Leichen im Keller der Jesuitenkirche

Schädel

Der Schädel im Sarg von Kurfürst Friedrich I.
stammt von einer Frau. Wer war sie?

Ganz geheuer war den beiden Herren die Aktion nicht. In die Krypta, den kleinen Friedhof unter der Jesuitenkirche, wollten Dekan Joachim Dauer und Frieder Hepp, der Direktor des Kurpfälzischen Museums, hinuntersteigen, um nach berühmten alten Knochen zu suchen. 

Die Gebeine von Kurfürst Friedrich I. nämlich waren 1810 in einem schlichten Holzsarg in die Jesuitenkirche überführt und später in der Rückwand der Krypta eingemauert worden. Dann hatte die Welt sie vergessen.

Krypta

Ertappt? Museumsdirektor Frieder Hepp und Dekan Joachim Dauer

Jetzt aber nahte die große Wittelsbacher-Schau in Mannheim und Heidelberg, weswegen das Grab des „Pfälzer Fritz“ plötzlich wieder von hohem öffentlichen Interesse war. Es sollte sogar eine neue Grabplatte aus Sandstein erhalten. Doch dazu mussten Dauer und Hepp die „Ossa Friderici“, des Fritzens Gebeine, erst einmal finden.

Wo verstecken sich Fritzens Gebeine?

Geleitet von einigen vagen Hinweisen und unterstützt von einem professionellen Steinmetz klopften Dekan Dauer und Historiker Hepp die seit der letzten Kirchensanierung komplett geweißte Kryptawand Zentimeter für Zentimeter ab. Und siehe da: In einer der Sargzellen fand sich tatsächlich ein Behältnis, das Frieder Hepp sofort als das „klein hölzerne Laedgen“ identifizierte, in dem die Gebeine des Kurfürsten seit der Zerstörung Heidelbergs ruhen.

Womit sich die Herren allerdings noch nicht zufrieden gaben. Pflichtbewusst überzeugten sie sich auch gleich vom ordnungsgemäßen Inhalt des Sargs. Dauer und Hepp fanden einen Schädel und mehrere Knochen. Allesamt etwa fünfhundert Jahre alt.

Friedrich versicherte feierlich, auf die Ehe zu verzichten. Doch dann kam Clara.

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Jetzt kann Friedrich endlich Ruhe finden: Die neue Grabplatte in der Krypta

Das Jahr des Herrn 1449 zu Heidelberg. Kurfürst Ludwig IV. war mit nur 25 Jahren gestorben und hatte einen einjährigen Sohn hinterlassen. Ludwigs Bruder Friedrich sollte nun als Vormund des Jungen vorübergehend die Regentschaft übernehmen, was dem ambitionierten Adligen aber gar nicht schmeckte.

Friedrich adoptierte kurzerhand seinen Neffen und ernannt sich zum Kurfürst auf Lebenszeit. Eine Aktion, die der Kaiser nie gebilligt hat. Bei seinem Amtsantritt versicherte Friedrich I. feierlich, auf eine Ehe zu verzichten, um die Thronansprüche seines „Sohnes“ nicht zu gefährden. Wenig später verfiel er jedoch dem lieblichen Lächeln des Hoffräuleins Clara Tott, heiratete sie und zeugte mit ihr vier Kinder.

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Die Gedenktafel für die „Ossa Friderici“ in der Jesuitenkirche

Friedrich I. war mit 1,89 Meter nicht nur körperlich ein Hüne, er war ein äußerst erfolgreicher Feldherr. „Er hat jede Schlacht gewonnen“, staunt Frieder Hepp, Direktor des Kurpfälzischen Museums. Unter dem Pfälzer Fritz erreichte die Kurpfalz ihre flächenmäßig größte Ausdehnung und stieg zur führenden Macht im Südwesten auf.

Doch Vorsicht: „Entgegen seinem Ruf als Haudegen hatte Friedrich I. von Jugend an mit gesundheitlichen Problemen zu kämpfen“, weiß Frieder Hepp. Schon mit 42 Jahren legte der Kurfürst in seinem Testament fest, dass er nicht in der Heiliggeistkirche sondern im Franziskanerkloster auf dem Karlsplatz beigesetzt werden wollte. In einem wahrlich prunkvollen „Tumbagrab aus Marmor“ (Hepp). Auf der Platte lag die Figur des Kurfürsten im Purpurmantel, unter seinen Füßen ein Löwe.

Beim Einsammeln der Knochen sind offenbar einige Fehler unterlaufen

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Das einzige Porträt von Kurfürst Friedrich I.

1693 legten die französischen Truppen die ganze Pracht in Schutt und Asche. Ein wackerer Franziskanermönch namens Pater Florinus hat die kurfürstlichen Knochen aufgelesen und in dem „klein hölzern Laedgen“ geborgen. Das Laedgen wurde zunächst in der Gruft des Kapuzinerklosters gegenüber des Kurpfälzischen Museums beigesetzt. Als das Kloster abgebrochen wurde, übersiedelte Friedrich in die Jesuitenkirche.

Dass Florinus bei seiner eiligen Einsammel-Aktion einige kleine Fehler unterlaufen sind, erfuhr die Welt 1981. Eine Laboruntersuchung ergab, dass die Knochen in dem Eichensarg von einem Mann und zwei Frauen stammen. Der Kurfürst, seine Frau Clara und eine ihrer Töchter?

 

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