Engagiert für Frauen und Kinder in Not

Brigitte Spannagel
Dr. Brigitte Spannagel-van Kaick leitet den Sozialdienst katholischer Frauen in Heidelberg

Sie hat gelernt, eine Pause zu machen. „Sozialdienst katholischer Frauen“, sagt Brigitte Spannagel-van Kaick und lächelt. Pause. In 95 von hundert Fällen folgt jetzt ein erstauntes „Wie bitte?“ Das Interesse ist geweckt.

Sozialdienst katholischer Frauen (SkF): Ein bundesweiter Verband, der hilft, wenn Frauen und Kindern in Not geraten. Das Paulusheim für Jugendliche in Heidelberg-Rohrbach beispielsweise gehört dem SkF.

Der Verein kümmert sich um junge Mütter, um Schwangere, um inhaftierte Frauen und psychisch Kranke. „Im Rhein-Neckar-Raum beschäftigen wir 52 hauptamtliche Mitarbeiter“, erzählt Dr. Brigitte Spannagel-van Kaick. Die 69-jährige Internistin im Ruhestand ist die neue Vorsitzende des Sozialdienstes katholischer Frauen in Heidelberg.

Mit 69 Jahren liest sie zum ersten Mal in ihrem Leben Bilanzen

Das Paulusheim für Kinder und Jugendliche in Heidelberg-Rohrbach

Mit 69 Jahren geht man das Leben normalerweise ruhiger an. Man reist viel und pflegt seine Hobbys. Brigitte Spannagel-van Kaick liest Bilanzen. Zum ersten Mal in ihrem Leben. „Unsere beiden Jugendheime in Rohrbach und Eberbach finanzieren sich durch die Tagessätze, die sie von den Jugendämtern erhalten“, erklärt die pensionierte Ärztin. Kinder, deren Eltern das Sorgerecht entzogen wurde, finden im Paulusheim ein neues Zuhause. Die Kosten übernimmt das Jugendamt. „Über die Höhe des Entgelds wird jedes Jahr zäh verhandelt“, weiß die SkF-Vorsitzende. Managernerven sind gefragt – auch im Ehrenamt.

25 Jahre war Dr. Brigitte Spannagel-van Kaick Oberärztin in der Reha-Klinik auf dem Königstuhl. Ihr Schwerpunkt: Kardiologie. Daneben engagierte sich die Katholikin in der Klinikgemeinde. „Der Glauben hat in meinem Leben immer eine große Rolle gespielt“.

Nur der Verkauf der Villa konnte das Kinderheim retten

Schweren Herzens verkaufte der SkF seine alte Villa an den SAS-Konzern

Im Ruhestand wechselte die Altstädterin von der Medizin zur Sozialarbeit: Sie übernahm einen von mehreren Gesprächskreisen für psychisch kranke Menschen, die der SkF anbietet. „Diese Basisarbeit macht mir bis heute viel Freude.“ Außerdem heiratete Brigitte Spannagel. Professor Dr. Gerhard van Kaick war einer der führenden deutschen Radiologen – und Witwer. Für Brigitte Spannagel ist es die erste Ehe.

Während Brigitte Spannagel-van Kaick ihre Flitterwochen genoss, schlitterte der Heidelberger SkF in die Krise. Die schöne alte Villa in Ziegelhausen, seit mehr als fünfzig Jahren das Domizil des Paulusheims, musste saniert werden. Alles war kaputt, die Kostenvoranschläge horrend, das Jugendheim stand vor dem Aus.

Nach heftigen Diskussionen beschloss die Mitgliederversammlung, die Villa für 4,4 Millionen Euro an den Software-Konzern SAS zu verkaufen und vom Erlös zwei moderne Heime in Eberbach und Rohrbach zu bauen. Eine schwere Entscheidung. Aber die richtige. „Heute ist das Paulusheim im Quartier am Turm gut integriert“, sagt Brigitte Spannagel-van Kaick. Sie votierte für den Verkauf, fiel auf und wurde gebeten, für den Vorsitz zu kandidieren.

Brigitte Spannagel-van Kaick, Weihbischof Bernd Uhl und Geschäftsführer Thomas Burger

Ledige Mütter leben oft in panischer Angst, ihren Job zu verlieren

Natürlich lehnte sie erst ab. Natürlich fand sie sich zu alt. Natürlich schreckte der Zeitaufwand. Aber schließlich überwog das Bedürfnis zu helfen. Da sind die ledigen Mütter, die in panischer Angst leben, ihren Arbeitsplatz zu verlieren. „Erst vier Wochen nach der Kündigung hat man Anspruch auf Hartz IV“, berichtet Brigitte Spannagel-van Kaick. Vier Wochen ohne Geld. Mit Kindern. Und Miete.

Oder die Mädchen, die mit 14 Jahren schwanger werden. Ohne Schulabschluss. Ohne Chance. „Wir suchen dringend mehr Frauen, die helfen, diese Not ein wenig zu lindern“, appelliert die SkF-Vorsitzende. Katholisch muss man schon lange nicht mehr sein, um im Sozialdienst katholischer Frauen mitzuarbeiten.

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