Eine WG mit Georg Gänswein

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Zwischen zwei Päpsten: Kurienerzbischof  Georg Gänswein

Karl Jung, der katholische Dekan von Mannheim, pflegt neuerdings enge Kontakte in den Vatikan. Ende Oktober durfte Jung mit Papst Franziskus die Frühmesse im Gästehaus Santa Marta zelebrieren. Und jetzt ist es dem Dekan gelungen, Papstsekretär Georg Gänswein zu einer Fastenpredigt in die Mannheimer Jesuitenkirche zu holen. Woher rührt diese neue Intimität mit dem Heiligen Stuhl?

Karl Jung lacht. Die Einladung zur Papstmesse verdanke er dem argentinischen Priester Diego Elola, der in Mannheim wirkt. Und mit Kurienerzbischof Gänswein habe er während des Studiums in Freiburg in einer WG gewohnt.

Die Jesuitenkirche wird vermutlich sehr voll 

Karl Jung, der katholische Dekan von Mannheim

Vermutlich muss man früh da sein, wenn man von Georg Gänswein mehr als die Spitze seiner Mitra sehen will. Die Jesuitenkirche wird voll. Denn obwohl es seit dem Papstwechsel ruhiger geworden ist um den hochgewachsenen Schwarzwälder, genießt Gänswein in Deutschland eine unglaubliche Popularität. Die Leute lieben „Don Giorgio“, nicht zuletzt wegen seines blendenden Aussehens. „Bella figura“ sagen die Italienier.

Inhaltlich ist der „Präfekt des Päpstlichen Haushaltes“, so Gänsweins offizieller Titel, bislang wenig in Erscheinung getreten. Das soll sich ändern. „Georg wurde ja erst seit Dezember 2012 zum Bischof geweiht und kann jetzt ganz anders herumreisen als zuvor“, sagt Dekan Karl Jung. Er findet es wichtig, dass „unsere Leute in Rom“ immer wieder eintauchen in das Leben der Gemeinden vor Ort. „Georg Gänswein ist schließlich ein Priester des Erzbistums Freiburg.“

Aus dem Hochschwarzwald in den Vatikan

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Gänswein wurde als Sohn eines Schmieds im Hochschwarzwald geboren.

In Riedern am Wald wurde Georg Gänswein vor 57 Jahren als ältestes von fünf Kindern eines Schmieds geboren. Der Junge war gut in Mathe und ein talentierter Skilangläufer, trotzdem fühlte er sich zum strengen Schweigeorden der Kartäuser hingezogen. Die Idee hatte keinen Bestand.

Gänswein studierte Theologie in Freiburg und Rom und promovierte nach der Priesterweihe im Kirchenrecht. 1994 ernannte ihn der Freiburger Erzbischof Saier zu seinem persönlichen Assistenten, doch die Chemie zwischen den beiden stimmte nicht. Schon ein Jahr später wechselte Georg Gänswein nach Rom, wo er bald zur rechten Hand von Kardinal Joseph Ratzinger avancierte. „Obwohl Georg drei Jahre älter ist als ich, haben wir immer Kontakt gehalten“, erzählt Karl Jung. Und: „Ich beneide ihn nicht um seine jetzige Aufgabe. Tagsüber der neue Papst, am Abend der emeritierte.“

„Wenn man langsam spricht, versteht der Papst auch deutsch“

Fast schon eine Bischofs-Kirche: Die Jesuitenkirche zu Mannheim im Abendlicht

Georg Gänswein gilt als konservativ. Kompromisse mit dem Zeitgeist sind seine Sache nicht. Man darf gespannt sein, was er in seiner Mannheimer Predigt über den Papst zu sagen hat, der die Türen zur Welt so weit aufreißt, wie kaum jemand vor ihm.

Dekan Karl Jung jedenfalls kehrte als absoluter Fan von seinem Treffen mit Franziskus zurück. „Der Papst hat die alte Tradition wieder eingeführt, dass er Gläubige einlädt, mit ihm morgens um sieben Uhr die Frühmesse zu feiern“, berichtet Jung. Bei Benedikt gab es das nicht. 60 Karten vergibt das Päpstliche Sekretariat pro Tag, jeder kann sich bewerben. „Als wir dort waren, haben elf Priester und ein Bischof mit dem Papst zusammen die Messe zelebriert“, erzählt Jung. Man saß im Halbkreis um den Altar, danach stellte sich Franziskus einfach vor die Kapelle und jeder konnte ein paar Worte mit ihm sprechen. „Es waren Gespräche auf Augenhöhe“, freut sich Dekan Jung. „Und wenn man langsam spricht, versteht der Papst auch deutsch.“

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