Der Pilgerbischof

Gerberklein

Michael Gerber ist der jüngste Bischof Deutschlands

Die Nachricht traf alle unvorbereitet. Am meisten ihn selbst. Michael Gerber, der junge Weihbischof von Freiburg, wird neuer Bischof von Fulda. Am 31. März 2019 ist die feierliche Einführung im Hohen Dom. Michael Gerber (49) gehört seit seiner Kindheit der Schönstatt-Bewegung an wie auch der Heidelberger Pfarrer Kurt Faulhaber. Die beiden Priester kennen sich sehr lange und sehr gut. Wie ist er denn so, der neue Bischof von Fulda?

Herr Faulhaber, wie lange kennen Sie Michael Gerber schon?

Das kann ich gar nicht genau sagen, er ist ja 25 Jahre jünger als ich. Bei der Schönstatt-Jugend ist er mir nur aufgefallen, weil er so groß war und einen guten Appetit hatte. Näher kennengelernt habe ich Michael Gerber in seiner Kaplanszeit, als er zu unserer Freiburger Priestergruppe stieß. Seither verbringen wir einmal im Monat einen ganzen Tag zusammen in der Gruppe. Ich höre ihn also Monat für Monat von seinen Erfahrungen und Erlebnissen erzählen.

Wie denkt der neue Bischof von Fulda ?

Michael Gerber ist durch und durch ein Familienmensch. In all der Zeit, in der ich Priester geistlich begleite, habe kaum einen erlebt, der so stark in seiner Familie verwurzelt ist wie er. Diese Familienorientierung setzt sich fort in der Schönstatt-Bewegung. Wir begreifen die Kirche ja als große Familie.

Pfarrer Faulhaber

Kurt Faulhaber kennt den neuen Bischof schon, seit dieser ein Junge war.

Michael Gerbers Begeisterung für Familien konnte man übrigens auch bei seiner Bischofsweihe im September 2013 spüren. Im Freiburger Münster war ein Seitenschiff für Kinder reserviert. Und im Priesterseminar, wo der Empfang stattfanden, hatte man eigens ein Spielzimmer für die kleinen Gäste eingerichtet. Das hatte es noch nie gegeben.

Als Weihbischof hatte Gerber allerdings weniger mit Kindern als vielmehr mit Studierenden, Professoren, Mönchen und Schwestern zu tun. Er war zuständig für die Hochschulpastoral und die Orden.

Auch hier ging es ihm vor allem darum, menschliche Beziehungen aufzubauen. Michael Gerber geht offen auf Menschen zu und hat einen Blick dafür, ob jemand echt ist oder aufgesetzt. Das war ihm auch in seiner Zeit als Regens im Freiburger Priesterseminar wichtig. Er hat stets darauf geachtet, dass die jungen Männer im Seminar zu integrierten Persönlichkeiten reifen, die mit sich selbst und mit anderen umgehen können.

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Geber auf dem Weg zu seiner Bischofsweihe. Er ging zu Fuß.

Was ich persönlich besonders schätze, ist die Atmosphäre der Wertschätzung, die Michael Gerber um sich herum entstehen lässt. Ich kann mich nicht erinnern, dass er sich in all den Jahren ein einziges Mal abfällig über jemanden geäußert hätte.

Was nicht heißt, dass der Bischof die Dinge unkritisch sieht. Er benennt immer offen die Schwachpunkte. Das tat er stets auch dem Freiburger Erzbischof gegenüber. Die Hauptüberraschung seit seiner Bischofsweihe war für mich, dass Michael Gerber so natürlich geblieben ist. Er bewegt sich immer noch ein wenig schlaksig wie vorher. Nur hat er jetzt eben einen Stab.

Apropos Stab. Die realistische Darstellung einer hilfesuchenden Hand (Mensch) und einer helfenden Hand (Gott) in Gerbers Bischofsstab ist von Kritikern als „Kitsch“ bezeichnet worden.

