Benediktinische Schlichtheit

Bunte Fenster sind der einzige Schmuck in der „neuen“ Kirche der Abtei Neuburg

Man steht und staunt: Welch atemberaubende Metamorphose hat die Klosterkirche der Abtei Neuburg durchgemacht. Wo noch vor elf Monaten Dämmerlicht und dunkles Holz dominierten, strahlt heute eine lichte, hohe Halle. Sehr weiß, sehr konzentriert und sehr klösterlich. Kein Heiligenbild und keine Madonna lenken ab von Gott.

„Das Oratorium sei ein Haus des Gebets. Nichts anderes werde dort getan oder aufbewahrt“, zitiert Abt Franziskus Heereman den heiligen Benedikt, nach dessen Regeln die Ziegelhäuser Mönche leben. Momentan müssen sie ihre Gottesdienste in der Aula feiern. Erst im Sommer, schätzt der Abt, werden die Renovierungsarbeiten in der Kirche abgeschlossen sein.

Noch vor elf Monaten hatte schweres, dunkles Holz dominiert

„Ich denke, dass dieser Raum den Menschen hilft, sich dem Heiligen zu öffnen“, sagt Abt Franziskus

Rund 800000 Euro kostet die Sanierung der Klosterkirche von Stift Neuburg. 250000 Euro übernimmt die Erzdiözese Freiburg, den Rest muss der Konvent selbst aufbringen. Die Mönche schaffen das nur mit Spenden und der tatkräftigen Hilfe des „Vereins der Freunde der Abtei Neuburg“, dem Persönlichkeiten aus der Wissenschaft und Wirtschaft angehören. Klar, dass der Freundeskreis die neugestaltete Kirche zuerst begutachten durfte. Das Urteil? „Fast alle waren beeindruckt“, verrät Abt Franziskus. Vor allem die benediktinische Schlichtheit habe die Freunde der Abtei begeistert. „Ich denke“, sagt der Abt, „dass dieser Raum den Menschen hilft, sich dem Heiligen zu öffnen.“

Die Orgel hängt jetzt mit Stahlträgern freischwebend an der Rückwand

Die Fenster spielen künftig in der Klosterkirche eine entscheidende Rolle. Sie sind nicht nur der einzige Schmuck des Kirchenraums, sondern verstärken auch dessen sakrale Wirkung. „Die bunten Fenster tauchen die Kirche in das milde Licht alter romanischer Bauten“, findet Architekt Christian Taufenbach. An sonnigen Tagen tanzen tausend bunte Lichter auf den frisch geweißten Wänden; eine metallisch-lackierte Decke im Chorraum verstärkt das Funkeln.

„Gerade das Einfache ist am schwersten herzustellen“, resümiert Architekt Taufenbach

Noch sind nur die Fenster im Altarraum künstlerisch ausgestaltet. In den kommenden Monaten sollen nach und nach auch die sechs Fenster im Kirchenschiff zu Bleiglas-Kunstwerken werden. 

Christian Taufenbach muss immer lächeln, wenn die Schlichtheit der Klosterkirche hervorgehoben wird. Der Architekt weiß, „wie schwer gerade das Einfache herzustellen ist.“ Die Orgel beispielsweise. Jahrzehntelang beanspruchte das Instrument eine Betonempore für sich. Optisch lastete dieser Balkon schwer auf dem Eingangsbereich, den er förmlich niederzudrücken schien.

Abt Franziskus: „Die Renovierung soll auch zu einer inneren Erneuerung führen“

Taufenbach sägte daher die Empore ab und befestigte die Orgel mit schweren Stahlträgern an der Rückwand der Kirche. Glaselemente in der Eingangstür verstärken den Eindruck der neuen Luftigkeit. „Tagsüber strömt das Licht in die Kirche hinein, abends leuchtet der warme Schein der Kerzen hinaus“, freut sich Abt Franziskus.

Künftig gibt es keine Schranke mehr zwischen Konvent und Gemeinde

Transparent und hell wirkt der Boden der Klosterkirche. Ein niederes Podest aus Douglasiendielen führt vom Eingang bis in den Altarbereich. Der Boden ist ein Zeichen: Künftig wird es in der Klosterkirche keine trennende Schranke zwischen Konvent und Gemeinde mehr geben. Das – moderne – Chorgestühl der Mönche gruppiert sich in U-Form vor den Stufen zum Altar. Direkt dahinter beginnen die Bänke für die Gemeinde. 

Der Tabernakel und die Beichtstühle finden ihren Platz künftig in der Seitenkapelle

Architekt Taufenbach und Abt Franziskus umrahmt vom Vorstand des Freundeskreises der Abtei

Ebenso wie das Gestühl existieren auch Altar und Ambo vorläufig nur als Modelle. Die Altarminiatur zeigt einen Quader aus Naturstein in einer Manschette aus rostigem Metall. Der raue Altar kontrastiert reizvoll mit einem filigranen goldenen Kreuz, das die Benediktinermönche bei der Klosterauflösung in Bad Wimpfen „geerbt“ haben.

Noch nicht einmal einen Entwurf gibt es vom Tabernakel. Er wird ebenso wie die Beichtstühle seinen Platz in der Seitenkapelle erhalten. Ein geschützter Raum für stille Gebete. Schließlich, sagt Abt Franziskus, soll durch die äußere Renovierung der Klosterkirche eine „innere Erneuerung“ und eine „Intensivierung des Gebets“ angestoßen werden. „Auf jeden Fall ist das unser Wunsch.“ 

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