe gefunden

Pfarrer Karl Peter Müller des Heidelberger Südens wurde 75 Jahre alt

Vier Tage nach Weihnachten erhielten die Katholiken im Heidelberger Süden ein Geschenk, mit dem sie niemals gerechnet hätten. Karl Müller, der dreißig Jahre lang der Pfarrer von Heidelberg-Rohrbach gewesen war, stand noch einmal am Altar, um die Geburtstagsmesse für seinen Mitbruder Kurt Faulhaber zu zelebrieren.

Obwohl schon sichtbar von seiner schweren Krebserkrankung gezeichnet, hielt sich Müller mit eisernem Willen bis zum Segen aufrecht. Ja, er stand sogar noch ein paar Minuten länger und blickte hinab in die Gesichter der Menschen. Es war, als wolle er sie sich für immer einprägen. Am letzten Donnerstag, 30. Januar 2014, ist Pfarrer Karl Peter Müller gestorben. Er wurde 75 Jahre alt.

Er konnte tief in die Seelen schauen. Gut, dass er dies stets gütig tat.

Ein eingespieltes Priester-Team: Karl Peter Müller (l.) und Kurt Faulhaber

Leicht gemacht hat es sich Karl Müller nie. Er war ein Skeptiker, der einfachen Lösungen misstraute, und ein rastlos Suchender, der stets aufs Neue mit Gott um den Weg rang. Öffentlich. Mit klaren Worten und viel Charisma. Karl Peter Müller hat es verstanden, Menschen zu motivieren und für eine Sache zu begeistern. Und: Er konnte tief in die Seelen hineinschauen. Gut, dass er dies stets gütig tat.

Als Missionar wollte Karl Müller ursprünglich hinausziehen in die Welt. Doch dann brannte das Elternhaus im Schwarzwald ab, der Vater starb früh, der Junge kam schon mit 13 Jahren in eine Mechatroniker-Lehre. Mit 18 der Ausweg: Ein Internat für angehende Theologiestudenten in Neuss. Am Abend drückte der junge Karl die Schulbank; tagsüber jobbte er im Hafen. 1971 wurde Karl Peter Müller in Freiburg zum Priester geweiht. Zusammen mit seinem Kurskollegen Kurt Faulhaber.

Das Konzil hatte die Fenster weit aufgerissen. Alles schien möglich.

Erst vor einem halben Jahr war Pfarrer Müller in den Ruhestand gegangen.

Die Siebziger. Eine prickelnde Zeit. Das Zweite Vatikanische Konzil hatte die Fenster weit aufgerissen, alles schien möglich. Karl Müller, damals Kaplan in Mannheim-Feudenheim, hat sich später immer gern an diese Jahre erinnert. „Wir haben liturgische Nächte mit mehr als neunzig Leuten gefeiert.“ Freiburg merkte auf und schlug dem jungen Pfarrer eine Promotion vor. Karl Müller wählte C.G. Jung. Doch kurz vor dem Rigorosum fiel er in eine tiefe Sinnkrise. Er wollte doch Seelsorger sein. Wozu dann promovieren? Müller ging nach Paris, schloss sich den „Kleinen Brüdern Jesu“ an und lebte mit den Ärmsten.

1983 die Rückkehr nach Deutschland. Rohrbach. Dreißig Jahre. Dass er einmal so lange an einem Ort bleiben würde, hätte Pfarrer Müller ebenso wenig für möglich gehalten wie die Seelsorgeeinheiten. 1999 kam Kirchheim hinzu. 2004 der Boxberg und der Emmertsgrund.

„Rückblickend erkenne ich, dass Gott es gut gefügt hat“

Im Juli 2013 verabschiedete sich Pfarrer Müller mit einem unvergesslichen Gottesdienst als Leiter der Seelsorgeeinheit. Danach hat man ihn nie wieder in der Öffentlichkeit gesehen. Karl Müller empfing keine Besuche mehr, aber er freute sich unbändig, wenn ihm Gläubige des Abends unter seinem Fenster ein Ständchen brachten. Und natürlich über jeden Brief, jeden Gruß, jedes Gebet. „Das stärkt mich.“

Pfarrer Müllers „Abdankung“ war die bewegendste Messe in St. Johannes.

Am Dienstag, 28. Januar 2014 verschlechterte sich Karl Müllers Gesundheitszustand dramatisch. Er wurde ins Krankenhaus gebracht, doch die Kräfte schwanden schnell. „Am frühen Morgen des Donnerstag kämpfte er seinen letzten Kampf“, berichtet Pfarrer Faulhaber. „Fieber, Unruhe, ein ängstliches Gesicht.“ Dann Ruhe. „Er lag in Frieden da, sein Kreuz in der Hand.“ Gegen 17 Uhr hauchte Pfarrer Karl Müller „sanft und federleicht sein Leben aus“ (Faulhaber). „Vieles in meinem Leben ist anders geworden, als ich es mir gewünscht habe“, hat Müller in seiner letzten Predigt gesagt. „Aber rückblickend erkenne ich, dass Gott es gut gefügt hat.“

Ein Gedanke zu „Ein rastlos Suchender hat Ruhe gefunden

  1. Liebe Leser und Leserinnen

    Karl Peter Müller hat es verstanden ,die Glaubwürdigkeit unseres Glaubens
    an viele Menschen neu zu vermitteln.
    Er hat vielen konservativen Katholiken die Augen geöffnet.Diejenigen ,die sich die Augen öffnen ließen,profitieren heute davon-,,ohne Angst“zu leben.
    Ich wünsche Karl ,dass er nun die Ruhe findet , dass Gott ihn das sehen lässt,
    an das er sein Lben lang geglaubt hat.

    Andreas ULLMER

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