„Eine hochgradig brisante Altstadtsituation“

Durch und durch marode: Das „Haus der Begegnung“ in der Heidelberger Altstadt

Die Heidelberger Altstadt bekommt ein neues „Haus der Katholischen Kirche“: Für rund fünf Millionen Euro wird im kommenden Jahr das marode „Haus der Begegnung“ in der Merianstraße 1 bis auf die Außenmauern abgerissen und neu aufgebaut.

In welchem Stil, darüber entscheidet ein Architektenwettbewerb. Er war notwendig geworden, weil sich die Vertreter der katholischen Kirche, die Stadtverwaltung und die Denkmalpfleger des Regierungspräsidiums Karlsruhe nicht auf einen Entwurf für das neue Haus einigen konnten. Trotz zweijähriger Diskussion.

„Einen Neubau – hell, luftig, einladend, offen, repräsentativ“ hatte der katholische Dekan Joachim Dauer entwerfen lassen. Seine Begründung: „Wir haben die einmalige Chance, unmittelbar gegenüber dem Besuchermagnet Jesuitenkirche ein ‚Haus der Kirche’ zu errichten, das architektonische Maßstäbe setzt.“ Viel Glas, edle Materialien, sowie einen großzügigen Eingang zum Kirchenportal hin wünschte sich der Dekan. Das „Haus der Begegnung“ wollte er komplett abreißen.

Ein Neubau aus Stahl und Glas mitten in der Heidelberger Altstadt?

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Radikaler Abbruch: Nur zwei barocke Mauern überlebten das Jahr 1968.

Wogegen prinzipiell nichts zu sagen gewesen wäre. „Das barockisierende Gebäude ist kein geschütztes Denkmal“, erklärt der Oberkonservator Hermann Diruf vom Regierungspräsidium Karlsruhe auf Anfrage. Lediglich zwei Außenmauern des „Hauses der Begegnung“ sind noch Originale aus dem Barock, die jedoch für sich alleine nicht schützenswert seien. Das gesamte Innenleben, die Fenster, der Eingangsbereich, das Dach und der Anbau stammen aus dem Jahr 1968 und fallen damit nicht unter den Denkmalschutz.

Gegen einen modernen Neubau jedoch spricht die Lage. „Das Haus wird flankiert von starken Gebäuden wie der Alten Universität und der Jesuitenkirche, die viel Wirkung erzeugen“, sagt der Karlsruhe Oberkonservator. Ein dreistöckiger Stahl-Glas-Komplex würde den Charakter des gesamten Quartiers verändern.

Um das zu verhindern, sollen die beiden Außenmauern des „Hauses der Begegnung“ jetzt doch stehen bleiben: „Wir haben es hier mit einer hochgradig brisanten Altstadtsituation zu tun“, resümiert Werner Wolf-Holzäpfel, der Leiter des Erzbischöflichen Bauamts in Heidelberg. „Was uns bleibt, ist eher ein Umbau als ein Neubau.“

Geschütztes Ensemble: Das Haus der Begegnung und Jesuitenkirche

Ein Architektenwettbewerb soll jetzt die Lösung finden

Wolf-Holzäpfel ist froh, dass sich künftig die Architekten die Köpfe darüber zergrübeln müssen, wie sie sämtliche Vorgaben unter einen Hut bringen. Auch wenn der Architekten-Wettbewerb eine schöne Stange Geld kostet. Die Fakten: Das Dekanat Heidelberg-Weinheim braucht einen großen, repräsentativen Saal. „Er soll“, fordert Dekan Dauer, „optisch den Innenraum mit dem Kirchenvorplatz verbinden.“

Auch die Citypastoral und das katholische Bildungszentrum Heidelberg haben viel Publikumsverkehr und benötigen Räume, die sich auf den Platz öffnen. In den Obergeschossen sollen die Ehe-, Familien- und Lebensberatung, die Dekanatsverwaltung und das Kirchenbuchamt ein Zuhause finden.

Ein „repräsentativer Raum“ soll künftig das Haus mit dem Platz verbinden

An den Start im Wettbewerb gehen unter anderen erfahrene Altstadtsanierer wie Hansjörg Maier oder die Architektengemeinschaft „Loebner, Schäfer, Weber“. Das Weststädter Büro „Hübner, Erhard u. Partner“ hat die Heidelberger Heiliggeistkirche saniert. Stararchitekt Peter Kulka aus Köln, bekannt für mutige Lösungen, entwarf die neue Heidelberger Feuerwache. Am 2. März 2009 fällt die Entscheidung.

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