Ich glaube, da ist Michael Gerber etwas anderes wichtiger als die Ästhetik. Für ihn zählt, dass der Stab aus Kastanienholz ist und aus Oberkirch im Schwarzwald stammt. Das ist seine Heimat. In Oberkirch gibt es überall Weinberge und Kastanienbäume. Im Herbst läuft man auf einem Teppich aus Esskastanien.

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2013 weihte Erzbischof Robert Zollitsch den jungen Michael Geber zum Bischof

Den Bischofsstab hat die katholische Pfarrgemeinde von Oberkirch beim dortigen Heimatschnitzer in Auftrag gegeben. Als Geschenk für ihren berühmtesten ehemaligen Ministranten. Oberkirch ist nämlich eine Ministrantenhochburg. Wenn ein Elternabend ansteht, so wurde mir erzählt, muss die Stadthalle angemietet werden, damit alle Platz finden.

In diesem Milieu ist Michael Gerber aufgewachsen. Er ist ein Pilgerbischof. In seinem Wappen sieht man den Pilgerstab, mit dem er schon als Jugendlicher pilgerte. Sein Bischofsstab ist buchstäblich aus dem gleichen Holz geschnitzt wie er selbst.

Michael Gerber hat in Rom studiert. Er spricht italienisch und hat viele Jahre lang verantwortlich den Bau des Internationalen Begegnungszetrums „Belmonte“ der Schönstatt-Bewegung in Rom geleitet.

Das ist die andere Seite des Bischofs. Er fliegt mit großem Spaß mal eben für ein paar Stunden nach Rom und zurück. Und dann nimmt er am Abend noch einen Termin in Freiburg wahr. Wenn es ihm gelingt, an solch einem Tag noch eine Zwischenstation an einem dritten Ort einzubauen, freut er sich, als sei ihm ein perfekter Jungenstreich gelungen.

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Gerbers Werk: Das internationale Begegnungszentrum in Rom

Er hat keinerlei Schwierigkeiten damit, von einem Ort zu anderen zu pendeln, gleichzeitig mehrere Eisen im Feuer zu haben, und er kann Dinge sehr schnell aufnehmen. Außerdem übernimmt er gerne Verantwortung. Er ist keiner der am Rande steht, sondern einer der mitgestalten will. Eine treibende Kraft. In den letzten Jahren strahlt er immer größere Sicherheit aus.

Klingt nach einem modernen Manager.

Michael Gerber hält wenig von folgenlosen Events. Er fragt immer nach den Prozessen. Welche Prozesse laufen in der Kirche? In welchen Lebensprozessen stecken die Menschen gerade drin? In diesem prozessorientierten Denken ist Michael Gerber natürlich von Pater Josef Kentenich inspiriert, dem Gründer der Schönstatt-Bewegung, über dessen Menschenbild und Pädagogik der Bischof promoviert hat.

Kentenich geht davon aus, dass jeder Mensch einen Organismus von Bindungen braucht, sonst wird er krank. Wir brauchen Personen, Orte und Ideen, die zu uns gehören. Diese Bindungen dürfen jedoch nicht statisch sein, sondern sie müssen wachsen, sich entwickeln sich und etwas hervorbringen. Michael Gerber interpretiert alles, was geschieht, als Teil eines lebendigen Prozesses.

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Das Kind im Bischof: Mit Hingabe widmet sich Gerber den Seifenblasen

Wenn alles gut geht, hat Michael Gerber noch 27 Jahre als Bischof vor sich. Das ist eine lange Zeit. Wie mag es um die katholische Kirche bestellt sein, wenn Gerber in den Ruhestand geht?

Für mich verkörpert Michael Gerber den Stil einer jungen Kirche. Einer authentischen, echten, unverbrauchten Kirche. Er wirkt auf Menschen nicht primär durch das, was er sagt, als vielmehr dadurch wie er etwas sagt.

In seinen Predigten geht Gerber gern von Erfahrungen des Tages aus und verbindet sie mit dem Evangelium. Und auf einmal kommt Gott im Leben der Menschen vor – nah und lebendig. 

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