Ein Entwurf mit Respekt vor der Altstadt

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Die Siegeridee: Rückbau auf barockes Format plus Gästehaus aus Sichtbeton

Das „Haus der Begegnung“ in der Heidelberger Altstadt erhält seine ursprüngliche barocke Form zurück. Angefügt werden ein schlanker Neubau aus gefärbtem Sichtbeton und ein lichte Verbindung aus Glas.

So sieht der Entwurf aus, mit dem das Wieblinger Büro „AAg – Loebner, Schäfer, Weber“ den Architekten-Wettbewerbs zum neuen „Haus der Katholischen Kirche“ gegenüber der Jesuitenkirche gewonnen hat.

Gewonnen hat der zurückhaltendste Vorschlag

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Hinter der barockisierenden Fassade verbirgt sich ein modernes Glashaus.

Das Siegermodell war der zurückhaltendste der Vorschläge, unter denen die Jury in der Endphase des Wettbewerbs zu wählen hatte. „Der Entwurf beweist ein hohes Maß an Angemessenheit gegenüber der brisanten Altstadtsituation“, begründet Wolfgang Riehle, Präsident der Architektenkammer von Baden-Württemberg und Jury-Vorsitzender die Entscheidung. „Das Modell zeigt Respekt vor der Architektur der Kirche und wertet den Richard-Hauser-Platz deutlich auf.“

Der katholische Dekan Joachim Dauer als Bauherr glaubt, mit dem Entwurf „eine gute Grundlage für die Planung zu besitzen.“ Im September 2009 will er mit dem Bau beginnen.

Der Wettbewerb war eine extrem schwierige Aufgabe

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Den zweiten Platz belegte das Architektenteam „baumann.dürr“ aus Karlsruhe.

„Die Architekten hatte in diesem Wettbewerb eine extrem schwierige Aufgabe zu lösen“, betonte Kammerchef Wolfgang Riehle, der auch im Wettbewerb um die Heidelberger Theatersanierung der Jury vorgesessen hatte. Auf der einen Seite benötigt die katholische Kirche viel Platz, um alle Einrichtungen zentral zusammenzuführen, die momentan in einem Umkreis von dreißig Kilometern verstreut sind: Die Citypastoral, das katholische Bildungszentrum, die Ehe-, Familien- und Lebensberatung, das Kirchenbuchamt und die Verwaltung des Dekanats Heidelberg-Weinheim.

Andererseits verbietet die exponierte Lage zwischen Alter Universität und Jesuitenkirche einen modernen Neubau. Der Denkmalschutz hatte es zur Auflage des Wettbewerbs gemacht, die barocken Außenmauern des Hauses der Begegnung an der Merianstraße zu erhalten. Die Geschosshöhe war ebenfalls begrenzt worden.

Das Innenleben des Hauses, die Fenster, der Eingangsbereich, das Dach und der Anbau stammen aus dem Jahr 1968 und können abgerissen werden. 150 Architekten aus der gesamten Republik hatten sich am Wettbewerb beteiligt; 18 Modelle kamen in die Endrunde.

Die  „O.M. Architekten“ aus Braunschweig wurden Dritte.

Dem Sieger gelang ein Raumwunder

Dem Siegerentwurf gelang ein Raumwunder. Die Architekten Loebner, Schäfer und Weber wollen das Haus der Begegnung nicht vergrößern, sondern es im Gegenteil auf seine historischen Maße zurückschrumpfen. „Durch den Anbau aus dem Jahr 1968 hat das Gebäude seine barocken Proportionen verloren“, erklärte Stefan Loebner. Zwei Achsen mit je einem Fenster sollen dem Bagger zum Opfer fallen.

Auf den Richard-Hauser-Platz wird dieser Rückbau eine unerwartete Wirkung haben: Die Schulgasse, die bislang vom Haus der Begegnung wie von einem Prellbock gestoppt wird, öffnet sich weit auf den Platz. „Die Jesuitenkirche erhält endlich ein angemessenes Vorfeld“, freut sich Werner Wolf-Holzäpfel, der Leiter des Erzbischöflichen Bauamtes.

Durch einen Trick sollen aus bisher drei Etagen plötzlich vier werden

1968 wurde das Haus der Begegnung schon einmal saniert. Nur eine barocke Mauer blieb.

Den verlorenen Raum im Gebäude wollen die Wieblinger Architekten durch eine Trick zurückgewinnen: Sie entkernen das Haus komplett und ziehen dann ein Stockwerk mehr ein als bisher. Aus drei Etagen machen Loebner, Schäfer und Weber vier. „Die neuen Räume werden alle die geforderte Mindestgröße von 15 Quadratmetern haben bei einer Deckenhöhe von fast drei Metern“, hat Stefan Loebner ausgerechnet.

Man betritt das neue „Haus der Katholischen Kirche“ durch einen Eingang aus Glas, der direkt gegenüber dem Kirchenportal liegt. Rechts vom Eingang, in der gläsernen „Wespentaille“ liegen künftig die ebenerdigen Räume der Citypastoral. Wendet man sich nach links, gelangt man in ein lichtdurchflutetes Foyer, das in den großen Dekanatssaal mündet. Eine freitragende Treppe führt in die oberen Geschosse; ein weiterer kleiner Saal liegt im Keller.

Sichtschlitze statt Fenster im Gästehaus

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Ein Raumwunder: Das Glashaus hinter der Fassade hat vier Stockwerke.

Im Neubau an der Ecke zur Heugasse werden künftig die Gäste der Kirchengemeinde und des Dekanats logieren. Optisch soll der Kubus ein „Pendant zur Jesuitenkirche in moderner Formsprache darstellen“, erklärte Stefan Loebener. Sichtbeton, der mit gemahlenem Sandstein verkleidet wird, nimmt den Ton der Kirche wieder auf. Mit Sichtschlitzen statt Fenstern wollen die Architekten die geschlossene Fassade der Kirche nachempfinden.

Eine Idee, die bei den Bauherren noch nicht auf Gegenliebe gestoßen ist. „Die Fassadengestaltung des Neubaus muss noch diskutiert werden“, fand Dekan Dauer. Der gläsernen Eingangsbereich und der „neue “ Richard-Hauser-Platz hingegen gefielen dem Dekan sehr. „Das kirchliche Leben findet nicht hinter verschlossenen Türen statt, sondern mitten in der Stadt.“ Rund fünf Millionen Euro wird das neue Domizil der katholischen Kirche kosten.

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