In der Mannheimer Jesuitenkirche steht ganz vorne, fast schon neben dem Altar eine seltsame Bronzebüste. Der Wormser Künstler Karlheinz Oswald hat sie geschaffen. Man sieht: Ein völlig zerklüftetes Gesicht, gezeichnet von furchtbarem Leid. Und doch noch immer tief, nachdenklich, ja sogar ein wenig arrogant. So war der Jesuitenpater Alfred Delp.
In Mannheim geboren, in Lampertheim aufgewachsen und in München in den Orden eingetreten, wurde Pater Delp im Januar 1945 von den Nationalsozialisten ermordet. Mit nur 37 Jahren. Alfred Delp hinterließ ein ergreifendes Tagebuch, das er mit gefesselten Händen im Gefängnis geschrieben hat. Es sind Texte, die bis heute unter die Haut gehen. Der Münchner Kardinal Marx hat jetzt das Verfahren zur Seligsprechung von Alfred Delp eröffnet. Sehr zur Begeisterung der Mannheimer: Beato subito!
Gemischt-konfessionelle Familien waren um 1920 selten.
Alfred Delp, 1907 geboren, ist in einer gemischt-konfessionellen Familie aufgewachsen. Das war zu dieser Zeit noch sehr selten. Die Mutter bestand darauf, dass ihr Erstgeborener katholisch getauft wurde. In der Mannheimer Jesuitenkirche. 1914 zog die Familie mit nun schon fünf Kindern nach Lampertheim, weil der Vater eine Stelle als Kaufmann bei der Krankenkasse in Bensheim gefunden hatte.
Sohn Alfred, so beschloss das Familienoberhaupt, sollte trotz seiner katholischen Taufe den evangelischen Konfirmanden-Unterricht besuchen. Niemand ahnten, dass der hochbegabter älteste Sohn der Familie längst eine enge Freundschaft mit dem katholischen Ortspfarrer pflegte. 1921 empfing Alfred aus eigenem Antrieb die Erstkommunion, kurz darauf wurde er gefirmt. Sein Abitur machte er am bischöflichen Konvikt im hessischen Dieburg. Auch das hat der Pfarrer vermittelt.
„Lasst euch von meiner Mutter keine Heiligenlegenden über mich erzählen“, schrieb Delp später einmal in einem Brief. „Ich war damals ein Strick!“
Alfred Delp war kein Mensch, der sich schnell Freunde machte.
1926 trat Alfred Delp in Jesuitenorden ein und startete sein Theologiestudium in München. 1937 wurde er zum Priester geweiht; zwei Jahre später begann der Zweite Weltkrieg. Alfred Delp war kein Mensch, der sich schnell Freunde machte. Dazu war er zu selbstbewusst, dachte zu viel nach, rauchte zu viele Zigaretten, sprach zu schnell und wurde auch manchmal laut. Ein Mannheimer halt.
Einen Nazi-Spitzel, der Delps Predigen mitstenographierte, hat Alfred Delp sehr sarkastisch von der Kanzel herunter gefragt, ob er vielleicht langsamer sprechen solle, damit der Schreiber auch wirklich alles mitbekommt. Jede seiner Münchner Predigten war voll von metaphorisch verhüllter Regimekritik. Ab 1942 engagierte sich Delp auch im Kreisauer Widerstandskreis um Helmuth Graf von Moltke.
Im Januar 1945 wurde er ohne jeden Beweis wegen „Hochverrats“ zum Tode verurteilt.
1944 schließlich geriet Alfred Delp ins Visier der Gestapo. Ihm wurde vorgeworfen, in den Anschlag von Graf von Stauffenberg am 20. Juli 1944 involviert gewesen zu sein. Delp wurde verhaftet und in die Berliner Haftanstalt Tegel gebracht.
Ein halbes Jahr später – am 11. Januar 1945 – hat man ihn dort ohne jeden Beweis wegen „Hochverrats“ zum Tode verurteilt und am 2. Februar 1945 hingerichtet. Drei Monate später war der Zweite Weltkrieg beendet.




