Das Großdekanat feiert Geburtstag

Dekan Joachim Dauer blickt zufrieden zurück auf sein erstes Jahr

Am Anfang war nur Kopfschütteln. Wie will man Ladenburg und Heiligkreuzsteinach, Wieblingen und Schriesheim, Großsachsen und den Pfaffengrund zu einer Einheit zusammenschweißen? Das nämlich plante das Erzbistum Freiburg, als es am 1. Januar 2008 aus 28 Pfarreien das Großdekanat „Heidelberg-Weinheim“ formte.

Auf den Weg bringen sollte es der neue Dekan Dr. Joachim Dauer, Absolvent der Päpstlichen Universität Gregoriana in Rom und vormals Direktor des Priesterseminars in Freiburg.

Heute, ein Jahr später, fängt das Riesengebilde von 83 000 Katholiken tatsächlich an zu leben. Drei neue Pfarrer wurden in Ziegelhausen,Hemsbach und Eppelheim eingeführt; das Paulusjahr mit einem Festgottesdienst auf dem Heidelberger Boxberg eingeläutet und ein Ökumenisches Bischofstreffen fand in Weinheim statt… „Zwar suchen wir noch immer nach dem Weg, aber es ist bereits viel Gemeinsames entstanden“, resümiert Dekan Dauer sein erstes Jahr.

„Ein großer Zusammenschluss kann Akzente setzen“

Spaß muss auch sein: Dauer bei der Jugendaktion „72 Stunden“

Ein Dekan ist der Mittler zwischen dem Erzbistum Freiburg und den Pfarrgemeinden vor Ort. So sagt es das Statut. In der Praxis, sagt Joachim Dauer, sei es sein vordringlichstes Ziel gewesen, ein Vertrauensverhältnis unter den Leitern der Seelsorgeeinheiten aufzubauen. „Die Seelsorgeeinheiten sollen keine isolierten Inseln sein, sondern sich untereinander schlagkräftig vernetzen.“

Alle Aufgaben, die die Kräfte der Gemeinden vor Ort übersteigen, übernimmt das Dekanat. Im Jugendbüro beispielsweise, bei den Ehevorbereitungskursen oder in der Frauenarbeit, bei der Organisation von Chor- und Familientagen oder der Firmung. Ein gemeinsamer Internet-Auftritt sowie ein Dekanats-Heft im modernen Layout lassen Informationen nach allen Seiten fließen. Joachim Dauer: „Ein großer Zusammenschluss kann Dynamik entwickeln und Akzente in der Gesellschaft setzen.“

„Wenn alle an einem Strang ziehen, ist das eine Sternstunde“

Retter in der Not: Altdekan Fritz Ullmer schulterte Schriesheim-Dossenheim

Sicher, Reibungen blieben auch nicht aus im ersten Jahr Großdekanat „Heidelberg-Weinheim“. Die hauptamtlichen Mitarbeiter und die Priester mussten es schlucken, dass der Dekan erstmals in der Geschichte explizit als Vorgesetzter agiert. Zuvor hatte er lediglich eine Art Sprecherfunktion inne. Behutsamkeit, erklärt Joachim Dauer, sei oberste Maxime, wenn es um die Führung der rund hundert Menschen geht, die für die Katholische Kirche an der Bergstraße und in Heidelberg arbeiten. „Ein Dekan polarisiert nicht, sondern führt Kräfte zusammen.“ Aber: „Ohne Durchsetzungsvermögen ist ein so großes Gebilde nicht zu leiten.“

Der Lohn für die Mühe kommt, wenn man ihn am wenigsten erwartet. Als der junge Schriesheimer Pfarrer Ronny Baier im Spätsommer schwer erkrankte, übernahmen Priester aus dem ganze Dekanat ohne Zögern seine Arbeit. Solange bis Fritz Ullmer, der Weinheimer Altdekan, von seiner Peru-Reise zurückkehrte. Dann schulterte der 70jährige Pensionär Ullmer die Seelsorgeeinheit, in der er eigentlich seinen Ruhestand verbringen wollte. „Wenn tatsächlich alle an einem Strang ziehen, das ist eine Sternstunde“, freut sich Dekan Dauer.

1,4 Millionen Euro kostet die neue Orgel der Heidelberger Jesuitenkirche

An Pfingsten wird die neue Orgel geweiht

Für 2009 ist sein Terminkalender schon jetzt randvoll: An Pfingsten wird die neue Orgel in der Jesuitenkirche geweiht. 1,4 Millionen Euro wird sie kosten. Generalvikar Fridolin Keck und Erzbischof Robert Zollitsch werden erwartet. Vier Bischöfe zugleich reisen vom 10. bis 12. Juli zur Firmung der Jugendlichen im Dekanat an. Im März soll in Weinheim das Dekanats-Altenwerk gegründet werden, und im September findet ein „Tag der Pfarrgemeinderäte“ statt. Für das gute ökumenische Miteinander sorgt der kurze Weg zur evangelischen Dekanin im Schmitthenner Haus in der Heidelberger Altstadt. Und im Februar steht ein weiteres Treffen im „Interreligiösen Dialog“ mit den Muslimen und der jüdischen Gemeinschaft auf dem Programm.

Das „Haus der Begegnung“ soll einem Neubau weichen

Das drängendste Problem auf Joachim Dauers Agenda ist ein neues Zuhause für seine Crew. Momentan arbeitet Dauer im Pfarrhaus der Heidelberger Jesuitenkirche, wo er als Stadtpfarrer wirkt. Sein Team sitzt 23 Kilometer entfernt in der Weinheimer Paulstraße. Ein unbefriedigender Zustand.

Eine Gratwanderung zwischen Barock und Moderne

Für fünf Millionen Euro soll daher das marode „Haus der Begegnung“ gegenüber der Jesuitenkirche abgerissen und durch einen Neubau ersetzt werden. Darin können die Dekanatsverwaltung, die Ehe-, Familien- und Lebensberatung, das Katholische Bildungszentrum, die Citypastoral und das Kirchenbuchamt untergebracht werden. Alles schön bei einander.

„Wir brauchen ein helles, luftiges, repräsentatives Haus mit viel Licht, schönen Materialien und großzügigem Eingang zum Kirchenportal hin“, erläutert Dauer. Der Haken an der Sache: Zwar stammt das derzeitige „Haus der Begegnung“ selbst aus dem Jahr 1968 und ist architektonisch uninteressant. Seine Lage zwischen Alter Universität und Jesuitenkirche jedoch ist hochgradig denkmalgeschützt. Mit einem Architektenwettbewerb soll die Gratwanderung zwischen Barock und Moderne gelingen. Im März fällt die Entscheidung, im Herbst 2009 beginnt der Bau.

 

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